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Autor Thema: Foyait, Diabas oder Essexit?  (Gelesen 6085 mal)

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Haldenschreck

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Foyait, Diabas oder Essexit?
« am: 03 May 09, 19:59 »
hallo,

mein heutiges "ufo" ordne ich lieber dem thema gesteine zu, obwohl es sich dabei um ein echtes geschiebestück aus einer kiesgrube im weser-leine-gebiet handelt.

das gestein ist absolut quarz-frei. ich erkenne makroskopisch feldspaltleisten (vermutlich plagioklas, die weißen streifen im foto) sowie ein schwarzes, glas- bis diamantglänzendes mineral mit ebenem, deutlichen bruch. ich tippe hier auf augit oder nephelin, kenne mich hier aber nicht so aus (ich bewege mich meistens auf/in/unter bergwerkshalden, da gibt es so etwas meistens nicht). härte: keine ahnung

ich kann als möglichkeiten anbieten:
1. (nephelin)syenit (=foyait)
2. (oslo-)essexit
3. asby-diabas

das stück ist frei von erzen, olivin, granaten, epidot (was eigentlich diabas ausschließen sollte). die verwitterungsrinde ist leicht "rostig", die dichte relativ hoch.

wer kann helfen?
danke.
haldenschreck

Offline minuwe

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Re: Foyait, Diabas oder Essexit?
« Antwort #1 am: 03 May 09, 20:28 »
Könnte eine Brekzie sein, die schwarzen Bruchstücke schwimmen in einer kristallinen Masse von... Dolomit? (
Zitat
die verwitterungsrinde ist leicht "rostig",
) Dolomit bildet eine limonitische Verwitterungsrinde.
Sind abgeschabte schwarze Splitter magnetisch? Ritzen diese Glas?

Gruß
Uwe
« Letzte Änderung: 03 May 09, 20:31 von minuwe »

Haldenschreck

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Re: Foyait, Diabas oder Essexit?
« Antwort #2 am: 04 May 09, 09:26 »
hallo uwe,
na ja, auch diabase "rosten". nein, dolomit ist es nicht.
das schwarze mineral ist nicht magnetisch und hat eine härte von 5,5 +/- 0,5.

haldenschreck

Offline minuwe

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Re: Foyait, Diabas oder Essexit?
« Antwort #3 am: 04 May 09, 10:56 »
Dann wird das schwarze schon Augit sein, und das helle primär kristallisierter Feldspat (Plagioglas). Angewitterter Augit hat auch dünne Limonitüberzüge oder es sind oxidierte Magnetitreste, die mit dem Augit drin waren. Tippe dann auch auf Diabas, z. B. dieser, den hast du ja schon genannt  :)

http://www.kristallin.de/s2/f_asby.htm#Anker1
http://www.kristallin.de/s2/ophitisch_v.jpg

Gruß
Uwe

« Letzte Änderung: 04 May 09, 13:41 von minuwe »

Haldenschreck

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Re: Foyait, Diabas oder Essexit?
« Antwort #4 am: 04 May 09, 13:10 »
danke für die links,
sieht verdammt ähnlich aus :)

haldenschreck

Saxifragus

  • Gast
Re: Foyait, Diabas oder Essexit?
« Antwort #5 am: 06 May 09, 18:24 »
Hallo Haldenschreck!

Zu den von Dir angebotenen Varianten:
Ein Foyait (=Nephelinsyenit) kann zwar Deiner Probe ähnlich sehen, aber Foyaite sind in der Regel heller. Zweitens fehlt der Nephelin. Der müßte als zusätzliches Mineral zwischen den Feldspatleisten (Kalifeldspat beim Nephelinsyenit) deutlich zu erkennen sein. Nephelin ist oft grau bis braun und verwittert so schnell, daß sich auf der Oberfläche deutliche Mulden abzeichnen. Verwitterter Nephelin sieht gelbgrau - bräunlich aus.
Auch spricht der rostige Anflug eher für ein Gestein aus der Basaltgruppe, wie Minuwe schon schreibt. Diabase (in der skandinavischen Verwendung des Begriffs) enthalten neben Magnetit auch gern noch Olivin, der bei der Verwitterung Rostspuren hinterlassen kann. Der Anflug kann aber auch aus dem Umgebungssediment des Fundortes stammen.

Für Essexite sind die Chancen auf eine Bestimmung von Hand ganz schlecht, da man auch hier wieder die Feldspatvertreter erkennen muß. Ich kenne nur zwei Essexite, einen aus dem Oslograben, den anderen aus der Tschechei bei Ronstock. Beide würde ich als lose Steine (Geschiebe) nicht sicher als Essexite erkennen. Die Foide sind in dunklen Gesteinen wie Essexiten eine echte Herausforderung.
Da die normalen Diabse in ziemlicher Menge vorkommen und oft genau so ein ophitisches Gefüge haben wie Dein Geschiebe, plädiere auch ich klar für den Diabas (Typ Åsby). Nach neuer Nomenklatur würden man diese Gesteine übrigens "Dolerit" nennen.
Die Diabase kommen als Gangesteine in großer Menge in Skandinavien vor, bis rüber nach Finnland. In Nordschweden (bei Nordinrå, Hohe Küste) gibt es auch mindestens eine massige Ausbildung, wo dieser Typ in kilometergroßer Ausdehnung ansteht.

Saxifragus

 

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