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Autor Thema: Zwei unbekannte Mineralien Schwarzwald  (Gelesen 7841 mal)

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Offline smoeller

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Zwei unbekannte Mineralien Schwarzwald
« am: 02 Dec 08, 13:21 »
Hallo,

Mal eine Frage an die absoluten Spezialisten:

1. Grube Amalie, Staufen-Grunern

Es handelt sich um grünblaue dünntafelig-blättrige xx, die zu kugeligen Aggregaten vereint sind. Auf den Tafelflächen z.T. ein hoher perlmuttartiger Glasglanz. In Frage kämen nach dem Artikel von Schlomann (1990) im Aufschluss Langit/Posnjakit und Theisit. Irgendwie kommt mir der Glanz und die extrem dünntafeligen xx für Langit merkwürdig vor.

Foto 1 BB ca. 3 mm, Foto 2 Ausschnitt daraus.

Die Farbe stimmt bei Foto 1 besser.

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Smoeller


Offline smoeller

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Re: Zwei unbekannte Mineralien Schwarzwald
« Antwort #1 am: 02 Dec 08, 13:30 »
2. Stbr. Wickartsmühle, Willaringen, Hotzenwald

hell bräunlichgelbe bis grünlichgelbe prismatische bis stengelige xx in Kalksilikatfels. Die xx sind in Calcit eingewachsen, der auch Granat (Grossular-Andradit), Diopsid und ein schwarzgraues Mineral (wohl Graphit) führt. Die fraglichen xx haben einen quadratischen/rechteckigen Querschnitt, so dass ichsie als tetragonal oder orthorhombisch ansprechen würde. Monoklin kann ich nicht ausschließen, da kaum Endflächen da sind. Aber wenn es solche gibt, deuten sie eher auf ein orthogonales System. Einige stengelige xx haben Längsstreifung. Es ist mit Sicherheit kein gestreckter Granat, denn teilweise ist undeutliche Spaltbarkeit vorhanden.

Meine Vermutung: Vesuvian oder Klinozoisit/Zoisit (auch wenn letztere nicht in der Liste sind).

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Smoeller

Offline Uwe Kolitsch

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Re: Zwei unbekannte Mineralien Schwarzwald
« Antwort #2 am: 02 Dec 08, 19:44 »
1: Nach Langit/Posnjakit/Wroewolfeit sieht das nicht aus. Ausser Theisit kommen aber sicher andere Spezies auch in Frage -> XRD nötig, evtl. auch EDS.
2: Klinozoisit ist gut möglich. Könnte das evtl. auch prismatischer Diopsid sein? Wie sieht der Diopsid aus, den du als Bestandteil der Paragenese erwähnst?

Offline smoeller

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Re: Zwei unbekannte Mineralien Schwarzwald
« Antwort #3 am: 02 Dec 08, 19:50 »
Hallo,

@Uwe Kolitsch: Danke für deine Antwort.

Von dem 1. habe ich 3 Stüfchen, eine mit einer Rosette stünde als Analysematerial zur verfügung. Ist aber +/- 1 mm groß.

Der Diosid bildet graugrüne bis flaschengrüne, mehr xenomorphe Aggregate. Diopsid ist UM2 eher nicht, da eine gute Spaltbarkeit mit typischen Spaltrissen fehlt.

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Offline Geomaxx

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Re: Zwei unbekannte Mineralien Schwarzwald
« Antwort #4 am: 03 Dec 08, 11:15 »
Hi Sebastian
UM-1 wirst Du tatsächlich wohl nur per Analysengang eindeutig identifizieren können, für Langit sind mir die xx jedoch zu türkis-grünstichig (auch schon im ersten Bild, das zweite ist ohnehin für eine Bewertung zu farbstichig).
Zu UM-2 kann ich nach den Fotos erstmal garnichts verlässliches bieten, Epidot-Reihe oder Diopsid-Hedenbergit-Reihe ist erst mal ein guter Tipp. Der prismatische x im zweiten Bild zeigt m.E. schon Endflächen, die man bei ggf höherer Auflösung noch bestimmen könnte. Sonst bleibt Dir tatsächlich nur die optische Bestimmung im Dünnschliff, hier könnte die deutliche Spaltbarkeit nach {110} schon ein hilfreiches Kriterium für das Ausschlußverfahren liefern.
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Offline smoeller

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Re: Zwei unbekannte Mineralien Schwarzwald
« Antwort #5 am: 03 Dec 08, 21:41 »
Hallo,

@Geomaxx: Danke für deine Antwort: Bei UM-1 gehe ich auch davon aus, dass es kein Langit ist. Der Perlmuttglanz auf den Flächen passt auch nicht dazu. Theisit ist allerdings so selten dort (und auch in der Clara, an beiden Orten jeweils nur wenige Einzelstücke), dass ich nicht einmal zu träumen wage.

Bei UM-2 hilft wohl wirklich nur ein Schliff oder eine Analyse. Habe leider kein Vergleichsmaterial an Vesuvian von dort zur Hand, nur ein einziges weiteres Foto aus dem Internet (speziell von dem Fundort), das aber nicht gut passt. Es ist jedoch kein Klinozoisit in der Liste, für Epidot ist das Mineral recht hell (oft eher gelb als grün). Und Diopsid schließe ich eher aus. Der ist auf den Stücken drauf. Das fragliche Mineral hat nur undeutliche Spaltbarkeit, der Diopsid hingegen vollkommene Spaltrisse nach {110}.

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Offline cmd.powell

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Re: Zwei unbekannte Mineralien Schwarzwald
« Antwort #6 am: 04 Dec 08, 02:48 »
Könnte UM-1 nicht auch sowas wie Serpierit, Devillin, Schulenbergit, Aurichalcit oder sonstwas sein, was eher blättrig in Büscheln kristallisiert ? Sorry, ich kenne den Fundort nicht und somit auch nicht, ob diese Minerale dort vorkommen, aber wenn die Stufe von der Glücksrad wäre, würde ich am ehesten auf Serpierit oder Aurichalcit tippen - besonders wegen des Perlmuttglanz.

Offline Geomaxx

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Re: Zwei unbekannte Mineralien Schwarzwald
« Antwort #7 am: 04 Dec 08, 07:55 »
Hi cmd.powell, hi Sebastian
da haste Recht, das sind die üblichen Verdächtigen. Nimmt man mal den Rosasit dazu, ist die Auswahl der Möglichkeiten dann schon ganz nett.
Nachdem aus der Grube Amalie aber bislang nur vergleichsweise wenig Material sicher bestimmt ist (u.a. Rosasit), könntest Du ja mal einen Treffer für eine Erstbeschreibung landen, Sebastian.
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GEOMAXX

Offline smoeller

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Re: Zwei unbekannte Mineralien Schwarzwald
« Antwort #8 am: 04 Dec 08, 12:58 »
Hallo,

Wäre alles denkbar. Als Erze sind Fahlerz,Chalkopyrit, Galenit und Sphalerit vorhanden. Von daher ist es sowieso seltsam, dass nicht schon mehr Sekundärbildungen beschriebenm sind. Muss mich mal um eine Analyse kümmern.

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Smoeller

Offline smoeller

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Re: Zwei unbekannte Mineralien Schwarzwald
« Antwort #9 am: 26 Dec 08, 10:01 »
Hallo,

Habe gestern in der Literatur geblättert und gefunden, dass Serpierit von den paragenetisch sehr ähnlichen Gruben im Knappengrund und Riggenbach im Münstertal beschrieben ist. Daher gehe ich mittlerweile auch hier von Serpierit aus. Allerdings wird wohl in der Zukunft noch eine Analyse folgen müssen, da es sich wohl um einen Neufund für die Grube Amalie handelt.

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Offline Hotzenblitz

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Re: Zwei unbekannte Mineralien Schwarzwald
« Antwort #10 am: 30 Dec 08, 10:01 »
Hallo Sebastian....

So,nun antworte ich auf deine pm unde deinen beitrag doch noch in diesem jahr...

also, bei dem umo von der wickartsmühle, ist es recht schwer zu sagen ( bei dem bescheidenen pic, ) was das ist. beimersten photo tät ich auf zersezten turmalin oder in umwandlung begriffenen cordierit tippen, genaueres ist bei dem bild nicht möglich....bei zweitem , dem grünlichen etwas, entweder diopsid, oder klinozoisit beiden hab ich vorletztes jahr mal analytisch untersuchen lassen.... 
die funde sind, nach der paragenese die du beschreibst, auder der kalksillikat formation im linken bereich des bruches ?. dazu würde dann diopsit bzw klinozoisit passen,
cordierit ist dort eher selten.... der ist im bruch eher in den pegmatoiden bildungen zu finden...
von wann sind die funde? ich nehme an von diesem jahr.... da haben sie inder ersten sohle im kalksillikat ofters mal rumgesprengt... und wir haben dort recht gute funde gemacht von material das wir vorher auch nicht kannten, ausserdem gelang mit mitte des letzen jahres wieder mal der fund von nem pegmatit mit drusen drinnu 

so gab es recht guten andalusit, gute schörle, apatite, feldspäte quarz und noch nen paar umo´s

ganz aktuell ham mir apophyllit sicher, und wahrscheinlich, prehnit nachgewiesen


im moment stehe ich mit der fundortdatenbank zeitlich noch nen bischen auf derm kriegsfuss.... da steht immernoch nur das drinn was der Doc gräff diether von der infotafeln abgeschrieben hat :-\..... da müssten mal nen paar bilder rein ::)


guter rutsch    christian

Offline smoeller

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Re: Zwei unbekannte Mineralien Schwarzwald
« Antwort #11 am: 30 Dec 08, 23:36 »
Hallo,

@Hotzenblitz: Danke für deine Meinung. Ja, das Material ist von der Kalksilikatlinse im linken Teil, untere Sohle. Auf dem Stück waren noch Granat, Calcit, wenig Wollastonit und Diopsid. Klinozoisit könnte gut hinkommen. Cordierit habe ich auch finden, aber ganz rechts in Gneis. Das Material habe ich Anfang Oktober gefunden, glaube am 2. oder 3..

Glück Auf und Guten Rutsch!!
Smoeller

Offline smoeller

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Re: Zwei unbekannte Mineralien Schwarzwald
« Antwort #12 am: 12 Mar 09, 17:18 »
Hallo,

Habe mal an dem Material von der Wickartsmühle eine XRD machen lassen und heute ausgewertet. Es ist definitiv kein Klinozoisit. Vesuvian ist sehr wahrscheinlich, die Deckung der Peaks mit der Referenz ist gut. Werde Andalusit nächste Woche noch mal überprüfen, wäre aber eine recht ungewöhnliche Sache für einen Kalksilikatfels.

Die anderen Minerale auf der Stufe sind Granat (Grossular-Andradit), Calcit, Diopsid, Wollastonit und auf ähnlichen Stücken aus demselben Bereich noch Pyrit und Titanit.

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Smoeller


Offline Doc Diether

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Re: Zwei unbekannte Mineralien Schwarzwald
« Antwort #13 am: 15 Mar 09, 12:34 »
Hallo Hotzenblitz,
Du hast ja wohl von allen die besten Informationen von der Wickartsmühle und vielleicht auch eine Liste oder Tabelle von dort. Hinsichtlich der Mineralien, Sohlen etc. Vielleicht hast Du auch Bilder von den Mineralien? Bei den kleinen Sachen kannst Du ja den Axel Brill ansprechen als guten Fotographen.
Wenn Du möchtest, kann ich Dir behilflich sein beim reinstellen. Ich kanns auch ins Lexikon stellen unter Deinem Namen.
Gruß
Doc Diether

 

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