Hallo!
Schöne Diskussion - man sieht, Vulkane funktionieren nicht ganz so einfach, wie sie allgemein dargestellt werden

Der Vesuv fördert vor allem Vulkanoklastika (zerbrochene Gesteinstrümmer des bestehenden Bergs und zerspratze und beim Auftreffen am Boden bereits zu festen Brocken erstarrte oder zumindest zähplastische Lavafetzen = Lapilli und Bomben, sowie Asche). Das hat einerseits damit zu tun, dass der Vesuv sehr zähe, kieselsäurereiche Lava fördert, die nicht einfach ausfließt, sondern erst bei hohem Gasdruck abrupt (explosionsartig) entweicht, und andererseits die Wucht der Explosion beim Kontakt des aufsteigenden Magmas mit Grundwasser noch gesteigert wird. Im Ergebnis wird die Lava in solche Höhen gerissen, dass sie Zeit hat, zumindest oberflächlich abzukühlen, bevor sie wieder auf dem Boden auftrifft. Das Ergebnis ist ein Stratovulkan - ein Schichtvulkan - der aus unterschiedlichen, teils lose aufeinanderliegenden, teils miteinander verschweißten Auswurfmassen besteht.
Auch wenn der Schlot sich als Loch zeigt, findet dort beim Ausbruch auch direkt am Rand Anlagerung von Auswurfmaterial statt. Vor allem noch zähplastische Lavafetzen werden an die Schlotwände und den Rand angeschweisst. Der Rand des Schlots wächst bei einem Ausbruch also genauso in die Höhe wie der Rest des Bergs.
Zum Zeitpunkt des Ausbruchs, also wenn eine direkte Verbindung von der Magmakammer in ca. 6 km Tiefe bis zur Oberfläche besteht, ist der Schlot also über 6 km (+ Höhe des Bergs über der normalen Landoberfläche) tief; am Ende eines Ausbruchs ist der Förderkanal durch die Explosionen bis in große Tiefen freigeräumt. Man kann das gut mit einer überschäumenden Mineralwasserflasche vergleichen: Am Ende ihres "Ausbruchs" liegt der Flüssigkeitsspiegel tiefer als zuvor.
Ein Stratovulkan funktioniert ähnlich: Er bricht nicht vor allem deshalb aus, weil seine Magmakammer unter hohem "Flüssigkeits"druck steht und große Volumina bis zur Erdoberfläche hoch stehen, sondern weil ein vergleichsweise geringer Anstieg des Magmenvolumens und entsprechend -drucks in der Kammer Wegsamkeiten an die Oberfläche schafft, deren Durchbrechen dem Öffnen der Mineralwasserflasche gleicht: Das Magma erfährt eine Druckentlastung, die die enthaltenen Gase zu schlagartiger Ausdehnung bringt - damit steigt das Magmenvolumen rasant, und es quillt nach oben. Dazu kommt, dass der Vesuv ein Vulkantyp ist, der zwischen seinen Ausbrüchen durch diverse Prozesse sehr große Gasmengen in der Magma in gelöster Form anzureichern in der Lage ist.
Ein Ausbruch entlastet die Magmenkammer und führt die überschüssigen Gase ab, bis das Magma wie der entgaste Schaum in der Wasserflasche wieder in sich zusammenfällt - sich quasi zurückzieht - und die freigeräumte Schlotröhre hinterlässt. Parallel dazu fällt bereits wieder Auswurfmaterial in den Schlot und kollabieren die steilen Schlotwände, wodurch er bis auf den Gipfelkrater wieder verfüllt wird.
Der so entstehende Propfen sorgt durch sein Gewicht dafür, dass das Magma zurückgehalten wird, und dichtet es gegen Gasaustritte ab. So beginnt das Spiel von Gasanreicherung, Entstehung eines Überdrucks und resultierendem Ausbruch erneut...
Kurz und grob zusammengefasst: Der Krater entsteht, weil das Ende eines Ausbruchs durch den Rückzug des Magmas in die Tiefe gekennzeichnet ist.
Btw., als der Vesuv 79 n Chr. ausbrach, war er den Römern nicht einmal als aktiver Vulkan (wohl aber als Gebiet mit sekundären vulkanischen Erscheinungen wie Erdbeben und Fumarolen) bekannt, wie auch Fresken des Bergs in Pompeji zeigen: Der Lavapropfen hatte sich zu der Zeit bereits so weit aus dem Schlot geschoben, dass der Vulkan einem normalen Berg mit Spitze glich und kein Krater sichtbar war. Dass genau das ein Zeichen eines bevorstehenden, besonders starken Ausbruchs sein kann, war den Römern natürlich nicht geläufig.
Gruß,
Rainer