Hallo!
Nur bestimmte Webseiteninhalte zulassen kann doch heute wahrscheinlich jeder normale Browser, da bedarf es doch keiner Zusatzsoftware.
Ja, nur müssten ELTERN, die ihre ERZIEHUNGSPFLICHT ernst nehmen, dem Browser zuvor beibringen, welche Seiten das sein sollen. Dem Kind technisch nur zu erlauben, seine beliebtesten drei Lernspiel-Seiten und Wikipedia aufzurufen, ist kein Hexenwerk.
Da aber jeder, der eine primitive Programmiersprache wie VB beherrscht, mithilfe eines in seiner Entwicklungsumgebung mitgelieferten "nackten" Browsersteuerelements (es zeigt schlicht alles an, was man als URL hineinfüttert) einen völlig "enthemmten" Browser in buchstäblich nicht einmal einer Stunde programmieren kann, geht das völlig ins Leere. Wenn das Kiddie selbst nicht begabt genug dazu ist, schickt sicher ein Schulfreund gerne eine Mail mit entsprechendem Anhang...
Andersherum geht die deutsche, staatlich verordnete Selbstzensur auf der Anbieterseite auch absolut ins Leere. Dann wandert man eben mit dem Server ins Ausland ab und, wenn der pubertierende Nachwuchs seine Aufklärung plötzlich wirklich nicht mehr vor 23 Uhr auf einer in Deutschland gehosteten Seite findet, dann surft er eben rüber in die USA oder nach Asien.
Eine nationale Insellösung in einem grenzen- und uhrzeitlosen Konstrukt wie dem WWW implementieren zu wollen ist in etwa so, als wolle man den sauren Regen aus dem Nachbarland daran hindern, vom Wind über die Grenze getrieben zu werden. Ich kann über unsere Volksvertreter nur staunen/lachen/verzweifeln - hat man wirklich so wenig Ahnung vom technischen Hintergrund des WWW, oder will man einfach verzweifelt Gutmensch spielen?
Dass man sich jetzt plötzlich wundert, wie man selbst eine so unausgegorene Idee zur Abstimmung bringen wollte, passt ins Bild.
Hinter der Ankündigung pompöser technischer Jugenschutzmaßnahmen steckt die traurige Offenbarung, dass die Politik über Jahre die Familie als Raum, in dem eine derartige Behütung des Nachwuchses natürlicherweise stattfinden sollte, völlig vernachlässigt hat. Die Familien- und Erziehungspolitik hat einen gewaltigen Rückstand, und die gesamte Gesellschaft soll es nun ausbaden. Von an sich Unbeteiligten (den Betreibern jugendfreier Websites, die sich das auch nicht extra zertifizieren lassen müssen) fordert man nun Solidarität und Verständnis ein... Es läuft daraus hinaus, dass Unbeteiligte zu etwas gezwungen werden, was sie weder provoziert haben, noch was sie betrifft.
Ich kenne da so ein Land, in dem ich eine Weile gelebt habe, das seine Bürger in allen Bereichen des Lebens vor sich selbst zu schützen versucht... und ich weiß, warum ich da wieder meine Koffer gepackt habe!
Gruß,
Rainer