Hallo P!
Nebenbei, ich habe hier selbstverständlich nicht alle meine Funde online gestellt. Ich habe zahlreiche komplett erhaltene Ammoniten gefunden, auch mehrere Platten mit ganzen "Ammonitengräbern", nur war die Bestimmung da ziemlich eindeutig. Die Sachen muss ich dann doch nicht hier ins Forum stellen.
Warum nicht? So als separater Thread, wäre doch ganz nett, wenn es außer fragwürdigen Ammonitenscherben auch noch was Komplettes aus Holzmaden im Forum zu sehen gäbe

Bleibt aber natürlich Dir überlassen.

Deine quasi wissenschaftliche Herangehensweise, nicht nur nach kompletten Exemplaren zu jagen, ehrt Dich, ist es doch das, was tatsächlich auch unscheinbare, aber sehr seltene Fossilien ans Tageslicht bringt. Nun ist es so, dass es im Holzmadener Posidonienschiefer die Anzahl seltener Arten sehr überschaubar ist. Die Gattungen Phylloceras, Lytoceras, Harpoceras, Hildoceras, Hildaites, Dactylioceras und wie sie alle heißen sind bei einem Steinbruchbesuch problemlos als Belege zu finden. Etwas umfassender wird es natürlich, wenn man alle beschriebenen Arten dieser Gattungen belegen möchte (man muss hier durchaus zwischen diesen beiden taxonomischen Hierarchien differenzieren). Während die Gattungen meist aufgrund von Skulpturmerkmalen, die schon Gehäusebruchstücke zeigen, identifizierbar sind (eine einigermaßen detaillierten Erhaltung vorausgesetzt), kommt es bei der Bestimmung auf Artebene auf Details an, die oft nur weitgehend komplette Gehäuse (oder mindestens vollständige Windungen) aufweisen, wie bspw. Nabelweite, Rippenanzahl pro Windung, ontogenetische Skulpturentwicklung, Windungshöhe, Gabelungsmodus von Rippen... Man kommt dann bei Fragmenten sehr schnell an die Grenze des Machbaren. Erschwerend kommt bei den Fossilien aus dem Posidonienschiefer noch hinzu, dass sie plattgedrückt vorliegen und damit - so optisch perfekt sie teilweise auch aussehen mögen - ggf. wesentliche Bestimmungsmerkmale nicht mehr sicht- oder messbar sind. Ihre für den Sammler schöne Erhaltung ist für den Systematiker also eher ein unbefriedigendes Handicap.
Von diesen Brachiopoden- oder Muschelfragmenten lagen im gesamten Bruch verstreut Teile herum. Da muss ja jemand/etwas die Teile sehr weit verstreut haben.
Ich war schon recht lange nicht mehr im Kromer-Bruch, erinnere mich aber, dass früher Oberjura-Schotter dort stellenweise als Drainageschicht und Füllmaterial eingebracht wurde. Ich nehme an, durch Abbau- und Sammlertätigkeit verstreute sich der Schotter mit der Zeit. Gerade weil der Kalk ziemlich oft Fossilien (Muscheln, Brachiopoden, Ammoniten, Belemniten) enthält, werden Stücke davon sicher gern von Besuchern des Steinbruchs aufgenommen und teilweise ein paar Meter weiter wieder weggeworfen.
Vergleiche mal mit den im Bruch tatsächlich anstehenden Schichten, und Du wirst feststellen, dass Du keine Entsprechung dazu findest.
Allerdings, so als Tipp: Direkt über dem Posidonienschiefer folgt in der Region eine Aufarbeitungsbrekzie des Lias zeta, die sehr reich an Belemniten und Ammoniten ist, allerdings meist nur fragmentarisch, immer wieder sind aber auch vollständige Exemplare vorhanden. Teile der Brekzie sind als feste, wulstige, gelbliche Kalklinsen ausgebildet, die innen und auf ihrer Oberfläche auch vollständige Fossilien enthalten. Auffällig an solchen Brocken sind oft mitunter tellergroße Lytoceraten (L. jurense), die leider meist in äußerst bescheidener Erhaltung vorliegen.
Diese Schicht wird zusammen mit weiterem Material aus den Lias zeta-Deckschichten während des Abbaus in den Schieferbrüchen auf Halde gekippt. Es lohnt sich, nach ihnen Ausschau zu halten. In gut abgeregnetem Material können auch kleine Muscheln, Schnecken, Seelilienstielglieder und, als Seltenheit, Nautilidenfragmente aufgelesen werden. Allerdings weiß ich nicht, ob der Steinbruch Kromer aktuell in Bereichen abbaut, wo Deckschichten des Lias zeta vorhanden sind.
Gruß,
Rainer