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Jurahornstein Fränkische Schweiz - Stbr. Kümmersreuth

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Moni:
Könnte es sich bei der unten abgelichteten Kugel um eine Art Koralle handeln? Oder handelt es sich hierbei in keiner Weise um fossile Ausbildungen?
FO: o.g. Steinbruch
Zeitliche Einordnung, wie ich nunmehr schon gelernt habe: Jurakalk

Chemisch handelt es sich bei dem Kugelmaterial um SiO2. Für mich eine ungewöhnliche Ausbildung.

Diese Härte hätte ich im vorherein niemals angenommen, da ich auch beobachtet habe, daß dieses weiße Material scheinbar sehr verwitterungsbedürftig ist, spricht diese Massen zerfallen zu Pulverstaub und hinterlassen dann im Gestein bizarre Hohlräume. Wenn jegliche weiße Masse entfernt, herausgespült etc. ist, dann drängt sich mir der Karstgedanke auf, d.h. ich würde annehmen, die Hohlräume sind durch Wasserzirkulation entnstanden.
Aber dem ist nicht so.

Also bitte, klärt mich doch mal zur Entstehungsgeschichte auf und sagt mir, ob mein Korallengedanke richtig ist. Das bestimmt silikatische Material läßt mich hoffen ...

Herzliche Grüße von
Moni
 

Moni:
Hier bittschön noch eine Aufnahme der beschrieben Hohlräume und wie zu sehen, ist teilweise das weiße Material noch vorhanden.

Moni

triassammler:
Hallo Moni,

Deine Analyse ist korrekt, es handelt sich um Flintknollen, die im süddeutschen Malm delta sehr häufig vorkommen.
Dass sie trotz ihrer mechanische Härte und chemischen Beständigkeit manchmal tatsächlich nur noch als ein weißes Pulver vorhanden sind, ist mir auch schon aufgefallen, jedoch habe ich mir darüber noch keine genaueren Gedanken gemacht. Evtl. könnte es etwas mit der Dolomitisierung des Jurakalks zu tun haben.

Falls Du im Zusammenhang mit den Knollen auf Quarz spekulierst: M. W. wurde trotz offensichtlichem Vorhandensein von SiO2 in den entsprechenden Schichten noch kein Quarz-XX gefunden. Quelle des SiO2 sind übrigens Kieselschwämme, die Knollen selbst entstanden zufällig aus gelöstem SiO2 und nicht unter Einschließung von Fossilien. Im Gegensatz zu den norddeutschen Flintknollen enthalten sie nicht einmal Ansammlungen von Fossilbruchstücken.
Der Massenkalk des Malm delta ist fossilienmäßig eher undankbar: Im bergfrischen Zustand gibt es keine Trennfuge zwischen Fossil und Gestein; man erkennt Fossilien meist nur im Querbruch, und die Präparation gestaltet sich aufwändig. Etwas mehr Glück kann man haben, wenn man Lesesteine auf den Äckern sucht: Die Verwitterung hat hier mitunter die Fossilien sehr gut freigelegt.

Richtige verkieselte Korallen (samt verkieselter Beifauna) gibt es in höheren Juraschichten (Malm zeta) an einzelnen Stellen auf der Alb zu finden. Sie sehen dann aber auch stets wie Korallen aus (Form, Detailbau). Mit etwas Glück kann man im Inneren von Korallenstöcken Hohlräume mit Quarz-XX entdecken.

Gruß,
Rainer

Moni:
Hallo triassammler,

recht vielen Dank für Deine Antwort.
Flintknollen also  :-\ - wenn diese eine in etwa ähnliche Erscheinung hätten, wie die von der Küste, hätte es vielleicht geklingelt. Das völlig amorphe Material weist leider in der Tat keinerlei Strukturen auf - wie ich sie zumindest ansatzweise bei fossilem Material erwartet hätte. Da war wohl der Wunsch Vater des Gedankens. 8)

Du meinst also, daß durch die Dolomitisierung der Kalkschichten diese  SiO2-Bezirke angegriffen werden? Tja möglich ist wohl alles.

Aber das läßt auch noch einen ganz anderen Gedanken aufkeimen:
Ich habe festgestellt, daß es ganz klare Schichtgrenzen zwischen den Si=2-Einlagerungen und dem diese umschließenden  Kalkschichichten gibt. Dieses sind immer abgerundet, niemals kantig oder gerade. Die Oberfläche ist glatt.
Könnten solche ehemals mit SiO2 gefüllten "Drusen" nicht auch Keimzelle für Höhlenbildungen sind?
Stelle mir da folgenden Ablauf vor:
1. gefüllte "Druse" mit SiO2
 2. chem. Umsetzung und Zerfall zu feinstkörnigem Material
3. Wassereinfluß auf die "Druse" und Abtransport des "Pulvers" über Klüfte etc.
4. Bei genügend großer Menge an Wasserzirkulation Ausdehnung der "Drusen" zu größeren Hohlräumen
5. Entstehung / Wachsen einer Karsthöhle ..... ::) ???

Ich meine, gerade im betreffenden Gebiet sind ja jede Menge an Kalkhöhlen zu finden - ob groß oder klein, meist mit wunderschönen Stalaktiten- und niten. Hierbei handelt es sich dann aber doch um Cacliumcarbonat und diese wiederum könnte doch erst nach Abschluß der eigentlichen Hohlraumbildung wiederum durch CaCO3-haltige Wasseraustritte ausgeschieden werden.   
Zu wilde Theorie?

Herzliche Grüße
Moni

Krizu:
Hallo Moni,

wie ist die Löslichkeit von Dolomit/Kalk in einem leicht saurem Wasser?
Und wie ist die Löslichkeit von SiO2-Varianten in leicht saurem oder leicht basischem Wasser?
Ich glaube der Kalk gibt schneller nach ;-)

Vermutlich waren die Knollen gar nicht sauer zu Flintknollen vernetzt sondern eher bei wässerigen Solen-Gelen stehengeblieben. ODer was ist da die Meinung?

Mfg

Frank

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