NEIN! Das ist weder Flint noch Muschelkalkhornstein und hat schon gleich gar nichts mit dem antstehenden Gestein zu tun. Und Gletschergeschiebe ist ebenfalls völliger Unfug! Der Odenwald war nie vergletschert! Schaut mal in den Diercke-Atlas, S. 115 (Weichsel-/Würmeiszeit), den hat jeder Gymnasiast in Bayern zuhause liegen. Der lag im PEriglazialbereich zwischen Alpen- und Skandinavischer Vereisung! Hier war Tundralandschaft und Lebensraum des paläolithischen Menschen! Hier sind Neandertaler durch die Gegend gezogen und wurden später von unseren eigenen Vorfahren abgelöst. Beide haben zur Artefaktherstellung auf das Material zurückgegriffen, welches unmittelbar vor Ort oder zumindest in Reichweite lag. Es handelt sich dabei um ein angeschlagenes Kieselschiefergeröll aus dem Flusstal. Damit ist es ein typisches paläolithisches Artefakt, wie sie hier bei uns in Unterfranken auf flussbegleitenden Höhenzügen des Mains immer wieder liegen.
Muschelkalkhornstein ist nichts anderes als verkieselter Muschelkalk und daran erkennbar, dass er übersäht ist mit kleinen Oolithen und Muschelschalen. Manchmal wurden auch daraus Werkzeuge hergestellt. Das vorliegende Gestein reagiert natürlich nicht auf Salzsäure, weil es aus Siliziumdioxid besteht, das Zeug ist aus Quarzgel. Kieselschiefer ist der versteinerte Rest von winzigen abgelagerten Meerestierchen, den Radiolarien. Unsere Mittelgebirgsflüsse, speziell der Main hat das Zeug aus dem Frankenwald bzw. Fichtelgebirge herantransportiert.
"Silex" ist in der Tat die Bezeichnung für alle Arten von verkieseltem Gesteinsmaterial. Die Archäologen fassen diese Gesteinsgruppen zunächst ohne Rücksicht auf Verluste zusammen, erst dann wird genauer unterschieden. Es handelt sich dabei also um Silex, genauer gesagt um Radiolart, genauer gesagt um Kieselschiefer. Das ist wohl auch der Grund, weshalb Geologen und Archäologen nie wirklich Freunde werden können...
Und wie gesagt, so wie das Stück ausschaut, hast du sogar ein richtiges Werkzeug aufgelesen.
Grüße,
Thomas