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Autor Thema: Jurahornstein Fränkische Schweiz - Stbr. Kümmersreuth  (Gelesen 7805 mal)

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Offline Moni

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Könnte es sich bei der unten abgelichteten Kugel um eine Art Koralle handeln? Oder handelt es sich hierbei in keiner Weise um fossile Ausbildungen?
FO: o.g. Steinbruch
Zeitliche Einordnung, wie ich nunmehr schon gelernt habe: Jurakalk

Chemisch handelt es sich bei dem Kugelmaterial um SiO2. Für mich eine ungewöhnliche Ausbildung.

Diese Härte hätte ich im vorherein niemals angenommen, da ich auch beobachtet habe, daß dieses weiße Material scheinbar sehr verwitterungsbedürftig ist, spricht diese Massen zerfallen zu Pulverstaub und hinterlassen dann im Gestein bizarre Hohlräume. Wenn jegliche weiße Masse entfernt, herausgespült etc. ist, dann drängt sich mir der Karstgedanke auf, d.h. ich würde annehmen, die Hohlräume sind durch Wasserzirkulation entnstanden.
Aber dem ist nicht so.

Also bitte, klärt mich doch mal zur Entstehungsgeschichte auf und sagt mir, ob mein Korallengedanke richtig ist. Das bestimmt silikatische Material läßt mich hoffen ...

Herzliche Grüße von
Moni
 

Offline Moni

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Antw:Fränkische Schweiz - Stbr. Kümmersreuth
« Antwort #1 am: 11 Apr 10, 18:24 »
Hier bittschön noch eine Aufnahme der beschrieben Hohlräume und wie zu sehen, ist teilweise das weiße Material noch vorhanden.

Moni

Offline triassammler

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Antw:Fränkische Schweiz - Stbr. Kümmersreuth
« Antwort #2 am: 12 Apr 10, 00:26 »
Hallo Moni,

Deine Analyse ist korrekt, es handelt sich um Flintknollen, die im süddeutschen Malm delta sehr häufig vorkommen.
Dass sie trotz ihrer mechanische Härte und chemischen Beständigkeit manchmal tatsächlich nur noch als ein weißes Pulver vorhanden sind, ist mir auch schon aufgefallen, jedoch habe ich mir darüber noch keine genaueren Gedanken gemacht. Evtl. könnte es etwas mit der Dolomitisierung des Jurakalks zu tun haben.

Falls Du im Zusammenhang mit den Knollen auf Quarz spekulierst: M. W. wurde trotz offensichtlichem Vorhandensein von SiO2 in den entsprechenden Schichten noch kein Quarz-XX gefunden. Quelle des SiO2 sind übrigens Kieselschwämme, die Knollen selbst entstanden zufällig aus gelöstem SiO2 und nicht unter Einschließung von Fossilien. Im Gegensatz zu den norddeutschen Flintknollen enthalten sie nicht einmal Ansammlungen von Fossilbruchstücken.
Der Massenkalk des Malm delta ist fossilienmäßig eher undankbar: Im bergfrischen Zustand gibt es keine Trennfuge zwischen Fossil und Gestein; man erkennt Fossilien meist nur im Querbruch, und die Präparation gestaltet sich aufwändig. Etwas mehr Glück kann man haben, wenn man Lesesteine auf den Äckern sucht: Die Verwitterung hat hier mitunter die Fossilien sehr gut freigelegt.

Richtige verkieselte Korallen (samt verkieselter Beifauna) gibt es in höheren Juraschichten (Malm zeta) an einzelnen Stellen auf der Alb zu finden. Sie sehen dann aber auch stets wie Korallen aus (Form, Detailbau). Mit etwas Glück kann man im Inneren von Korallenstöcken Hohlräume mit Quarz-XX entdecken.

Gruß,
Rainer

Offline Moni

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Antw:Fränkische Schweiz - Stbr. Kümmersreuth
« Antwort #3 am: 13 Apr 10, 19:08 »
Hallo triassammler,

recht vielen Dank für Deine Antwort.
Flintknollen also  :-\ - wenn diese eine in etwa ähnliche Erscheinung hätten, wie die von der Küste, hätte es vielleicht geklingelt. Das völlig amorphe Material weist leider in der Tat keinerlei Strukturen auf - wie ich sie zumindest ansatzweise bei fossilem Material erwartet hätte. Da war wohl der Wunsch Vater des Gedankens. 8)

Du meinst also, daß durch die Dolomitisierung der Kalkschichten diese  SiO2-Bezirke angegriffen werden? Tja möglich ist wohl alles.

Aber das läßt auch noch einen ganz anderen Gedanken aufkeimen:
Ich habe festgestellt, daß es ganz klare Schichtgrenzen zwischen den Si=2-Einlagerungen und dem diese umschließenden  Kalkschichichten gibt. Dieses sind immer abgerundet, niemals kantig oder gerade. Die Oberfläche ist glatt.
Könnten solche ehemals mit SiO2 gefüllten "Drusen" nicht auch Keimzelle für Höhlenbildungen sind?
Stelle mir da folgenden Ablauf vor:
1. gefüllte "Druse" mit SiO2
 2. chem. Umsetzung und Zerfall zu feinstkörnigem Material
3. Wassereinfluß auf die "Druse" und Abtransport des "Pulvers" über Klüfte etc.
4. Bei genügend großer Menge an Wasserzirkulation Ausdehnung der "Drusen" zu größeren Hohlräumen
5. Entstehung / Wachsen einer Karsthöhle ..... ::) ???

Ich meine, gerade im betreffenden Gebiet sind ja jede Menge an Kalkhöhlen zu finden - ob groß oder klein, meist mit wunderschönen Stalaktiten- und niten. Hierbei handelt es sich dann aber doch um Cacliumcarbonat und diese wiederum könnte doch erst nach Abschluß der eigentlichen Hohlraumbildung wiederum durch CaCO3-haltige Wasseraustritte ausgeschieden werden.   
Zu wilde Theorie?

Herzliche Grüße
Moni

Offline Krizu

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Antw:Fränkische Schweiz - Stbr. Kümmersreuth
« Antwort #4 am: 13 Apr 10, 19:46 »
Hallo Moni,

wie ist die Löslichkeit von Dolomit/Kalk in einem leicht saurem Wasser?
Und wie ist die Löslichkeit von SiO2-Varianten in leicht saurem oder leicht basischem Wasser?
Ich glaube der Kalk gibt schneller nach ;-)

Vermutlich waren die Knollen gar nicht sauer zu Flintknollen vernetzt sondern eher bei wässerigen Solen-Gelen stehengeblieben. ODer was ist da die Meinung?

Mfg

Frank

Offline Moni

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Antw:Fränkische Schweiz - Stbr. Kümmersreuth
« Antwort #5 am: 13 Apr 10, 20:10 »
hallo Krizu,

kein weiterer Kommentar zu:

wie ist die Löslichkeit von Dolomit/Kalk in einem leicht saurem Wasser?
Und wie ist die Löslichkeit von SiO2-Varianten in leicht saurem oder leicht basischem Wasser?
Ich glaube der Kalk gibt schneller nach ;-)

In meinem zugegebenen unkonventionellen Ansatz spielt der nicht witterungsbedingte!!!! Zerfall der SiO2-Einschlüsse von festem, harten Material in Pulver die ausschlaggebende Rolle. Wie ist das möglich und kann das Feinmaterial durch z.B. Suspensionbildung abtransportiert worden sein?
Habe nämlich 3 Zustände ausgemacht:
1. Flintknolle fest eingebettet in Kalk
2. Flintknolle nur noch Pulver - nach Öffnung feucht - auskratzbar
3. Flintknolle ganz weg - nur noch glattes drusenartiges Gebilde im Kalk vorhanden. 

was sind jetzt Solen-Gelen? ???

Herzliche Grüße
Moni

Offline Moni

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Antw:Fränkische Schweiz - Stbr. Kümmersreuth
« Antwort #6 am: 13 Apr 10, 20:12 »
zum besseren Verständnis hier noch mal ein Bild:

Offline triassammler

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Antw:Fränkische Schweiz - Stbr. Kümmersreuth
« Antwort #7 am: 13 Apr 10, 20:16 »
Hallo Frank, hallo Moni!

Ich glaube der Kalk gibt schneller nach ;-)

Eigentlich schon. Fakt ist ja aber auch, dass die Massenkalke örtlich und regional eine zweifache Umwandlung (Kalkstein -> Dolomit -> Kalkstein ("Dedolomit")) durchgemacht haben. Könnte das evtl. die Knollen beeinflussen?

Wie gesagt, ich habe die Bröselteile zwar auch schon in Steinbrüchen zur Kenntnis genommen, sie mir aber noch nie genauer angeschaut (die festen Knollen sind interessanter, das recht charakteristische Material findet man nämlich bis weit ins Albvorland in Form steinzeitlicher Werkzeuge auf den Feldern wieder) - wäre es denkbar, dass einzelne Knollen kein reiner Flint waren, sondern nur angekieselter Kalkstein (vgl. Kieselplattenkalke des Altmühltals, die bei Verwitterung ebenfalls zu weißem Mehl zerfallen)?

@Moni: Die Knollen waren sicher nicht der Keim für Höhlenbildungen allgemein. Höhlenbildungen im Kalkstein der Alb sind an den Grundwasserstand während des Tertiärs und Quartärs gebunden, und über Stauhorizonte an die Stratigraphie. Grob betrachtet kommen sie daher meist in stockwerkartiger Anordnung vor.

Zitat
Hierbei handelt es sich dann aber doch um Cacliumcarbonat und diese wiederum könnte doch erst nach Abschluß der eigentlichen Hohlraumbildung wiederum durch CaCO3-haltige Wasseraustritte ausgeschieden werden.   
Nicht ganz. Höhlen sind dynamische Gebilde - bei wasserdurchflossenen Höhlen löst das Wasser am Höhlenboden den Kalk, während Tropfwasser von der Decke schon wieder Stalaktiten abscheidet. Auch bei nicht mehr durchflossenen Höhlen finden Kalklösung und -abscheidung gleichzeitig statt. Das Tropfwasser gibt überschüssiges Calciumkarbonat an einer Stelle ab (-> Tropfsteine), nimmt dann an anderer Stelle wieder CO2 auf, wodurch sich die Löslichkeit für Kalk wieder erhöht und es neuen Kalk auflöst, den es dann wieder irgendwo abgibt... Undsoweiter.

Gruß,
Rainer


Gruß,
Rainer

Offline Moni

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Antw:Fränkische Schweiz - Stbr. Kümmersreuth
« Antwort #8 am: 13 Apr 10, 20:42 »
Hallo Triassammler,

wenn es angekieselter Kalkstein wäre, dann hätte mein IR-Spectrum anders ausgesehen, jedenfalls hätte zumindest eine Andeutung der CaCO3-Banden da sein müssen. Das ist nicht der Fall. Außerdem bin ich mit der Probenaufebreitung mittels Anbohren ganz kläglich gescheitert, habe erst da zur Kenntnis genommen, wie hart die Kugeln sind. Leider habe ich von dem Pulverzeugs nichts mitgenommen. HIer wäre jetzt interessant, ob beides noch das gleiche ist.

Altmühltal ist mir zwar ein Begriff - kennen tue ich's persönlich aber nicht, ergo auch nicht die Kieselplattenkalke.

"Keimzellen" für Höhlenbildung im Tertiär und Quartärs können doch auch viel eher vorhanden gewesen sein oder? Außerdem nehmen die Hohlräume doch schon recht ansehnliche Größen ein. Sie erinnen einfach an Kalkauflösungen durch Wasser und wenn nicht teilweise die weißen Massen noch vorhanden gewesen wären, hätte ich ersteres auch steif und bein behauptet.   

Herzliche Grüße
Moni

Offline Krizu

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Antw:Fränkische Schweiz - Stbr. Kümmersreuth
« Antwort #9 am: 13 Apr 10, 21:02 »

Habe nämlich 3 Zustände ausgemacht:
1. Flintknolle fest eingebettet in Kalk
2. Flintknolle nur noch Pulver - nach Öffnung feucht - auskratzbar
3. Flintknolle ganz weg - nur noch glattes drusenartiges Gebilde im Kalk vorhanden. 

was sind jetzt Solen-Gelen? ???

Die Entstehung der Flitne fäuft über gelöstes SiO2 (Sole) die polymerisieren dann zu Gel (en). Nimm Na-Wasserglas und gib Säure dazu - lange Zeit klar dann stockt das Ganze. Vermutlich waren die Flintknollen unterschiedliche (SiO2)x(OH)y*zH2O.

Das meinte ich.

Frank

Offline Mark77

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Antw:Fränkische Schweiz - Stbr. Kümmersreuth
« Antwort #10 am: 13 Apr 10, 21:33 »
Wir haben auf der Alb neben den typischen Jurahornsteinen auch verkieselte Kalk, die ebenfalls zu Artefakten verarbeitet wurden. Bereits im Mittelpaläolithikum schon!
Wie solchen Hohlräume enstehen können kann ich auch nicht hundertprozentig sagen, allerdings klingt mir die Auslösung von nicht ganz verkieselten kalkigen Bereichen innerhalb der Knollen als plausibelste Erklärung dafür. Feuersteine/Hornsteine kann es in den skurilsten Formen geben.

Hat mal jemand das weiße Pulvermaterial chemisch untersucht?

Grüßle, Markus

Offline Moni

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Antw:Fränkische Schweiz - Stbr. Kümmersreuth
« Antwort #11 am: 13 Apr 10, 21:51 »
Hallo Krizu

das leuchtet ein! Danke für Erläuterung.

Gruß Moni

Offline Moni

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Antw:Fränkische Schweiz - Stbr. Kümmersreuth
« Antwort #12 am: 13 Apr 10, 21:54 »
Hallo Mark77,

also ich bisher nicht und ich ärgere mich jetzt etwas, daß ich keine Probe des losen Materiales mitgenommen habe.
Sehen wirs sportlich - irgentwann gehts nochmal in besagten Bruch und dann aber nicht ohne Pröbchen heim .... ;)

Herzliche Grüße
Moni

 

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