Hallo,
Schneckengehäuse sind aufgrund ihrer Konstruktionsweise - natürlich je nach Gattung etwas unterschiedlich - an sich sehr stabile Gebilde. Die gewölbten Windungen verteilen punktuell auftretende Kräfte über eine große Fläche und schwächen sie somit stark ab. Zusätzlich wirkt die Spindel im Inneren des Gehäuses, die aus dem Verschmelzen der einzelnen Windungen entsteht, wie ein massiver Stützpfeiler. Bei berippten Formen liefern die Rippen (analog z. B. zu Wellpappe) eine zusätzliche Verstärkung. Das ganze gleicht sehr dem Bauprinzip gothischer Kathedralen, wo ja auch große Belastungskräfte dadurch entschärft werden, dass sie an zentralen Stellen aufgefangen und auf eine Vielzahl von Stützstrukturen und -pfeilern verteilt werden, wobei jede einzelne Stützstruktur für sich genommen durchaus recht filigran sein darf, solange es nur genügend davon gibt, dass sie in der Summe den Kräften standhalten.
(Woran man auch mal wieder sieht: Der Mensch kommt selten auf Ideen, die die Natur nicht schon vor ihm hatte...)
Seeigel: Die sind an sich recht fragil! Ich behaupte mal, im Vergleich zu Schnecken werden Seeigelgehäuse wesentlich seltener komplett überliefert. Hauptsächlich liegt dies daran, dass sie aus einzelnen Platten zusammengesetzt sind, deren Nähte ausgezeichnete Sollbruchstellen sind. Dem Seeigelgehäuse hilft aber auch seine Form: Ähnlich wie bei einer Schneckenwindung werden bis zu einem gewissen Ausmaß punktuell einwirkende Kräfte über die gesamte "Kugel"oberfläche verteilt und damit (hoffentlich, vom Standpunkt des Seeigels aus) unter ein kritisches Maß abgeschwächt. Genauso funktioniert das mit Eiern, deren Schale ja auch nicht so viel dünner ist als die der meisten Seeigel.
Und Austern: Die machen es sich einfach und zementieren einfach Schalenschicht über Schalenschicht, bis sie so massiv sind, dass sie kaum mehr kaputtbar sind. Die Schichtbauweise sorgt hier zusätzlich dafür, dass Kräfte besser verteilt und abgeschwächt werden, als es bei einer voll massiven Konstruktion der Fall wäre.
Gruß,
Rainer