Hallo,
dann lege ich mal noch einen Wirbeltierfund nach: Rechter Unterkieferzahn samt Fragment des Kieferasts des Lungenfischs
Ceratodus kaupi AGASSIZ aus dem Muschelkalk/Keuper-Grenzbonebed der Region Stuttgart, gefunden am 14.06.2009. Größe des Fossils 8x5 cm.
Bei der Auffindung war nur ein kleiner Teil des Zahns zu sehen, dieser ausserdem noch durch die Abbautätigkeit im Steinbruch an der Spitze beschädigt. Vermutet habe ich daher erst einmal ein Zahnfragment geringer Größe, wie es für die Bonebedfazies mit ihren Knochentrümmern üblich ist. Der Zahn wurde in stundenlanger Arbeit und mit tatkräftiger Hilfe eines Mitarbeiters des Steinbruchs aus dem extrem harten Anstehenden geborgen. Dabei erlitt das Fossil einen Querbruch, der erst die wahren Dimensionen zeigte und die für die Fundschicht aussergerwöhnlich gute Erhaltung erahnen ließ, woraufhin die Bergung von Hämmern auf Flexen umgestellt wurde. Hierbei erklärte sich der Mitarbeiter freundlicherweise nicht nur dazu bereit, das am Fundort üblicherweise geltende Flex-Verbot für Sammler (wg. Gewinnung von Steinblöcken u. a. zu Deko-Zwecken) vorübergehend ausser Kraft zu setzen, sondern machte sich darüber hinaus auch noch selbst auf den Weg, um eine Motorflex heranzuschaffen!
Der Zahn wurde schließlich im November von einem Fachmann präpariert, der die nötige Erfahrung besitzt, um dem nahezu glasharten, splittrigen Material erfolgreich und ohne Beschädigung des Fossils zu Leibe zu rücken. Die bereits beschädigt aufgefundene Zahnspitze wurde dabei nicht ergänzt, um den Originalzustand so weit wie möglich zu erhalten. Direkt neben dem Zahn wurde noch ein kleiner Zahn des Fischs
Saurichthys sp. aufgedeckt und ebenfalls erhalten.
Da Lungenfischzähne nicht tief im Kiefer verwurzelt sind, lösen sie sich in hochenergetischen Milieus wie dem Ablagerungsraum von Bonebeds normalerweise von den Kieferknochen und werden so gut wie immer isoliert aufgefunden, während die Kieferknochen meist zu Knochensand zermahlen werden und selten überliefert sind. Zusätzlich zeigen sie meist eine starke Abrollung. Die teilweise abgeschliffene Kaufläche ist in diesem Fall aber auf Abnutzung zu Lebzeiten des Fischs zurückzuführen, die Einbettung von Zahn plus Kieferknochen im Verband muss vergleichsweise rasch nach dem Tod des Tiers und ohne längere Aufarbeitung im Bonebend stattgefunden haben.
Bild 1: Zahn im Fundzustand mit beschädigter Spitze
Bild 2: Zahn präpariert. Links am Kieferknochen die Symphyse, die Verbindung zum benachbarten Kieferast
Besonders freut es mich, dass sich bei diesem Stück ein Mitarbeiter des Schotterwerks nicht nur von dem Fund begeistern ließ, sondern er von sich aus auch noch wertvolle aktive Unterstützung bei der Bergung angeboten und geleistet hat. Allein hätte ich es wahrscheinlich nicht geschafft. So ist dieser aussergewöhnlich seltene Fund für mich auch ein sehr schönes Beispiel dafür, dass Sammler und Steinbruchbetreiber nicht immer und überall nur im Clinch miteinander liegen müssen.
Gruß,
Rainer
PS: @Markus:
Branchiosaurier, Labyrinthodontia, Amphib (Eidechse)
Eine Eidechse ist kein Amphibium

Für die Branchiosaurier (und allgemein Labyrinthodontia) gibt es keine rezente Entsprechung, am ehesten kann man sie noch gemeinsprachlich als "Lurche" bezeichnen.