egal ob du ein gestein oder mineral hast, die prozesse sind fast immer identisch. kalkstein besteht auch nur aus zahllosen, winzigen calcitkristallen (idealisiert). manch einer wächst schnell, manc einer langsam. je langsamer umso klarer. sehr kalkreiche wässer können schnell zu quelltuffen und co führen. auch viecher helfen mitunter mit. allerdings wächst ein klarer kristall immer langsamer.
...entschuldigung, aber hier werden Äpfel mit Birnen verglichen, wohl weil beides auf Bäumen wächst.
Auf der einen Seite stehen die Calciumkarbonatgesteine, auf der anderen Seite die Calciumkarbonatkristalle. Und diese entstehen alle definitiv nicht bei identischen Prozessen!
Kalktuff wächst generell sehr schnell, weil er mikrokristallin ist - an den zahlreichen Keimen pro Volumeneinheit erfolgt ein rasches Kristallwachstum, das dank natürlicher starker Verunreinigung der Lösung rasch wieder abbricht und an anderen Keimen neu ansetzt. Die hohe Zahl der Keime beschleunigt hier also die Abscheidung.
Biogener Kalkstein (also die Sorte, die man als Kalkstein schlechthin bezeichnet) wird aus den Resten kalkiger Organismen gebildet. Diese sind zu ihren Lebzeiten für die Geschwindigkeit der Kalkabscheidung verantwortlich. Die nachfolgende Diagenese vom Kalkschlamm zum Kalkstein beinhaltet Um- und Rekristallisation sowie Neubildung von Kristallen und ist damit in ihrer Geschwindigkeit von den örtlichen Diagenesebedingungen abhängig.
Kalksinter, Stalagmiten und Stalaktiten bieten auf ihrer Oberfläche ähnlich wie bei Kalktuff unzählige Kristallisationskeime, die im Prinzip ein rasches Wachstum ermöglichen. Limitierender Faktor der Wachstumsgeschwindigkeit ist hier die Menge und Konzentration der zugeführten Lösung.
Die Bildung von Calcitkristallen als solchen, im sammlerischen Sinne, setzen einen steten Zustrom von gesättigter Lösung und eine geringe Keimkonzentration voraus. Dies wird typischerweise erreicht, wenn die Lösung in den Porenhohlräumen des Gesteins effektiv gefiltert und von Feststoffen und größeren Ionen gereinigt wird.
Die genannte Theorie, dass ein Kristall generell umso klarer ist, je langsamer er wächst, ist also nicht haltbar. Klare Riesenkristalle können in kürzerer Zeit gewachsen sein als wenige cm große, trübe Kristalle. Ausschlaggebend ist, wie effizient Verunreinigungen der Porenlösung im Gesteinskörper ausgefiltert werden, und wie hoch die Lösung konzentriert ist. Ein schnelles Wachstum in konzentrierter Lösung kann fallweise zu weniger Gitterfehlern und damit zu mehr Transparenz eines Kristalls führen, als langsames Wachstum in einer gering oder periodisch sogar untersättigten (dann: partielle Anlösung = neue Gitterfehler) Lösung.
Und bei Kalksteinen spielt dies überhaupt keine Rolle, weil hier der gesamte Sedimentkörper samt enthaltener Verunreinigungen (bis zu 5%!) an Ort und Stelle rekristallisiert.
Gruß,
Triassammler