Mineralien / Minerals / Minerales > Systematik und Klassifikation / Systematics and Classification
Zucker-Ein Mineral?
Ralf:
Ich bin der festen Überzeugung, der Hang des Menschen zum verkomplizieren ist Schuld an dieser ganzen Diskussion.
Wen stört´s wenn alles was kristallin vorkommt als Mineral bezeichnet wird ?
Keiner wird deswegen einen Eiswürfel in die Sammlung aufnehmen oder die " Fundorte " von Zucker definieren. Schlackenminerale wurde lange anerkannt, dann diskreditiert und wenn sie nun unter " natürlichen " Bedingungen entdeckt werden/würden, wieder neu aufgenommen.
Der wissenschaftliche Sinn dieser Einstufungen bleibt mir verschlossen. Es ist eher ein Glaubenskrieg.
triassammler:
caliastos:
--- Zitat ---vermute aber der unterschied in der einstufung hängt am namen.
--- Ende Zitat ---
Der Unterschied hängt am Aggregatzustand bei Raumtemperatur (in der Physik definiert als 293° K) und Luftdruck auf Meereshöhe (definiert als 1013,25 mbar). Ein Mineral hat bei diesen Bedingungen kristallin (ein reel homogenes Diskontinuum = Feststoff mit gesetzmäßig organisierter atomarer Gitterstruktur; deswegen fällt auch Opal aus der Mineralklassifikation heraus) zu sein. Hg flüssig ist genauso wenig ein Mineral wie geschmolzener Quarz. Reinelementare Schmelzen (wie von Hg, Au, Fe) sind von gemischtelementaren Schmelzen (z. B. Schmelze von Calciumkarbonat, Quarz uvm.) aber hinsichtlich der Benennung definitiv zu unterscheiden. Eine Calciumkarbonatschmelze kann man nicht als Calcit/Aragonit bezeichnen, weil die namensdefinierenden Eigenschaften (Kristallsystem, das entscheidet ja darüber, welche von beiden möglichen Modifikationen vorliegt) in der Flüssigkeit natürlich nicht gegeben sind. Hg ist dagegen auch geschmolzen noch Hg, weil hier keine Mineralvarietät, sondern ein Element bezeichnet wird.
Das geschaffene Druck- und Temperaturbezugssystem ist so gesehen willkürlich und spiegelt einfach die planetaren Durchschnittsbedingungen wider, in denen sich seine Schöpfer bewegen. Auf Jupiter, Ganymed oder Charon mag das anders sein, aber das sind ja nur theoretische Probleme ohne praktischen, alltäglichen Bezug.
My 2 cents.
Gruß,
Triassammler
Krizu:
--- Zitat von: triassammler am 26 Jan 09, 00:31 ---caliastos:
--- Zitat ---vermute aber der unterschied in der einstufung hängt am namen.
--- Ende Zitat ---
Der Unterschied hängt am Aggregatzustand bei Raumtemperatur (in der Physik definiert als 293° K) und Luftdruck auf Meereshöhe (definiert als 1013,25 mbar). Ein Mineral hat bei diesen Bedingungen kristallin (ein reel homogenes Diskontinuum = Feststoff mit gesetzmäßig organisierter atomarer Gitterstruktur; deswegen fällt auch Opal aus der Mineralklassifikation heraus) zu sein. Hg flüssig ist genauso wenig ein Mineral wie geschmolzener Quarz. Reinelementare Schmelzen (wie von Hg, Au, Fe) sind von gemischtelementaren Schmelzen (z. B. Schmelze von Calciumkarbonat, Quarz uvm.) aber hinsichtlich der Benennung definitiv zu unterscheiden. Eine Calciumkarbonatschmelze kann man nicht als Calcit/Aragonit bezeichnen, weil die namensdefinierenden Eigenschaften (Kristallsystem, das entscheidet ja darüber, welche von beiden möglichen Modifikationen vorliegt) in der Flüssigkeit natürlich nicht gegeben sind. Hg ist dagegen auch geschmolzen noch Hg, weil hier keine Mineralvarietät, sondern ein Element bezeichnet wird.
Das geschaffene Druck- und Temperaturbezugssystem ist so gesehen willkürlich und spiegelt einfach die planetaren Durchschnittsbedingungen wider, in denen sich seine Schöpfer bewegen. Auf Jupiter, Ganymed oder Charon mag das anders sein, aber das sind ja nur theoretische Probleme ohne praktischen, alltäglichen Bezug.
--- Ende Zitat ---
Hallo,
jauw, so hätte ich beinahe mal eine Wette verloren.
Welche Elemente sind unter Laborbedinungen Flüssig:
Meine Antwort: Zwei, Hg + Br. Der Kollege sagte drei 8) Der kam aus Kamerun, da ist Ga im Labor flüssig ;D :o .
BTW: CaCO3 bildet keine Schmelzen 8)
MfG
Frank
stollentroll:
Die meisten hier diskutierten Probleme sind in den IMA-Richtlinen geregelt:
http://www.mineralogicalassociation.ca/doc/abstracts/ima98/ima98(01).pdf
Nochmal aus den Richtlinien der IMA:
"A mineral substance is a naturally occurring solid that has been formed by geological processes, either on earth or in extraterrestrial bodies. A mineral species is a mineral substance with well-defined chemical composition and crystallographic properties, and which merits a unique name."
Die Zusammensetzung muss nicht konstant, aber eben definiert sein (Grenzen bei Mischkristallen !).
Ähnlich sieht es bei den kristallografischen Eigenschaften aus. Polytypen gelten, obwohl sie sich kristallografisch unterscheiden, nicht als eigenständige Minerale.
Nierensteine usw. sind keine Minerale, sie sind zwar natürlich gebildete Feststoffe, aber eben nicht durch geologische Prozesse entstanden. Das ist ganz eindeutig.
Amorphe Substanzen werden nach wie vor von der IMA anerkannt. Es muss jedoch gezeigt werden, dass sie homogen sind.
Das Vorliegen einer Strukturanalyse ist keine Voraussetzung für die Anerkennung durch die IMA (kann ich auch aus eigener Erfahrung bestätigen).
Es ist auch ein Irrtum, dass Schlackenminerale und Haldenbrandminerale generell diskreditiert sind und keine Minerale mehr sind. Es werden keine neuen Schlackenbildungen und Haldenbrandbildungen mehr anerkannt. Der Beschluss der IMA gilt jedoch nicht rückwirkend. Es gibt nach wie vor Minerale, die ausschließlich aus Schlacken oder von brennenden Halden bekannt sind, und nicht diskreditiert sind sondern weiter als anerkannte Minerale gelten. Was als Mineral von dort beschrieben wurde, bleibt ein Mineral.
Festes CO2, z.B. vom Mars, kann als Mineral anerkannt werden, wenn es bei der IMA eingereicht und Typmaterial in einem Museum hinterlegt wird. Solange dass nicht passiert, ist es eben kein anerkanntes Mineral. Das gleiche gilt für Methanhydrat. Es erfüllt alle Kriterien, ist strukturell von normalem Eis verschieden (die häufigste Form ist strukturell übrigens sehr ähnlich Melanophlogit). Es hat bisher nur keiner eingereicht.
In der oben genannten Veröffentlichung steht auch, dass es Grenzfälle gibt, und hier keine allgemeinen Regeln aufgestellt werden können, sondern jeder Fall individuell betrachtet werden muss (z.B. was die minimale Größe betrifft).
Da die Mineralogie eine Wissenschaft mit Geschichte ist, gibt es diverse Ausnahmen, die heute wohl nicht mehr als Minerale anerkannt würden. Kaolinit, Nakrit und Dickit sind Polytypen, ebenso Hydrotalcit und Manasseit und einige weitere Beispiele. Abhurit, Romarchit und Hydroromarchit haben sich durch Verwitterung auf Zinnbarren oder Zinngeschirr gebildet. Calclacit ist eine Neubildung in Museumsschubladen .....
Glück Auf
der Stollentroll
caliastos:
--- Zitat ---Hg ist dagegen auch geschmolzen noch Hg
--- Ende Zitat ---
genau das meinte ich an sich damit. hg ist immer hg, gleich welcher zustand. ist etwas wirr formuliert gewesen
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