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Autor Thema: saalische Diskordanz und Rotliegendes  (Gelesen 5353 mal)

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Offline Moni

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saalische Diskordanz und Rotliegendes
« am: 11 Oct 09, 12:28 »
Folgende Frage stellt sich mir bezüglich der “Saalischen Diskordanz” und dem Rotliegenden an die Geologen:

Im Raum Hettstedt ist die sogenannte Saalische Diskordanz zwischen dem Oberkarbon und dem Rotliegenden an verschiedenen Stellen aufgeschlossen und gilt weithin als besonderer geologischer Aufschluß.
Entsprechend aller geologischen Literatur ist Fakt, daß rötliche Sandsteine und Glimmertone der Mansfelder Schicht - zugehörig in das Stefan bzw. der Zeit Oberkarbon- im Liegenden anstehen und im Hangenden darüber Porphyrkonglomerat der Eislebener Schichten -zugehörig zum Oberrotliegenden.

Dazwischen, d.h. das Unter- und Mittelrotliegende fehlt durch Abtragung.

Stellt sich die Frage: 1. Was für Gesteine fehlen da eigentlich und wie sehen diese aus?

Meine Recherche ergab nun, daß z.B. im Bereich von Elgersberg in Thüringen das Unterrotliegende vorhanden ist und in Form der Oberhöfiger - und Gehrenser Schichten auftritt.
Diese Schichten könnte man nun ja suchen gehen. Und hier verwirren mich die Bezeichnung nun vollkommen.

Denn:            2. Wären denn die Gesteine der Oberhöfiger- bzw. Gehrenser Schichten mit dem “Fehlenden” zwischen
                             Mansfelder  und Eislebener Schichten gleichzusetzen????

                       Und 3. handelt es sich in der Tat um gleichartige Gesteine? - Ansich müßte dies das Fall sein, den überall kommt
                                    nach dem Rotliegenden schließlich das Zechstein....

Weitere Frage: 4. Ist das Unter- und Mittelrotliegende vom Raum Hettstedt überhaupt irgendwo aufgeschlossen? 
     
So und nun? Stelle also fest, daß überall verschiedene und gleichartige Begriffe auftauchen, aber wenn man die Sache mal zeitlich aufmalt und gegenüberstellt, paßt das dann nicht zusammen.....

Wer weis denn eine schlaue Antwort?
Herzliche Grüße von Moni

Offline triassammler

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Antw:saalische Diskordanz und Rotliegendes
« Antwort #1 am: 11 Oct 09, 22:04 »
Hallo Moni,

ohne mich jetzt in der Gegend konkret auszukennen, möchte ich doch eine Antwort als Geologe geben:

Zitat
1. Was für Gesteine fehlen da eigentlich und wie sehen diese aus?
Streng genommen kann es dazu keine Antwort geben. Da eine Erosionsdiskordanz vorliegt und die Beckenentwicklung während der Schichtlücke nicht bekannt ist, kann auch nicht bekannt sein, welche Gesteine dabei abgelagert wurden.
Natürlich kann man von der großräumigen Entwicklung schließen, das wäre aber keine exakte Aussage.
Die Fragen 2 und 3 erledigen sich damit dann auch.

Zu Frage 2 sei noch angemerkt, dass "überall" nicht zutrifft: in BaWü bspw. folgt auf das Rotliegende gleich die Trias, Zechstein wurde hier nie abgelagert.

Gruß,
Rainer

 

Offline Moni

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Antw:saalische Diskordanz und Rotliegendes
« Antwort #2 am: 12 Oct 09, 19:24 »
Hallo triassammler,

danke für die Antwort.

Warum wird dann aber genau angegeben, daß im vorliegenden Fall Unter- + Mittelrotliegendes fehlt?
Wenn was fehlt und man nicht genau weis, was fehlt -schließlich war niemand dabei :) - woraus wird dann geschlußfolgert, daß was fehlt ?

Nach Deiner Aussage, müßte dann in BaWü ja auch eine Diskordanz zwischen Rotliegendem und Trias vorliegen. Denke mir aber, daß das geologisch nicht so gesehen wird oder?

Herzliche Grüße
Moni

Offline triassammler

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Antw:saalische Diskordanz und Rotliegendes
« Antwort #3 am: 13 Oct 09, 00:32 »
Hallo Moni!

Warum wird dann aber genau angegeben, daß im vorliegenden Fall Unter- + Mittelrotliegendes fehlt?

Nunja, man weiss ja, was im Liegenden und Hangenden der Diskordanz da ist - also fehlt das, was bei normaler Abfolge dazwischen käme. Es wird ja nicht vom Fehlen bestimmter Gesteinsfolgen gesprochen, sondern nur davon, dass stratigraphische Unterstufen fehlen, also zeitlich definierte Einheiten.

Zitat
woraus wird dann geschlußfolgert, daß was fehlt ?
Diskordanzen entstehen üblicherweise dadurch, dass die normale Beckensedimentation unterbrochen wird. Grundsätzlich kann man 2 Fälle unterscheiden:
1. Nach einiger Zeit setzt die Sedimentation wieder ein, und die neuen Sedimente lagern sich scheinbar ungestört über die alten. Die dazwischen liegende Zeitlücke ist dann ggf. an einem auffälligen Wechsel der Gesteinsarten zu erkennen, oder im schlechtesten Fall optisch gar nicht, und kann nur über Leitfossilien erkannt werden. Dies bezeichnet man als "Schichtlücke". Schichtlücken "enthalten" meist wenig Zeit und sind eher ein regionales Phänomen als Reaktion auf geringfügige Meeresspiegelschwankungen.
2. Die Unterbrechung der Sedimentation wurde durch eine Hebung des Untergrunds verursacht, wodurch bereits abgelagerte Sedimente der Erosion knapp unterhalb oder sogar oberhalb des Meeresspiegels ausgesetzt werden. Oft kommt es dabei auch noch zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Verkippung der Sedimentstapel. Bei erneutem Einsetzen der Sedimentation lagern sich die neuen Schichten horizontal ab, bilden aber einen Winkel zu den verkippten alten Sedimentstapeln oder plombieren ein während der Erosionsphase entstandenes Oberflächenrelief. Man spricht dann von einer Erosions- (ohne Verkippung der alten Schichten) oder Winkeldiskordanz (mit Verkippung, wobei dies ein Spezialfall der Erosionsdiskordanz und daher auch einfach "Erosionsdiskordanz" genannt werden kann).

Fall 2 ist also meist einfach zu erkennen (obwohl es hierzu ggf. auch großräumiger Betrachtungen bedarf, wenn die Erosions- oder Winkeldiskordanz nicht besonders stark ausgeprägt ist), und Fall 1 wird sogar manchmal übersehen, bis detaillierte Untersuchungen über die Faunenabfolge durchgeführt werden.
Aber spätestens, wenn man mit Leitfossilien arbeitet und feststellt, dass Art B, die direkt in der Schicht über Art A vorkommt, in 20 Millionen Jahre jüngere Sedimente gehört, hat man die Lücke erkannt und ihr Ausmaß bestimmt.
Es gibt auch noch lithologische Anzeichen für eine Diskordanz: dies sind oft Konglomerate, Sandsteine oder Schillbänke, die nicht in die übliche Gesteinsabfolge zu passen scheinen, und die nichts anderes darstellen als der fortschreitend abgelagerte Spülsaum eines auf die Landoberfläche ausgreifenden Meeres. Auch fossile Böden, die von plötzlich einsetzenden festländischen Bedingungen künden, können so ein Anzeiger sein.

Zitat
Nach Deiner Aussage, müßte dann in BaWü ja auch eine Diskordanz zwischen Rotliegendem und Trias vorliegen. Denke mir aber, daß das geologisch nicht so gesehen wird oder?
Aber natürlich - überall, wo "Zeit fehlt", liegt eine Diskordanz vor.
Konkret ist der Fall in BaWü so, dass terrestrisches bis limnisches Rotliegendes fleckenhaft in Senken des Variszischen Gebirges abgelagert wurde. Gleichzeitig unterlag das Gebirge einer Abtragung, womit sicher teilweise auch schon wieder einige der darin befindlichen Rotliegendbecken erodiert wurden. Obendrauf kam dann schließlich in der Trias der Buntsandstein.
Ob etwas, und was genau, zwischen Rotliegendem und Buntsandstein abgelagert wurde, ist unbekannt, denn jegliche Hinweise darauf wurden mit der Einebnung des Variszischen Gebirges von der Erosion zerstört.

Gruß,
Rainer

Offline smoeller

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Antw:saalische Diskordanz und Rotliegendes
« Antwort #4 am: 13 Oct 09, 12:30 »
Hallo,

Es dürfte im Harz zu Hebungsvorgängen gekommen sein (salische Phase). Im Oberrotliegenden wurde Porphyrtuff abgelagert, der im Mitteldeutschen Raum verbreitet Fossilien von Landpflanzen (verkieselte Hölzer) enthält. Marine Ablagerungen sind also nicht zu erwarten. Im Zechstein dürften Harz und Thüringer Wald als Schwellen über dem Meer gelegen haben. Man kann ein Auskeilen der Zechsteinschichten z.B. am Thüringer Wald feststellen.

@triassammler: Laut Metz (1980) gibt es im Schwarzwald Karneoldolomit als festländisches Äquivalent des Zechsteins.

Aber insgesamt ist das Perm im Schwarzwald lückenhaft, es gibt mächtigere Serien nur in Bohrungen im Weitenauer Bergland. Größere Aufschlüsse fehlen, es gibt ein paar bei Bad Säckingen und Kandern. Karneoldolomite finden sich z.B. im oberen Kinzigtal (Wittichen, Alpirsbach). Oft liegen sie direkt überm Grundgebirge.


Glück Auf!
Smoeller

Offline Moni

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Antw:saalische Diskordanz und Rotliegendes
« Antwort #5 am: 13 Oct 09, 19:40 »
Danke für die Antworten!

Trotzdem bleibt für mich die Frage bestehen, an welche Stelle man eben mal die fehlenden Schichten anschauen könnte.

Gruß Moni

Unten mal ein Bild des mich beschäftigten Aufschlußes "an den Hexentreppen" in Hettstedt/Sachsen-Anhalt.

 

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