Gesteine / Rocks / Rocas > Meteorite, extraterrestrische Geologie / Extraterrestrial Geology
Modellversuch Meteoriteneinschlag
triassammler:
--- Zitat von: TobiasBrehm am 15 Mar 10, 21:53 ---den Winkel kann man ja eigentlich wählen, je nach gewollter Form des Kraters.
--- Ende Zitat ---
Bei natürlichen Impaktkratern spielt der Anflugwinkel kaum eine Rolle; wenn er nicht extrem flach ist, sorgt die Explosion beim Einschlag immer für eine kugelförmige Druckwelle, die entsprechend einen runden Krater formt. Nur bei kleinen Körpern, die "richtig" einschlagen und nicht explodieren, verhält sich das anders. Deswegen sind auch alle Großkrater auf der Erde oder anderen Himmelskörpern rund, obwohl man beileibe nicht davon ausgehen darf, dass der Impaktkörper stets senkrecht von oben auftraf.
@Krizu:
--- Zitat ---nach das "Nachrutschen" habe ich nicht gedacht.
Ich war mehr auf dem Trip den Krater zum Zeitpunkt x nachzubilden,
also die Kraterwand mit den Auswürflingen usw.
--- Ende Zitat ---
Da kenne ich jemanden, der das mal mit einem Elektronenstrahl auf eine Wolframplatte veranstaltet hat. Das hatte sehr schöne strahlenförmige Streufelder von Auswurftropfen um den Krater zur Folge. Sieht aus wie echt. Ich werde mal fragen, ob ich davon Bilder hier zeigen darf.
Aber für Tobias technisch wahrscheinlich noch schwieriger zu realisieren als mit der Dicken Berta auf ein Sandbett zu feuern ;)
@Tobias:
Wenn es Dich mal in die Gegend verschlägt: Das Rieskrater-Museum in Nördlingen ist absolut sehenswert.
Gruß,
Rainer
giantcrystal:
Hallo aus Mittelfranken
das mit dem "immer kreisrunden Kratern" ist so nicht ganz richtig. Zum einen hat man mittlerweile durchaus ovale Krater entdeckt , z.b. Toms Canyon Crater, zum anderen liegt das natürlich nicht nur am Aufprallwinkel selbst, sondern auch an der Form des Körpers.
Ein langezogener Impaktkörper wird auch bei einem steilen Aufprallwinkel einen ovalen Krater erzeugen. Klassisches Beispiel ist die Sudburystruktur (obwohl es da auch ältere Literatur gibt, die eine nachträgliche tektonische Verformung postuliert)
Übrigens gibt es auch Meteoriten ganz ohne Krater, zum Beispiel der Hoba in Namibia,
siehe hier
http://giantcrystals.strahlen.org/africa/hobavv0.htm
Glück Auf
Thomas
triassammler:
Hallo Thomas,
der Toms Canyon Crater war mir bisher gar nicht bekannt, ich musste selbst erst mal danach googeln, allerdings waren die Details dazu, die ich gefunden habe, unbefriedigend. Vor allem habe ich kein Blockbild auf der Basis der bathymetrischen Daten gefunden, was aber sehr informativ gewesen wäre. Kannst Du mir ggf. einen weiterführenden Link oder Literatur empfehlen? Wenn ich es richtig sehe, geht man ggf. vom gleichzeitigen Impakt mehrerer Objekte aus - daraus würde sich dann auch eine asymmetrische Kraterform erklären.
Was Sudbury angeht, da möchte ich es mit der "älteren Literatur" halten und bei einer derart alten Struktur tektonische Deformation nicht kategorisch ausschließen. So gibt es auch im skandinavischen Gebirge einige Großkrater, die durch die kaledonische Gebirgsbildung "halbiert" (die andere Hälfte wurde mit der entsprechenden Decke über- oder unterschoben) oder deformiert wurden. Freilich sind diese Krater nicht mehr als Oberflächenstrukturen sichtbar, sondern nur indirekt über Massenanomalien nachweisbar.
Und der Hoba-Meteorit hatte wahrscheinlich ursprünglich einen kleinen Krater um sich herum, der aber recht schnell von Wind und Wetter eingeebnet wurde. Denudation ist in der Region doch durchaus ein Problem, oder? Aber Du hast natürlich Recht: Vergleichsweise sehr kleine Meteoriten werden beim Flug durch die Erdatmosphäre abgebremst und fallen schließlich mit maximal 9,81 m/s zu Boden, was in keinem Verhältnis zu den großen Brocken steht, die ihre kinetische Energie ungebremst beibehalten und mit 12 km/s und mehr einschlagen. Ein richtiger Krater wird durch die Explosion infolge Umwandlung der kinetischen Energie in Wärme erzeugt, nicht durch den Einschlag des Körpers an sich. Letzteres erzeugt höchstens ein kleines Loch im Boden, das sehr schnell der Erosion anheim fällt.
Gruß,
Rainer
giantcrystal:
Noch ein Nachtrag zum Hoba
Als neulich in der argentinischen Pampa ein kleiner Meteorit (Masse vielleicht 3 Tonnen ?) einschlug, gab das einen ordentlichen runden Krater. Der Hoba, geschätzt auf ein paar zehntausend Jahre, müßte demnach einen weitaus größeren Krater verursacht haben. Hat er aber nicht. Und was die Denudation anbelangt, so war der Hoba bei seiner Entdeckung von einigen Dezimetern Kalkkruste bedeckt...
Vermutlich ist er woanders flach aufgeschlagen und dann wie ein Stein auf dem Wasser ein paar mal "aufgetitscht" bevor er an seinem heutigen Ruheort zu liegen kam
Alles nicht so einfach mit den Meteoriten ;-)
Glück Auf
Thomas
TobiasBrehm:
Das hat sich ja inzwischen wieder in eine richtige Fachdiskussion verwandelt! Find' ich super!
Das Thema Meteoriten ist doch immer noch super spannend! :)
@ triassammler:
Das mit dem Auftreffwinkel für natürliche Meteoriten ist wohl weitestgehend richtig. Nur für den Modellversuch wird er wahrscheinlich schon eine Rolle spielen, da dabei ja keine Explosionen beim Auftreffen iniziert werden (sollten). Daher sind die dabei entstehenden Krater natürlich auch nicht naturgetreu, aber das ist bei einem solchen "low-budget-Versuch" wohl schlecht zu realisieren. In Freiburg wird/wurde scheinbar ein Versuch dieser Art durchgefürht. Jedoch ist dafür sicher ein anderes Budget verfügbar....
Hier der Link: http://www.welt.de/wissenschaft/article1556390/Deutsche_Forscher_simulieren_Weltuntergang.html
Falls Du die Erlaubnis für die Bilder mit der Wolframplatte bekommst, wäre das super! Das würde mich interessieren! Aber klar, für mich natürlich nicht machbar.
Ries steht definitiv auf meiner Liste der noch in meinem Leben zu besuchenden Gegenden der Erde (zusammen mit Hawaii, Yellowstone, Mt. St. Helens, Arktis, .... ;) ), aber sicher eher zu realisieren, als die anderen Gegenden...
GA
Tobias
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