https://www.geolitho.eu/finanziell-unterstuetzen/https://crystalparadise.de/https://www.mineralbox.biz

Autor Thema: Grenzfläche zwischen 2 Kristallen  (Gelesen 4616 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline M. Stark

  • inaktiver User
  • ***
  • Beiträge: 99
Grenzfläche zwischen 2 Kristallen
« am: 15 Aug 09, 18:02 »
Hallo an alle!

Wie sieht eigentlich die Grenzfläche zwischen 2 Kristallen aus? Als Beispiel Pyrit oder Chalkopyrit
auf Calcit.
Besteht am Kontakt zwischen beiden eine scharfe Trennlinie und ist die Haftung z.B. des Pyrits auf
Kohäsionskräfte oder anderes zurückzuführen oder existiert eine "Mischphase" auch wenn die Kristallsysteme
unterschiedlich sind?

Danke für Antworten,

Markus

Offline smoeller

  • ******
  • Beiträge: 5.368
  • Diplom-Mineraloge
Re:Grenzfläche zwischen 2 Kristallen
« Antwort #1 am: 15 Aug 09, 19:26 »
Hallo,

In der Regel (bei den meisten Sillikaten zumindest) besteht eine scharfe Trennfläche. Zumindest, soweit man auf Mikrosondenaufnahmen im Mikrometer-Bereich (tausendstel mm) sehen kann.

Es gibt jedoch gerade bei den Sulfiden auch Reaktionssäume, bei denen eine dünne Schicht eines anderen Minerals zwei nicht mischbare Phasen trennt. Pyrit und Chalkopyrit aber bilden meist scharfe Korngrenzen aus.

Glück Auf!
Smoeller


Offline berthold

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 2.708
Re:Grenzfläche zwischen 2 Kristallen
« Antwort #2 am: 15 Aug 09, 19:34 »
Hallo,

bei Pyrit/Chalkopyrit auf Calcit würde ich auch von einer scharfen Trennfläche ausgehen. Wenn zwischen beiden Gittern genügend Ählichkeiten bestehen - wie das z.B. bei Pyrit auf Fluorit der Fall ist - kann unter Umständen das aufwachsende Mineral an das Gitter des Wirts "ankoppeln". Das wäre dann eine Epitaxie.

Gruß
Berthold

Offline Embarak

  • ******
  • Beiträge: 1.474
    • Mineralienbilder
Re:Grenzfläche zwischen 2 Kristallen
« Antwort #3 am: 15 Aug 09, 22:05 »
Hi,
Gute Frage,gute Antworten!
Nächste Frage:
bei Pyrit/Chalkopyrit auf Calcit würde ich auch von einer scharfen Trennfläche ausgehen. Wenn zwischen beiden Gittern genügend Ählichkeiten bestehen - wie das z.B. bei Pyrit auf Fluorit der Fall ist - kann unter Umständen das aufwachsende Mineral an das Gitter des Wirts "ankoppeln". Das wäre dann eine Epitaxie.
Eine andere typische (Hetero)-Epitaxie ist Rutil in Hämatit.
Wie ist es aber bei Rutil in Quarz,da die Rutilnadeln scheinbar ungerichtet im Quarz liegen?Gibt es dort einen Reaktionssaum oder eine scharfe Trennfläche,
bzw. welche anderen Kräfte halten sie zusammen? Gibt es Kohäsion/Adhäsion oder ist es ein  Zusammenhalt nur bedingt durch unterschiedliche Schmelzpunkte?
Embarak

Offline M. Stark

  • inaktiver User
  • ***
  • Beiträge: 99
Re:Grenzfläche zwischen 2 Kristallen
« Antwort #4 am: 16 Aug 09, 00:34 »
Hallo!

Danke  für die Antworten!

Im Falle der Epitaxie verstehe ich, was die beiden Kristalle "aneinanderkettett". Doch welche Kräfte wirken im Falle von scharfen Korngrenzen und wie stark
sind diese im Vergleich zu den Bindungskräften im Gitter des jeweiligen Minerals (ca.)?
Meine Frage kommt daher, daß ich es oftmals recht erstaunlich finde, daß man Stufen "heil" bergen kann, wenn man bedenkt, daß beim Bergen derselben
doch starke mechanische Kräfte (Hammer und Meißel) wirken und oftmals "Wirtskristalle" schneller an den Spaltfächen (Ok, Calcit ist empfindlich, war auch nur
ein naheliegendes Beispiel)  brechen.

Gruß,

Markus

Offline jürgen lange

  • ***
  • Beiträge: 469
Re:Grenzfläche zwischen 2 Kristallen
« Antwort #5 am: 30 Aug 09, 22:32 »
hallo markus und mitleser, die frage ist gut und ich habe auch keine perfekte antwort.

aber:
es gibt z.b. den einbau von fremdmaterial z.b. gips etc. in quarz, die dann kappenquarze bilden. bei einem sammler in königswinter habe ich quarze gesehen, die den hut ziehen konnten. sprich scharfe trennlinie aus gips und du konntest den hut abnehmen.
das war dann makroskopisch...

stell dir jetzt den effekt auf molekularer ebene vor, z.b. nur ein zwei atomlagen dick, dann wirst du sicher keine trennung erreichen durch den mechanischen eingriff. aber durch (optische) untersuchung wirst du merken, der kristall änderrt sich. z.b. lichtbrechung, elektrischer widerstand etc.

schaue dir mal einen sogenannten einkristall an, der durch ziehmethoden aus der schmelze gezogen wird. im unteren/oberen teil reichern sich verunreinigungen an. da sind die kristalle ganz anders chemisch zusammengesetzt...

oder die sogenannten polykristallinen  silzium-xx, die für solarzellen verwendet werden. an jeder korngrenze ändert sich die zusammensetzung und die struktur der kristallite.

leider kann ich dir keine abschließende antwort geben, aber das thema ist spannend. ich habe das thema nur anreisen können mit meinen kenntnissen, die ich im rahmen meines chemiestudiums sammeln konnte. wenn ich nach meiner pensionierung noch eon bischen zeit habe, studiere ich noch materialwissenschaften...

wichtig ist die methode der beobachtung. wie fein ist dein beobachtendes werkzeug... mit dem meissel siehst du anders als mit der lupe. das ohmmeter sieht anders als deine finger/deine augen

herzlichste grüße und glück auf jürgen lange

Offline jürgen lange

  • ***
  • Beiträge: 469
Re:Grenzfläche zwischen 2 Kristallen
« Antwort #6 am: 30 Aug 09, 22:37 »
ach  ja, und wenn du unterschiedliche chemische spezies hast, dann wird die thematik noch mal anders (die frage epitaxie ist ja nur eine geordnete aufwachsung ...)

und denk mal an die oberfläche deiner xx. wir kennen alle die si-o tetraeder innerhalb des quarz-xx. aber wie sieht die oberfläche aus. mit sicherheit sind da si-OH gruppen zu finden, die ihrerseits noch wasser ankondensiert haben...

soweit die diskussion für heute jürgen lange

 

Mineralienatlas - Fossilienatlas - Info-Center