Hallo!
Grundsätzlich begrüße ich Ansätze, nicht nur die Ausbeutung von Bodenschätzen den Einwohnern eines Landes zu überlassen, sondern auch deren Veredelung bzw. Weiterverarbeitung. Die mir bisher bekannten Beispiele im Mineralien- und Fossiliensektor lassen dabei aber fast durchweg im Ergebnis zu wünschen übrig: Triebfeder ist immer, mit einem Minimum an Aufwand ein Maximum an Gewinn zu erzielen bzw. die Kosten der Verarbeitung (und damit die Sorgfalt) so niedrig zu halten, dass große Mengen mit möglichst konkurrenzfähigen Preisen produziert werden. Das bedeutet: Meistens kaputtpolierte Ammoniten und unsachgemäß geschliffene Hölzer aus Madagaskar, zu Tode gedremelte und "verschönerte" Fossilien aus China und eben die allseits berüchtigten Fossilfälschungen aus Marokko.
Sofern diese Arbeiten sachgemäß im Herkunftsland ausgeführt werden würden, wären die Preise selbst bei Direktexport ähnlich hoch, als würde das Rohmaterial erst z. B. Deutschland aufwändig bearbeitet. Maschinen, Verbrauchsmaterial etc. von hohem technischem Standard, der zu auch bei uns akzeptablen Ergebnissen führt, kosten global etwa gleich viel. Der einzige Faktor, der zu Einsparungen führen kann, ist der Arbeitslohn. Aber genau das soll beim Ziel Entwicklungshilfe ja nicht der Fall sein!
Wenn ich Ralfs Rechnung richtig verstehe, sind max. 2% der Achate marktfähig, der Rest ist naturbedingt Ausschuss? Und diese 2% kosten dann 20,- €?
Dann ist Dein Grundgedanke, DonMineral, lediglich eine Methode, ein Problem zu verlagern: Nämlich das des Ausschusses. Statt 98% nicht brauchbares Material unverarbeitet zu - stückzahlmäßig betrachtet - Niedrigstpreisen zu exportieren, regst Du an, durch die Verarbeitung vor Ort diesen Ausschuss gleich im Land zu lassen und nur die brauchbaren 2% der Fundmenge zu exportieren. Die Kosten für den Ausschuss (die Einheimischen wollen ja für ihr gesamtes Sammelgut bezahlt werden, und auch der spätere Ausschuss will ja auch erst mal aufgesägt werden!) musst Du aber auf diese 2% umlegen. Für sich genommen erzielst Du damit zwar für jeden tatsächlich exportierten Achat einen deutlich höheren Einzelpreis, aber die Exportmenge an sich sinkt gewaltig. Unterm Strich bleibt alles beim Alten.
Das ist zugegeben recht grob über den Daumen gepeilt (und berücksichtigt keine Fracht- und Zwischenhändlerkosten), erteilt aber der Vorstellung, dass sich mit Deiner Idee plötzlich die von Sammlern ausgegebenen Beträge vom deutschen Markt direkt nach Marokko umleiten und dort in voller Höhe und vor allem vor Ort für die Verbesserung der Lebensumstände einsetzen lassen, eine klare Absage. Nach Bezahlung von Maschinen, Ersatzteilen und Verbrauchsmaterial (dieses Geld geht wiederum überwiegend an nicht-marokkanische Hersteller) bleibt höchstens ein geringer Lohn für die Einheimischen. Großartige Projekte lassen sich damit sicher nicht realisieren.
Vielleicht kann man eine Interessengruppe bilden mit ein paar Freunden--Achate schleifen in Marokko.. da könnte man dann auch Kurse abhalten für andere deutsche Sammler die selbst schleifen wollen oder die keine Maschienen haben die könnten dann hier mit den Berbern schleifen..
Wer seine heimischen Funde schleifen will (habe ich das richtig verstanden?), reist sicherlich nicht damit nach Marokko, weil dort günstige Schleifkurse angeboten werden. Allein die Frachtkosten...

Dann kann ich mir nicht vorstellen, dass es viele Achatfreunde gibt, die die Reisekosten auf sich nehmen, plus die Kosten für Unterkunft und Verpflegung, um die 2% verwertbarer Achate zu suchen und dann auch noch vor Ort zu schleifen - der Preis für ein Einzelstück wird damit ja... absurd! Das machen höchstens eingefleischte Liebhaber, die einmal im Leben ihr eigenes Stück am Ursprungsort sammeln wollen. Und wie viele davon gibt es? Lässt sich darauf ein tragfähiges Geotourismusgewerbe gründen?

Ähnliche Konzepte gibt es bereits für Studien- und Sammelreisen. Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie ausgesprochen teuer und nur für bestimmtes Klientel bezahlbar sind. Dies ist aber weniger das Klientel, das mit Eseln und einem Kanister in die Wüste zum Selbersuchen reiten will. Hier wollen Jeeps, einigermaßen komfortable Unterkünfte, standardgemäße Verpflegung und ein Rahmenprogramm geboten sein! Und die Zeitdauer der Reise... Wie lange dauert es, wenigstens einen guten Achat zu finden? Wenn man als Einzelperson Wochen mit der Suche verbringen muss, um nur ein gutes Stück zu finden, ist das sicherlich nicht attraktiv. Bei Sammelreisen werden gezielt nur Fundorte angefahren, die gute Funde in kurzer Zeit garantieren. Alles andere ist nicht realistisch, wer hat schon die Zeit dazu?
Kann Geotourismus als solcher überhaupt als Grundlage für den wirtschaftlichen Aufschwung einer Region dienen? Meiner Ansicht nach nein - dafür ist das Marktsegment viel zu unbedeutend.
Wie Ralf so treffend bemerkt: Neuartige Funde aus Marokko sind gefragt, für die der Markt bereit ist, tiefer in die Tasche zu greifen. Dann lassen sich solche Funde schon ab Herkunftsland zu höheren Preisen verkaufen.
Ich persönlich warte noch immer darauf, auf Börsen mal die erwiesenermaßen in Marokko zu findenden Trias-Ammoniten zu sehen (keine Spur davon bisher). Und bitte nicht geschliffen oder vermackt oder brachial aus der Matrix gebrochen. Da würde bei mir der Geldbeutel aufgehen - für ein unpräpariertes Stück sogar noch großzügiger!
Um die Frage des Threads zu beantworten:
Achate Marokkos - wem gehören die eigentlich?
Den Marokkanern. Und es ist ihre Sache, zu welchen Preisen sie sie verkaufen. Danach haben sie keinerlei Recht mehr, sich darüber zu beschweren, was im Rest der Welt mit diesen Achaten gemacht wird und zu welchen Preisen sie dort gehandelt werden. Wenn höhere Preise im Herkunftsland erzielt werden sollen, muss man ab Quelle teurer verkaufen. Wenn dadurch die Nachfrage und damit die Umsätze sinken, zeigt das, dass man kein gefragtes bzw. konkurrenzfähiges Produkt liefert, marktwirtschaftlich gesprochen. Und darum scheint es ja hier zu gehen.
Gruß,
Triassammler