Hallo alle,
ja diese Info ging gestern bei uns auch schon durch die Medien. Wobei man mit solchen Meldungen die dem gemeinen Volk unterbreitet werden immer sehr vorsichtig sein sollte. Hier wird suggeriert als ob irgendwo bei Freiberg 1000 t Indium rumliegen die man nur aufheben muss und sofort der Industrie zur Verfügung stehen.
Ich habe ja in Freiberg Geologie studiert und mich damals ziemlich intensiv mit der Lagerstätte befasst. In der Freiberger Lagerstätte wurde ja noch bis 1968 Bergbau vornehmlich auf Blei, Silber, Zink, Flussspat und Schwerspat betrieben. Damals wurden auch diverse Spurenelemente wie z. B. Indium, Iridium, Germanium und andere aufbereitungstechnisch mit gewonnen, auch wenn damals teilweise gar keine spezifische Verwendung für diese Elemente vorhanden war. Indium und Iridium z. B. wurde zunächst nur gelagert und erst viel später als es eine Verwendungsmöglichkeit z. B. in der Chip-Herstellung gab verwendet. Da diese Elemente aber nicht in eigenständigen Lagerstätten in/bei Freiberg vorliegen sondern nur dispers als Spurenelemente in der Gesamtlagerstätte vorliegen müsste die Lagerstätte wieder in Betrieb genommen werden. Ob das so einfach geht sei mal dahin gestellt.
Beim Studium hatte ich Mineralogie beim damaligen Kustos der Mineralogischen Sammlung der Bergakademie Dr. Fritz Hofmann, der damals schon davon sprach das die Lagerstätte noch längst nicht ausgebeutet ist und in Bezug auf Indium und Iridium einmal wieder interessant werden könnte. Das zeigt auch das heute als neu verkaufte Meldungen gar nicht so neu sind sondern schon lange bekannt sind, was übrigens für alle in letzter Zeit "aufgetauchte neuen Lagerstätte" in Sachsen zutrifft. Seine damalige 1984 ausgesprochene Prophezeiung scheint nun einzutreffen! Vielleicht auch deshalb weil damals angelegte Reserven an diesen Elementen nun zur Neige gehen.
Aber diese Meldung ist ja nicht die einzige dieser Art aus letzter Zeit, viele dieser Meldungen sind ja wieder verstummt, vielleicht auch weil wir gerade in eine Krise stecken und die Weltmarktpreise wieder fallen. Ein Bergwerk ist eben auch nicht von Heute auf Morgen eröffnet, das dauert alles seine Zeit und will wohl überlegt und durchgerechnet sein. Der Abbau allein macht es ja auch nicht, die viel größere Herausforderung ist die Aufbreitung der Erze und die ganze dazugehörige Infrastruktur, sowie in Deutschland nicht zu vergessen die genehemigungsrechtlichen, umweltrelevanten Belange und die Akzeptanz in der Bevölkerung.
Außerdem gehört bei Betreibern und Investoren auch eine gehörige Portion Mut und Entschlossenheit dazu ein solches Projekt auch mal zu beginnen und nicht nur davon zu reden. Ich erinnere nur an eine vorliegende Abbaugenehmigung für die Flussspatlagerstätte in Niederschlag im Erzgebirge, hier könnte begonnen werden aber es tut sich nichts.
In diesem Sinne, MfG Jürgen
PS: Mal sehen ob ich noch einen neuen aktiven Bergbau in Sachsen erlebe, immer hin habe ich mir vorgenommen 90 zu werden
