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Autor Thema: Rätselhafte Schnecke / Tertiär  (Gelesen 5132 mal)

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Offline Kilo

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Rätselhafte Schnecke / Tertiär
« am: 04 Jul 10, 15:17 »
Hallo,

nach 6-wöchigem Urlaub an der Ostsee möchte ich mich wieder zurückmelden.

Natürlich waren wir überwiegend mit Sammeln und Suchen beschäftigt, örtlich bedingt ging es uns um Bernstein und Fossilien. Gleich am zweiten Tag machte Doris diesen Fund in der Kiesgrube Hohenmin zwischen Neubrandenburg und Treptow. Höhe etwa 4 cm.

Dazu jetzt die Fragen:

Wie kommt es, dass ein solch fragiles Fossil die Kräfte des Geschiebes und die Belastungen des Kiesabbaues einigermaßen heil überstanden hat? Doris machte den Fund in einem Haufen mit Sand, kleineren und größeren Steinen, wahrscheinlich ausgesondertem Material und bereits etwas mit Unkraut überwachsen.

Ist es möglich, dass die Schnecke in einem Flintbrocken gesteckt hat, aus diesem ausgewaschen und freigelegt wurde? Etwas anderes können wir uns nicht vorstellen.

Ist so ein Fund als selten zu betrachten? Etwas gleichartiges haben wir danach nicht mehr gefunden, allerdings traten u.a. 10 Seeigel mit uns die Heimreise an.

Ach ja: Um welche Spezies handelt es sich? Hätt ich fast vergessen.

Gruß Kilo
« Letzte Änderung: 07 Apr 13, 08:33 von oliverOliver »

Offline doe

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Antw:Rätselhafte Schnecke
« Antwort #1 am: 04 Jul 10, 19:19 »
Hallo Michael,
die Schnecke hat da irgendwo gelebt und wurde im Tertiär (nicht Kreide) im Kies eingebettet..Sie sind robuster als sie aussehen,Bei Deiner ist der Ausguß und Teile der letzten Windung weg.Mach bitte mal noch ein Bild mit Maßstab von der Gegenseite wegen der Skulptur und der Gesamtform und stell das Teil bei "Steinkern" unter Tertiär ein,dort sind Spezis,die die Schnecke wahrscheinlich bis zur Fam.bestimmen können.
Gruß Günter

Offline triassammler

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Antw:Rätselhafte Schnecke
« Antwort #2 am: 05 Jul 10, 00:06 »
Hallo Michael,

vermutlich handelt es sich durchaus um ein Geschiebefossil, die Kiese sind schließlich quartär- und nicht tertiärzeitlich.
Es ist überhaupt nicht ungewöhnlich, dass sich Fossilien in Geschiebe erhalten - sie werden innerhalb des Eises, das sie transportiert, von dem sie umgebenden Sediment geschützt. Sofern man solche Fossilien isoliert (ohne Sedimentumhüllung) findet, sind sie anschließend eben im Lauf der Zeit daraus hervorgewittert.

Gruß,
Rainer

Offline doe

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Antw:Rätselhafte Schnecke
« Antwort #3 am: 05 Jul 10, 03:36 »
Hallo Rainer,
die Mecklenburger Brandenburger Fossilien sind meist aus der Olig/Mioz Nordseetangression und dort gebildet (Sternberger /Holsteiner Gestein) und liegen unter den eiszeitlichen Sanden,in Kiesgruben aufgeschlossen.Lose Muschel/Schneckenschilllagen mit Haizähnen usw sind nicht selten.Häufig sind die dickschaligen Arten Aporrhais,Glycymeris,Cyprina ,Dentalium (so hießen die zu meiner Zeit nach Hucke/Voigt) zu finden. Der Schneckenrest könnte eine A.sein.Warten wir mal auf die Rückseite.
Schönen Wochenanfang Günter

Offline Kilo

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Antw:Rätselhafte Schnecke
« Antwort #4 am: 06 Jul 10, 11:57 »
Hallo , hier nun die Rückseite der Schnecke mit und ohne Maßstab.
Mal gespannt, was dabei herauskommt.
Gruß Kilo

Freu mich schon auf 4 Wochen Schleswig-Holstein im September!

Offline doe

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Antw:Rätselhafte Schnecke
« Antwort #5 am: 06 Jul 10, 14:49 »
Hallo Michael,
beim Anblick des ersten Bildes dachte ich,die Dame hat brandungstechnisch eine schwere Jugend gehabt,da sie aber reversseitig auch völlig profillos (strukturlos) daherkommt,bin ich der Ansicht,daß es sich um eine "Baryspira sp."handeln könnte ?
Gruß Günter

Offline Kilo

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Re: Rätselhafte Schnecke
« Antwort #6 am: 08 Jul 10, 12:13 »
Hallo Günter,
Danke für die Antwort. Leider habe ich nicht die große Ahnung im Fossilienbereich, bin eigentlich eher bei den Mineralien zuhause. Da hat mich halt einfach mal besonders interessiert, wie diese Schnecke die ganzen Beeinträchtigungen überstanden haben könnte. Wenn man sich die ganzen anderen Fossilien ansieht, z.B. Seeigel und Austern, die ja nicht so fragil sind, dann wundert es einen schon, wieso die Schnecke einigermaßen heil geblieben ist.
Gruß Kilo

Offline doe

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Re: Rätselhafte Schnecke
« Antwort #7 am: 08 Jul 10, 13:09 »
Hi Michael,
das Schneckerl hatte es ja überstanden als sie vor ca 25 Mill.Jahren im Sand eingegraben wurde,mußte sich nur vor Säuren schützen und auf den Bagger warten.Die arme Kreideauster mußte rund 100 Mill.Jahre warten und dann eiszeitlicher Transport oder auswittern in der Ostseebrandung,beides ein auf,nein abreibendes Geschäft.So sehen viele Austern dann auch aus wie abgelutschte Kandis.
Gruß Günter

Offline triassammler

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Re: Rätselhafte Schnecke
« Antwort #8 am: 08 Jul 10, 14:35 »
Hallo,

Schneckengehäuse sind aufgrund ihrer Konstruktionsweise - natürlich je nach Gattung etwas unterschiedlich - an sich sehr stabile Gebilde. Die gewölbten Windungen verteilen punktuell auftretende Kräfte über eine große Fläche und schwächen sie somit stark ab. Zusätzlich wirkt die Spindel im Inneren des Gehäuses, die aus dem Verschmelzen der einzelnen Windungen entsteht, wie ein massiver Stützpfeiler. Bei berippten Formen liefern die Rippen (analog z. B. zu Wellpappe) eine zusätzliche Verstärkung. Das ganze gleicht sehr dem Bauprinzip gothischer Kathedralen, wo ja auch große Belastungskräfte dadurch entschärft werden, dass sie an zentralen Stellen aufgefangen und auf eine Vielzahl von Stützstrukturen und -pfeilern verteilt werden, wobei jede einzelne Stützstruktur für sich genommen durchaus recht filigran sein darf, solange es nur genügend davon gibt, dass sie in der Summe den Kräften standhalten.
(Woran man auch mal wieder sieht: Der Mensch kommt selten auf Ideen, die die Natur nicht schon vor ihm hatte...)

Seeigel: Die sind an sich recht fragil! Ich behaupte mal, im Vergleich zu Schnecken werden Seeigelgehäuse wesentlich seltener komplett überliefert. Hauptsächlich liegt dies daran, dass sie aus einzelnen Platten zusammengesetzt sind, deren Nähte ausgezeichnete Sollbruchstellen sind. Dem Seeigelgehäuse hilft aber auch seine Form: Ähnlich wie bei einer Schneckenwindung werden bis zu einem gewissen Ausmaß punktuell einwirkende Kräfte über die gesamte "Kugel"oberfläche verteilt und damit (hoffentlich, vom Standpunkt des Seeigels aus) unter ein kritisches Maß abgeschwächt. Genauso funktioniert das mit Eiern, deren Schale ja auch nicht so viel dünner ist als die der meisten Seeigel.

Und Austern: Die machen es sich einfach und zementieren einfach Schalenschicht über Schalenschicht, bis sie so massiv sind, dass sie kaum mehr kaputtbar sind. Die Schichtbauweise sorgt hier zusätzlich dafür, dass Kräfte besser verteilt und abgeschwächt werden, als es bei einer voll massiven Konstruktion der Fall wäre.

Gruß,
Rainer

 

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