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Autor Thema: Etwas ungewöhnliche Kristallform beim Pyrit  (Gelesen 7563 mal)

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Offline uwe

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ich bekam eine kleine Stufe aus Hartenstein (371). Auf Dolomit befanden sich fast perfekte, winzige Pyritkugeln. Nun sind kugelförmige Pyritaggregate nichst ungewöhnliches. Hierbei bilden einzelne Kristalle die Kugelform und man sieht bei ausreichender Vergrößerung die Endflächen. Allerdings handelt es sich bei den beschriebenen Pyriten um einzelne Kugeln, wobei man bei den größeren ganz vage die Oktaederform erahnen kann. Meine Frage:
Wie ensteht so etwas ?

Gruß
Uwe

Offline strahler1975

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Re:Etwas ungewöhnliche Kristallform beim Pyrit
« Antwort #1 am: 27 Jul 09, 22:29 »
Hallo uwe !

Meine Vermutung:

Könnte nach deiner Beschreibung und anhand der Bilder eine "pyritisierte" organische Substanz sein.
(z.Bsp.: pyritisierte Schwefelpakterienkolonien)
In diesem Zusammenhang wird das ganze als Rogenpyrit bezeichnet.

Glück Auf!
Frank

Offline berthold

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Re:Etwas ungewöhnliche Kristallform beim Pyrit
« Antwort #2 am: 28 Jul 09, 09:54 »
Hallo,

sorry, der Tread-Titel ist irreführend, eine ungewöhnlich Kristallform sehe ich nicht - ich sehe überhaupt keine Pyritkristalle.

Pyritkugeln -als Aggregate- sind weit verbreitet und auch nicht ungewöhnlich. Sphärolithische Kristallisation aus Lösungen setzt bestimmte Konzentrationen, Temperaturen, Lösungszusammensetzung und andere chemisch-physikalischen Bedingungen voraus. Für manche Mineralien ist das "Fenster" in dem solche Kristallisation stattfinden kann klein -etwa bei Fluorit- für andere -wie  Pyrit- ist es etwas größer und für einige Mineralien -beispielsweise Wavellit- sehr groß.

Gruß
Berthold

Offline Krizu

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Re:Etwas ungewöhnliche Kristallform beim Pyrit
« Antwort #3 am: 28 Jul 09, 10:29 »
sorry, der Tread-Titel ist irreführend, eine ungewöhnlich Kristallform sehe ich nicht - ich sehe überhaupt keine Pyritkristalle.

Hallo Berthold,

eine Kugel kann sehr wohl ein Kristall sein.

- Ein idealer Kristall ist aus identischen Bausteinen aufgebaut.
- Ein Kristall hat eine Fernordnung der Baugruppen
- Ein Kristall hat anisotrope Eigenschaften

Deshalb kann eine Kugel ein Kristall sein, die Ansisotropie muss nicht immer in der Flächebildung zum Ausdruck kommen und die Kugel widerspricht nicht der Symmetrie des Pyrits.

MfG

Frank


Offline berthold

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Re:Etwas ungewöhnliche Kristallform beim Pyrit
« Antwort #4 am: 28 Jul 09, 10:49 »
Hallo Frank,

Zitat
eine Kugel kann sehr wohl ein Kristall sein.

schon, aber sphärolitische Kugeln (wie hier) fehlt die nach Deiner Definition notwendige Fernordnung der Baugruppen, d.h. sie ist nur jeweils für keulenförmige Kristallite gegeben.  In diesem Fall (und in vielen anderen Fällen) ist die Kugelgestalt eben nicht die Kristallform sondern wir haben eine kugeliges Aggregat aus vielen Kristallen. Wir sagen ja auch zu einem Tropfstein nicht Kristall - oder?  ;)

Gruß
Berthold

Offline Krizu

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Re:Etwas ungewöhnliche Kristallform beim Pyrit
« Antwort #5 am: 28 Jul 09, 10:53 »
Hallo Berthold,

ich würde sagen, dass hängt vom inneren Aufbau ab.
Wenn es wie die Pyritsonnen eine Verwachsung verschiedener sich behindernder Kristalle ist, dann hast du recht.
Ist es eine durch Wachstums-Lösungs oder Hohlraumausfüllung gebildete Kugel ist, ist ein ein Kristall

MfG

Frank

Offline cmd.powell

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Re:Etwas ungewöhnliche Kristallform beim Pyrit
« Antwort #6 am: 29 Jul 09, 02:45 »
Hallo ihr

Die Frage bleibt erstmal, ob es sich bei den Gebilden um Aggregate, sprich irgendwie angeordneten Polykristallienen Massen, oder ob es sich tatsächlich um kugelförmige Einkristalle handelt. Bertholds beschriebene Wavellite z.B. sind Aggregate aus vielen radialstrahlig angeordneten Kristallen. Das ein Einkristall kugelig oder kugelähnlich wächst ist energetisch sehr unwahrscheinlich, da die Kristallflächen normalerweise durch energetisch günstige Lagen der einzelnen Gitterbausteine entstehen. Kugelform würde bedeuten, das die allgemeinen Wachstumsregeln bei der Kristallisation nicht oder nur sehr eingeschränkt funktioniert haben, was, wie schon gesagt, sehr unwahrscheinlich ist. Plausibler ist da schon eine polykristallines Aggregat oder irgendwas amorphes. Hier ist die Kugelform letztlich wieder nichts besonderes. Um zu bestätigen, ob Uwe nun was besonderes gefunden hat, müsste man zunächst klären, ob die Gebilde Einkristalle sind oder nicht. Das wird man aber durch optische Methoden nicht zweifelsfrei klären können.
Ich persönlich würde auch eher zu einem polykristallinen Aggregat tendieren, wobei beschriebene Oktaederform durch eine gewisse innere Ordnung der einezelnen Kristallite des Aggregats zustande kommen könnte. Ist jetzt aber auch nur eine Vermutung.

Grüße

cmd.powell

Offline Geomaxx

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Re:Etwas ungewöhnliche Kristallform beim Pyrit
« Antwort #7 am: 29 Jul 09, 08:34 »
Hi
dazu gibts einen schönen Artikel in LAPIS von W. Stoll: Kugelkristalle und Kristallkugeln - wieso eigentlich?, LAPIS, 2006/Mai, S. 13-21
Glück Auf!
GEOMAXX

Offline Krizu

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Re:Etwas ungewöhnliche Kristallform beim Pyrit
« Antwort #8 am: 29 Jul 09, 08:35 »
Hallo,

kann mir den jemand einscannen?

Email dann der PN

MfG

Frank

Offline berthold

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Re:Etwas ungewöhnliche Kristallform beim Pyrit
« Antwort #9 am: 29 Jul 09, 10:35 »
Hallo,

@Frank
ja, der Artikel im LAPIS von Prof. Stoll ist nicht schlecht, allerdings für einen Kristallzüchter ist nichts Neues drinnen und die Literaturangaben sind ausgesprochen dünn. Schicke mir doch per PM Deine Mail-Adresse.

@cmd.powell
Nachdem ich nicht glaube dass die beschriebenen Oktaederflächen parallel zueinander liegen (was sie müssten, wenn es ein Einkristall wäre)  gehe ich von dem viel wahrscheinlicheren Fall eines Pyrit-Aggregates aus. Etwas amorphes scheidet meiner Ansicht nach schon deswegen aus weil man wohl Oktaeder-Kristallflächen sieht.

Gruß
Berthold

Offline Krizu

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Re:Etwas ungewöhnliche Kristallform beim Pyrit
« Antwort #10 am: 29 Jul 09, 11:36 »
Hallo,

hat denn keiner eine EBSD zur Hand ;-)

Spass beiseite:
Eine Kugel opfern und langsam zerdrücken. Dann sollte doch klar sein, ob verschiedene Kristalle sich trennen oder ein Kristall zerbricht.

MfG

Frank


Offline uwe

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Re:Etwas ungewöhnliche Kristallform beim Pyrit
« Antwort #11 am: 31 Jul 09, 15:27 »
Erst mal danke für Eure Diskussion. Ich war gerade mal einige Tage vom Internet getrennt. Ich werde morgen mal eine Kugel zerdrücken und Das Ergebnis mitteilen.

@berthold: Ich erlaube mir, Dir auch mal meine e-mail Adresse zu schicken. Der Artikel im Lapis interessiert mich natürlich auch.

Gruß
Uwe