Die meisten hier diskutierten Probleme sind in den IMA-Richtlinen geregelt:
http://www.mineralogicalassociation.ca/doc/abstracts/ima98/ima98(01).pdfNochmal aus den Richtlinien der IMA:
"A mineral substance is a naturally occurring solid that has been formed by geological processes, either on earth or in extraterrestrial bodies. A mineral species is a mineral substance with well-defined chemical composition and crystallographic properties, and which merits a unique name."
Die Zusammensetzung muss nicht konstant, aber eben definiert sein (Grenzen bei Mischkristallen !).
Ähnlich sieht es bei den kristallografischen Eigenschaften aus. Polytypen gelten, obwohl sie sich kristallografisch unterscheiden, nicht als eigenständige Minerale.
Nierensteine usw. sind keine Minerale, sie sind zwar natürlich gebildete Feststoffe, aber eben nicht durch geologische Prozesse entstanden. Das ist ganz eindeutig.
Amorphe Substanzen werden nach wie vor von der IMA anerkannt. Es muss jedoch gezeigt werden, dass sie homogen sind.
Das Vorliegen einer Strukturanalyse ist keine Voraussetzung für die Anerkennung durch die IMA (kann ich auch aus eigener Erfahrung bestätigen).
Es ist auch ein Irrtum, dass Schlackenminerale und Haldenbrandminerale generell diskreditiert sind und keine Minerale mehr sind. Es werden keine neuen Schlackenbildungen und Haldenbrandbildungen mehr anerkannt. Der Beschluss der IMA gilt jedoch nicht rückwirkend. Es gibt nach wie vor Minerale, die ausschließlich aus Schlacken oder von brennenden Halden bekannt sind, und nicht diskreditiert sind sondern weiter als anerkannte Minerale gelten. Was als Mineral von dort beschrieben wurde, bleibt ein Mineral.
Festes CO2, z.B. vom Mars, kann als Mineral anerkannt werden, wenn es bei der IMA eingereicht und Typmaterial in einem Museum hinterlegt wird. Solange dass nicht passiert, ist es eben kein anerkanntes Mineral. Das gleiche gilt für Methanhydrat. Es erfüllt alle Kriterien, ist strukturell von normalem Eis verschieden (die häufigste Form ist strukturell übrigens sehr ähnlich Melanophlogit). Es hat bisher nur keiner eingereicht.
In der oben genannten Veröffentlichung steht auch, dass es Grenzfälle gibt, und hier keine allgemeinen Regeln aufgestellt werden können, sondern jeder Fall individuell betrachtet werden muss (z.B. was die minimale Größe betrifft).
Da die Mineralogie eine Wissenschaft mit Geschichte ist, gibt es diverse Ausnahmen, die heute wohl nicht mehr als Minerale anerkannt würden. Kaolinit, Nakrit und Dickit sind Polytypen, ebenso Hydrotalcit und Manasseit und einige weitere Beispiele. Abhurit, Romarchit und Hydroromarchit haben sich durch Verwitterung auf Zinnbarren oder Zinngeschirr gebildet. Calclacit ist eine Neubildung in Museumsschubladen .....
Glück Auf
der Stollentroll