Hallo Moni!
Warum wird dann aber genau angegeben, daß im vorliegenden Fall Unter- + Mittelrotliegendes fehlt?
Nunja, man weiss ja, was im Liegenden und Hangenden der Diskordanz da ist - also fehlt das, was bei normaler Abfolge dazwischen käme. Es wird ja nicht vom Fehlen bestimmter Gesteinsfolgen gesprochen, sondern nur davon, dass stratigraphische Unterstufen fehlen, also zeitlich definierte Einheiten.
woraus wird dann geschlußfolgert, daß was fehlt ?
Diskordanzen entstehen üblicherweise dadurch, dass die normale Beckensedimentation unterbrochen wird. Grundsätzlich kann man 2 Fälle unterscheiden:
1. Nach einiger Zeit setzt die Sedimentation wieder ein, und die neuen Sedimente lagern sich scheinbar ungestört über die alten. Die dazwischen liegende Zeitlücke ist dann ggf. an einem auffälligen Wechsel der Gesteinsarten zu erkennen, oder im schlechtesten Fall optisch gar nicht, und kann nur über Leitfossilien erkannt werden. Dies bezeichnet man als "Schichtlücke". Schichtlücken "enthalten" meist wenig Zeit und sind eher ein regionales Phänomen als Reaktion auf geringfügige Meeresspiegelschwankungen.
2. Die Unterbrechung der Sedimentation wurde durch eine Hebung des Untergrunds verursacht, wodurch bereits abgelagerte Sedimente der Erosion knapp unterhalb oder sogar oberhalb des Meeresspiegels ausgesetzt werden. Oft kommt es dabei auch noch zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Verkippung der Sedimentstapel. Bei erneutem Einsetzen der Sedimentation lagern sich die neuen Schichten horizontal ab, bilden aber einen Winkel zu den verkippten alten Sedimentstapeln oder plombieren ein während der Erosionsphase entstandenes Oberflächenrelief. Man spricht dann von einer Erosions- (ohne Verkippung der alten Schichten) oder Winkeldiskordanz (mit Verkippung, wobei dies ein Spezialfall der Erosionsdiskordanz und daher auch einfach "Erosionsdiskordanz" genannt werden kann).
Fall 2 ist also meist einfach zu erkennen (obwohl es hierzu ggf. auch großräumiger Betrachtungen bedarf, wenn die Erosions- oder Winkeldiskordanz nicht besonders stark ausgeprägt ist), und Fall 1 wird sogar manchmal übersehen, bis detaillierte Untersuchungen über die Faunenabfolge durchgeführt werden.
Aber spätestens, wenn man mit Leitfossilien arbeitet und feststellt, dass Art B, die direkt in der Schicht über Art A vorkommt, in 20 Millionen Jahre jüngere Sedimente gehört, hat man die Lücke erkannt und ihr Ausmaß bestimmt.
Es gibt auch noch lithologische Anzeichen für eine Diskordanz: dies sind oft Konglomerate, Sandsteine oder Schillbänke, die nicht in die übliche Gesteinsabfolge zu passen scheinen, und die nichts anderes darstellen als der fortschreitend abgelagerte Spülsaum eines auf die Landoberfläche ausgreifenden Meeres. Auch fossile Böden, die von plötzlich einsetzenden festländischen Bedingungen künden, können so ein Anzeiger sein.
Nach Deiner Aussage, müßte dann in BaWü ja auch eine Diskordanz zwischen Rotliegendem und Trias vorliegen. Denke mir aber, daß das geologisch nicht so gesehen wird oder?
Aber natürlich - überall, wo "Zeit fehlt", liegt eine Diskordanz vor.
Konkret ist der Fall in BaWü so, dass terrestrisches bis limnisches Rotliegendes fleckenhaft in Senken des Variszischen Gebirges abgelagert wurde. Gleichzeitig unterlag das Gebirge einer Abtragung, womit sicher teilweise auch schon wieder einige der darin befindlichen Rotliegendbecken erodiert wurden. Obendrauf kam dann schließlich in der Trias der Buntsandstein.
Ob etwas, und was genau, zwischen Rotliegendem und Buntsandstein abgelagert wurde, ist unbekannt, denn jegliche Hinweise darauf wurden mit der Einebnung des Variszischen Gebirges von der Erosion zerstört.
Gruß,
Rainer