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Autor Thema: Vesuv  (Gelesen 5696 mal)

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Offline dorian

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Vesuv
« am: 05 Jul 09, 16:06 »
Hallo,
Ich war vor kurzem in Klassenfahrt am Vesuv, und habe insbesondere ein großes(!!!) Loch gesehen.
Meine Fragen sind jetzt: Der Vulkankegel besteht ja aus Lava, Asche usw aus vorherigen Ausbrüchen. Doch von dem Ausbruch von 1944 bleibt ein Loch. Wenn der Vesuv bei jedem Ausbruch so ein Loch hinterklassen würde, dann gäbe es keinen Kegel. Wenn Lava doch ausgetreten wäre, hätte sie das Loch gleich gefüllt. Wenn sie woanders ausgetreten ist, warum hat dann der Druck von der tiefer gelegenen Lava den Vulkan hier zum explodieren gebracht obwohl die Lava woanders ausgetreten ist? Oder war der Ausbruch von 1944 nicht normal? ??? ???
ciao,
Dorian

Offline gladhammar

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Re: Vesuv
« Antwort #1 am: 05 Jul 09, 17:55 »
Hallo,

wenn ich mich recht erinnere, schiebt sich eine Kontinentalplatte unter den "Stiefel".
Dabei werden enorme Wassermengen mitbefördert die irgendwann in Magmakammern gelangen welche den Vulkan speisen.
Dabei wird der Druck, der durch andere Gase aufgebaut wurde, enorm durch den Wasserdampf verstärkt.
Dabei  kann es vorkommen das dem "Dampfkessel" auch mal der "Deckel" wegfliegt.

Glück Auf
Detlef

Offline smoeller

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Re: Vesuv
« Antwort #2 am: 05 Jul 09, 20:50 »
Hallo,

Das Loch ganz oben ist der Krater und der wird bei jedem Ausbruch wieder freigeräumt und bleibt zum größten Teil auch unverfüllt, weil bis zum Ende des Ausbruchs Gestein und Dampf unter hohem Druck ausgestoßen wird.

Was du meinst ist wohl die Caldera um den Gipfelberg herum. Die ist nicht von 1944, sondern 79 n. Chr. (dem Ausbruch, der Pompeji verschüttete). Dabei wurde der ganze Gipfel weggesprengt, der heutige Gipfel wuchs seitdem bei jedem Ausbruch. 1944 war ein normaler Ausbruch mit einem Blocklavastrom, kein phreatomagmatischer Ausbruch wie 79 n. Chr..

Glück Auf!
Smoeller

Offline dorian

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Re: Vesuv
« Antwort #3 am: 06 Jul 09, 17:35 »
Hallo,
@ smoeller:
Zitat
Das Loch ganz oben ist der Krater und der wird bei jedem Ausbruch wieder freigeräumt
Das heißt ja, dass es zwischen den Ausbrüchen nicht frei ist, was offensichtlich nicht der fall ist (oder bin ich ein bisschen zu pingelig?).
(nein, ich meinte den krater und nicht die caldera)

Offline smoeller

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Re: Vesuv
« Antwort #4 am: 06 Jul 09, 19:07 »
Hallo,

OK, der Krater. Ja, der ist ziemlich tief. Es ist ja nur der oberste Teil des Kraters der frei ist. Darunter stecken Kilometer festes Gestein. Bei einem Ausbruch wird der ganze Pfropf weggesprengt. Ähnlich einer Sektflasche, die geschlossen auf einem heißen Herd steht.

Glück Auf!
Smoeller

Offline triassammler

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Re: Vesuv
« Antwort #5 am: 07 Jul 09, 16:48 »
Hallo!

Schöne Diskussion - man sieht, Vulkane funktionieren nicht ganz so einfach, wie sie allgemein dargestellt werden  :)

Der Vesuv fördert vor allem Vulkanoklastika (zerbrochene Gesteinstrümmer des bestehenden Bergs und zerspratze und beim Auftreffen am Boden bereits zu festen Brocken erstarrte oder zumindest zähplastische Lavafetzen = Lapilli und Bomben, sowie Asche). Das hat einerseits damit zu tun, dass der Vesuv sehr zähe, kieselsäurereiche Lava fördert, die nicht einfach ausfließt, sondern erst bei hohem Gasdruck abrupt (explosionsartig) entweicht, und andererseits die Wucht der Explosion beim Kontakt des aufsteigenden Magmas mit  Grundwasser noch gesteigert wird. Im Ergebnis wird die Lava in solche Höhen gerissen, dass sie Zeit hat, zumindest oberflächlich abzukühlen, bevor sie wieder auf dem Boden auftrifft. Das Ergebnis ist ein Stratovulkan - ein Schichtvulkan - der aus unterschiedlichen, teils lose aufeinanderliegenden, teils miteinander verschweißten Auswurfmassen besteht.
Auch wenn der Schlot sich als Loch zeigt, findet dort beim Ausbruch auch direkt am Rand Anlagerung von Auswurfmaterial statt. Vor allem noch zähplastische Lavafetzen werden an die Schlotwände und den Rand angeschweisst. Der Rand des Schlots wächst bei einem Ausbruch also genauso in die Höhe wie der Rest des Bergs.
Zum Zeitpunkt des Ausbruchs, also wenn eine direkte Verbindung von der Magmakammer in ca. 6 km Tiefe bis zur Oberfläche besteht, ist der Schlot also über 6 km (+ Höhe des Bergs über der normalen Landoberfläche) tief; am Ende eines Ausbruchs ist der Förderkanal durch die Explosionen bis in große Tiefen freigeräumt. Man kann das gut mit einer überschäumenden Mineralwasserflasche vergleichen: Am Ende ihres "Ausbruchs" liegt der Flüssigkeitsspiegel tiefer als zuvor.
Ein Stratovulkan funktioniert ähnlich: Er bricht nicht vor allem deshalb aus, weil seine Magmakammer unter hohem "Flüssigkeits"druck steht und große Volumina bis zur Erdoberfläche hoch stehen, sondern weil ein vergleichsweise geringer Anstieg des Magmenvolumens und entsprechend -drucks in der Kammer Wegsamkeiten an die Oberfläche schafft, deren Durchbrechen dem Öffnen der Mineralwasserflasche gleicht: Das Magma erfährt eine Druckentlastung, die die enthaltenen Gase zu schlagartiger Ausdehnung bringt - damit steigt das Magmenvolumen rasant, und es quillt nach oben. Dazu kommt, dass der Vesuv ein Vulkantyp ist, der zwischen seinen Ausbrüchen durch diverse Prozesse sehr große Gasmengen in der Magma in gelöster Form anzureichern in der Lage ist.
Ein Ausbruch entlastet die Magmenkammer und führt die überschüssigen Gase ab, bis das Magma wie der entgaste Schaum in der Wasserflasche wieder in sich zusammenfällt - sich quasi zurückzieht - und die freigeräumte Schlotröhre hinterlässt. Parallel dazu fällt bereits wieder Auswurfmaterial in den Schlot und kollabieren die steilen Schlotwände, wodurch er bis auf den Gipfelkrater wieder verfüllt wird.
Der so entstehende Propfen sorgt durch sein Gewicht dafür, dass das Magma zurückgehalten wird, und dichtet es gegen Gasaustritte ab. So beginnt das Spiel von Gasanreicherung, Entstehung eines Überdrucks und resultierendem Ausbruch erneut...

Kurz und grob zusammengefasst: Der Krater entsteht, weil das Ende eines Ausbruchs durch den Rückzug des Magmas in die Tiefe gekennzeichnet ist.

Btw., als der Vesuv 79 n Chr. ausbrach, war er den Römern nicht einmal als aktiver Vulkan (wohl aber als Gebiet mit sekundären vulkanischen Erscheinungen wie Erdbeben und Fumarolen) bekannt, wie auch Fresken des Bergs in Pompeji zeigen: Der Lavapropfen hatte sich zu der Zeit bereits so weit aus dem Schlot geschoben, dass der Vulkan einem normalen Berg mit Spitze glich und kein Krater sichtbar war. Dass genau das ein Zeichen eines bevorstehenden, besonders starken Ausbruchs sein kann, war den Römern natürlich nicht geläufig.

Gruß,
Rainer

Offline dorian

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Re: Vesuv
« Antwort #6 am: 07 Jul 09, 20:27 »
Danke! :) :)

 

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