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Autor Thema: Hinsdalit/Corkit - Mischkristallreihe ??  (Gelesen 3544 mal)

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Offline uwe

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Hinsdalit/Corkit - Mischkristallreihe ??
« am: 08 May 09, 21:59 »
In der Literatur findet man für Hinsdalit zwei Formeln: einmal als Blei/Aluminium-Phosphat, zum anderen als Blei/Strontium/Aluminium-Phosphat. Weiterhin wird an manchen Stellen ausgeführt, daß Hinsdalit und Corkit die Endglieder einer Mischungsreihe sind, bei der der Anteil vom Eisen des Corkites durch das Aluminium des Hinsdalit ersetzt wird. (Die Formeln beider Minerale enthalten noch neben der Phosphat- eine Sulfat- und eine Hydroxydgruppe.)

Aus diesem Grund käme zum Beispiel bei der Fundstelle Waldschacht/Schneeberg kein reiner Hinsdalit und kein reiner Corkit vor. Es wird auch beschrieben, daß hellgelbe bis weiße Kristalle dem Endglied Hinsdalit nahe sind, während die braunen Kristalle dem Endglied Corkit nahe kommen.

Wie ist nun der neueste Stand ? Gibt es die o.a. Mischreihe und enthält Hinsdalit immer Strontium ? Was sagen dazu die neuesten Erkenntnisse der mineralogischen Wissenschaft ?

Gruß
Uwe

Online smoeller

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Re: Hinsdalit/Corkit - Mischkristallreihe ??
« Antwort #1 am: 09 May 09, 08:56 »
Hallo,

Grundsätzlich gibt es in der Crandallit- bzw. Beudantitgruppe Mischbarkeit auf drei Plätzen:

1. Ersatz zweiwertiger Kationen (Ca, Pb2+, Sr, Ba,....)
2. Ersatz dreiwertiger Kationen (Fe3+, Al,......)
3. Ersatz PO4 <-> AsO4

Dazu kommen noch Unterschiede im Sulfatgehalt: SO4 (Beudantitgruppe) bzw. SO4-frei (Crandallitgruppe)

Fast nie treten reine Endglieder auf, meist sind Mischungen vorhanden. Beispiel: Arsenogorceixit/Arsenogoyazit (Ersatz Ba <-> Sr). So etwas ist dann nur noch mit aufwändiger Analytik sicher zu bestimmen, zumal dazu häufig noch der Ersatz nach 3. kommt. Dazu dann auch noch wechselnder Sulfatgehalt. Eine einfache XRD reicht da nicht (hab ich schon gemacht).

Gerade Phosphate sind recht flexibel, was den Einbau von unterschiedlichen Kationen ausmacht.

Glück Auf!
Smoeller





Offline uwe

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Re: Hinsdalit/Corkit - Mischkristallreihe ??
« Antwort #2 am: 09 May 09, 17:00 »
Hallo Sebastian,

so ähnlich wie Du es beschreibst, habe ich das schon vermutet. Wie macht man es aber mit der Benennung einer Stufe, da "reine" Minerale in der Natur sehr selten sind? Für einen Hobbysammler ist eine Analyse der genauen Zusammensetzung eigentlich nicht sinnvoll. Also schreibt man ein Endglied auf den Sammlungszettel.

Speziell geht es mir tatsächlich um die Hinsdalit/Corkit-Mineralisation des Waldschachtes. Könnte man hier davon ausgehen, die helleren Kristalle sich dem Hinsdalitende annähern, während die dunkleren in Richtung Corkit gehen? Ein Sammlungszettel, auf dem steht "Mischkristall Hinsdalit/Corkit" ist, obwohl korrekt, nicht so recht befriedigend für mich.

Diese Frage richtet sich übrigens an alle Forumsmitglieder. Wie haltet Ihr das mit der Beschreibung ?

Gruß
Uwe

Offline berthold

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Re: Hinsdalit/Corkit - Mischkristallreihe ??
« Antwort #3 am: 09 May 09, 20:15 »
Hallo,

die Bezeichnung erfolgt -so das möglich ist- nach dem näherstehenden Endglied - Das machen wir ohne nachzudenken ja sehr, sehr oft. Man denke nur an Granat oder Turmalin. Problematisch wird es bei Mineralien die recht genau in der Mitte einer Mischungsreihe stehen. Beispielsweise gibt es in Hagendorf-Süd einen Childrenit-Eosphorit mit Fe:Mn von 1:1 - da hat sich die Sammlerbezeichnung "Childro-Eosphorit" eingebürgert. Und problematisch ist es auch, wenn man die Endglieder nur analytisch sicher identifizieren kann. Ich habe da keine Bedenken eine Gruppenbezeichnung oder Mischreihenbezeichnung auf den Zettel zu schreiben. Im Gegenteil, ich finde das ehrlicher und nützlicher.

Gruß
Berthold

Offline Schluchti

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Re: Hinsdalit/Corkit - Mischkristallreihe ??
« Antwort #4 am: 10 May 09, 09:46 »
Ja, die Angabe der Mischreihe ist, wenn man die Probe nicht analytisch näher bestimmen kann, wohl die exakteste mögliche Bezeichung. Ein weiteres Beispiel ist die Reihe Roselith-Wendwilsonit, wo beide Minerale ja innerhalb eines Kristalls schichtartige Verwachsungen bilden und optisch ohnehin nicht unterschieden werden können.   

Online smoeller

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Re: Hinsdalit/Corkit - Mischkristallreihe ??
« Antwort #5 am: 10 May 09, 10:04 »
Hallo,

Berthold hat schon recht. Nur wirst du im Zweifelsfall bei der Crandallitgruppe nicht um eine exakte Analyse herumkommen. An der Clara macht man es meist so: Mineral X/Mineral Y, also z.B. Corkit/Beudantit. Habe auch schon von Fällen gelesen, bei denen die Farbe täuschte, so vom Weiler bei Lahr. Die typischen gelbbraunen xx dort sind Hidalgoit, hellgelbe aber waren der Fe-reichere Beudantit. Im Allgemeinen aber sind natürlich die Al-Endglieder heller, da ihnen das färbende Fe3+ fehlt. Gilt aber halt nur für reine Endglieder oder Mischkristalle nahe an der Endgliedzusammensetzung, da schon wenige Prozent Fe ausreichen, den Kristall gelb zu färben.

Glück Auf!
Smoeller