Hi Benjamin,
bevor ich hier zur Vorlesung Lithostratigraphie-Biostratigraphie-Chronostratigraphie schreite, einige kurze Fragen: Aus welchem Aufschluß stammen die Stücke? Hast Du auch die Höhen (m über NN) der Fundpunkte notiert?
Beides wäre für die stratigraphische Zuordnung der Stücke nicht uninteressant. Die Info zu Liegenden Bankkalken und Hangenden Bankkalken hast Du bereits der GeoKarte25 entnommen, oder?
Die Bestimmung von Feldfunden ist, wie triassammler schon ausgeführt hat, nur dann erfolgreich durchzuführen, wenn entweder der Fossilinhalt eine Zuordnung erlaubt oder anhand der Geologischen Karte eine Zuordnung möglich ist.
So, nun zur Stratigraphie der von dir genannten 3 Formationen:
Ki4 (Liegende Bankkalk-Formation) ist chronostratigraphisch der Unterstufe Oberkimmeridgium zuzuordnen (ersichtlich aus dem Kürzel ki), biostratigraphisch ist ki4 der beckeri-Zone (nach dem Index-Taxon Hybonoticeras beckeri) zuzuordnen, hierbei wiederum der ulmense-Subzone (benannt nach dem Index-Taxon Lithacoceras ulmense). Die Ablagerungen des ki4 beginnen mit dem zio-wepferi-Faunenhorizontorizont alpha, darüber folgen der zio-wepferi-Horizont beta, sowie der hoelderi-Faunenhorizont. Als Ammoniten-Leitformen treten Metahaploceras wepferi, Ochetoceras zio, Lithacoceras ulmense und Silicisphinctes hoelderi auf.
Fossilinhalt: weitere Ammoniten wie Glochiceras politulum, Ssilicisphinctes keratinitiforme, Lithacoceras fasciferum, Lithacoceras hillebrandti, Physodoceras nattheimense, Sutneria rebholzi und Gravesia irius, weitere Fossilien Muscheln, Schnecken, Spurenfossilien wie Chonditetes und Palaeophycus; Mikrofossilien: Schwamm-Rhaxen, Ostracoden
Lithologie: ki4 als dünnbankige bis mittelbankige Mergelkalke mit kalkigen Einschaltungen, lateral Übergänge zu den Kalkmergeln der Zementmergel-Formation. Farbe graublau, beige bis hellgrau verwitternd. Kalkmergel häufig bioturbiert, Brekzienlagen und Slumping-Strukturen vor allem in liegenden Teilen.
Alte Bezeichnungen: Weißjura zeta 1, Ulmensisschichten, Malm 5
Die Grenze zu den überlagernden Gesteinen der Zementmergel-Formation ki5 ist eine reine Faziesgrenze (Mergelkalk-Fazies / Mergel-Fazies), jedoch keine Isochrone, d.h. beide Fazies (Kalke und Mergel) können zu gleicher Zeit in nebeneinanderliegenden Ablagerungsbereichen vorkommen.
Wenn, wie im Gebiet der Ostalb, auch noch reine Kalkhorizonte in die Mergel eingeschaltet sind (Zwischenkalk-Subformation), ist das Chaos perfekt. Drum hat man in diesen Regionen die Formationen zusammengefasst zu: kiME (Mergelstetten-Formation), chronostratigraphisch wieder der Unterstufe Oberkimmeridgium zugeordnet, etc.
Ki5 (Zementmergel-Formation) ist chronostratigraphisch dem Oberkimmeridgium zuzuordnen, die hangenden Abschnitte von ki5 dem Obersten Kimmeridgium. Biostratigraphisch ist ki5 der beckeri-Zone, ulmense-Subzone zuzuordnen. Sie beginnen mit dem hoelderi-Faunenhorizont und repräsentieren in den oberen Abschnitten den rebouletianum-Faunenhorizont (nach Taramelliceras rebouletianum).
Die Formation Ki5 ist wiederum aufgeteilt in ki5u (Untere Zementmergel-Subformation), ZK (Zwischenkalke-Subformation), ki5m (Mittlere Zementmergel-Subformation), ki5o (Obere Zementmergel-Subformation). Daneben kommen in Wannen weitere lokale Formationen zur Ablagerung, wie z. B. die NP Nusplingen-Plattenkalk-Subformation oder die RP (Renquishausen-Plattenkalk-Subformation) etc.pepe. Zeitgleich wird andernorts die joMo (Obere Massenkalk-Formation) abgelagert, im Bereich der Heidenheimer Alb die BTK (Brenztal-Trümmerkalk-Formation), deren Ablagerungsräume sich mit denen der Zementmergel-Formation lateral verzahnen.
ti1 (Hangende Bankkalk-Formation) ist chronostratigraphisch dem basalen Untertithon zuzuordnen (Kürzel ti), sie folgt auf ki5 mit deutlicher Faziesgrenze (Mergel / Kalke), meist mit einer Diskontinuitätsfläche, lokal sogar mit einem Aufarbeitungshoritont, der in manchen Aufschlüssen zu beobachten ist. Biostratigraphisch ist ti1 der hybonotum-Zone (nach Hybonoticeras hybonotum), riedense-Subzone (nach Lithacoceras riedense) zuzuordnen. Sie beginnt mit dem eigeltingense-Faunenhorizont.
Lithologisch ist die ti1 als Wechselfolge von dünn- bis mittelbankigen mergeligen Kalken ausgebildet. Fazielle Übergänge zur Massenkalk-Fazies sind häufig. Lokal treten bioklastische Korallenkalke auf.
Klar soweit?

Wenn nicht, Fragen beantworten, dann versuch ich's nochmal...
Glück Auf!
GEOMAXX