Hallo
für die, die es unter Umständen interessiert, nochmal ein Abriss aus dem bereits 2008 im Atlas erschienenen (aber wohl kaum beachteten) Mineralienportrait/Schwefel zum Thema Kawah Ijen- mit sehr schönen Fotos von Peter van Luijk. So' n ausführlichen Bericht und so schöne Bilder hat sonst niemand im web.
Einige der Gasmasken auf den Fotos dürfte noch von mir sein; wir haben beim letzten Einstieg ins Höllentor an die 10 Stück verschenkt; ob diese Masken jedoch SO2-Dämpfen lange widerstehen, das hat wohl der Hersteller nei getestet und weiß wohl niemand und Austauschfilter gibts dort bestimmt nicht. Bevor wir diese Gasmasken mitbrachten, haben sich die Arbeiter nur mit feuchten Tüchern vor Nase und Mund geschützt; das hatte den Vorteil, dass man dazwischen noch eine Zigarette schieben konnte.
Gruß
collector
Kawah Ijen - Das Tor zur Hölle
Der Ijen Vulkankomplex am östlichen Ende von Java wird aus einer Gruppe kleiner Stratovulkane innerhalb der 20 km breiten Ijen (Kendeng) Caldera gebildet, an deren südöstlichem Ende sich der 2.799 m hohe Stratovulkan Gunung Merapi erhebt. Westlich des Merapi liegt der Vulkan Kawah Ijen mit seinem ca. 1 km breiten türkisblauen Säuresee, an dessen Rand am Kraterinneren der täglich neu entstehende Schwefel gebrochen und durch Träger mittels Körben transportiert wird. Neben dem Kawah Ijen gibt es noch mehrere post-Caldera-Krater in der Caldera oder auf deren Rand. Außerhalb des Kawah Ijen-Vulkans, aber noch innerhalb der Caldera, wurden ausgedehnte Kaffeeplantagen angelegt. Die Caldera mit ihren Wasserfällen, heißen Quellen und dramatischen vulkanischen Szenen ist exotisch-atemberaubend. Der Calderarand ist ca. 2.368 m hoch, der Kratersee liegt auf einer Höhe von 1.248 m. Das 36 Mio. Kubikmeter ätzende Gemisch des Sees, bestehend aus Wasser, Schwefel- und Salzsäure, ist heiß und ist je nach vulkanischer Aktivität unterschiedlich stark schweflig- und salzsauer. Es passiert recht häufig, dass der See gewaltige Säurefontainen oder Gasblasen mit Schwefel- oder explosivem Chlordioxid ausstößt, was für Lebewesen, die sich zu diesem Zeitpunkt im Krater befinden, tödlich ist. In der Vergangenheit starben mehrere Dutzend Bergarbeiter durch diese Säure- und Gaseruptionen.
Der fumarolisch bei ca. 220 - 300 °C gebildete Schwefel wird am Ufer des Sees gebrochen. Bedingt durch ständige Gasausbrüche und die ätzenden Dämpfe der Fumarolen ist die Arbeit grausam. Es gibt weder Sicherheitsvorkehrungen, noch haben die Arbeiter im Krater geeignete Schuhe und Kleidung. Anstelle von Gasmasken werden feuchte, zwischen die Zähne geklemmte Baumwolltücher benutzt. Bedingt durch die Dämpfe und Gase, leiden die Schwefelarbeiter an Erkrankungen der Atemwege wie chronischer Bronchitis, Lungenemphysemen und Asthma, an Augenentzündungen und an Verbrennungen.
Meist ausgemergelte, jedoch sehnige Schwefelträger mit durchschnittlich nur etwa 1,60 m Größe und max. 55 kg Körpergewicht tragen je nach Konstitution zwischen 50 bis 100 kg des frisch gebrochenen Minerals in zwei Bambuskörben, welche an einem Joch befestigt sind. Die Männer treten um ein Uhr nachts ihren langen täglichen Arbeitsweg an, bis sie vier Stunden später den Kraterrand erreicht haben und anschließend noch einen ca. 1 km langen steilen und unwegsamen Trampelpfad bis an den Rand des Sees im Kraterinneren bewältigen müssen. Dort, wo der Vulkan täglich bis zu 10 t Schwefel aus seinen Fumarolen ausstößt, wird das frisch gebildete Mineral in bis zu einem halben Meter großen Brocken abgehackt und in Körbe gepackt. Vollbeladen kehren die Schwefelträger den langen Weg zurück. Zunächst müssen sie wieder etwa dreihundert Meter über ein unwegsames Labyrinth aus Geröll und Gesteinsbrocken an der inneren Kraterwand hochklettern um dann auf der äußeren Kraterseite etwa 5 km bis zur Sammelstelle in der Siedlung Licin abzusteigen. Mit dem Schwefel angekommen, wird dieser gewogen und der Träger nach abgeliefertem Gewicht bezahlt (ca. 3 Cent pro kg). Da nicht wenige der Träger diese Sklaventour zweimal am Tag machen, können sie so auf einen Tagesverdienst von etwa 5 Euro kommen.
Trotz der menschenfeindlichen Bedingungen ist die Arbeit als Schwefelträger begehrt. Um als Träger einen zeitlich limitierten Arbeitsvertrag zu bekommen, muss der Anfänger eine Prüfung bestehen, indem er dreimal eine Last von 40 kg aus dem Krater schleppt. Will er fest arbeiten, muss er seine Leistung auf 60 kg steigern.
Der rohe Schwefel wird in einer kleinen Raffinerie von mechanischen Fremdteilen gereinigt, d.h., eingeschmolzen, gefiltert und über eine wasserüberspülte Betonfläche gegosen, wo er zu einer mehrere Zentimeter dicken Schicht erstarrt. Dieser raffinierte Schwefel wird zu grobem Pulver verstoßen und für den Verkauf in Säcke verpackt. Der größte Teil des Kawah Ijen-Schwefels wird zum Bleichen von Rohrzucker verwendet, aber auch die Gummi-, Pharma- und chemische Industrie sind Abnehmer.
(Anmerkung des Autors Peter Seroka: Unser letzter Besuch des Kawah Ijen im Januar 2006 fand an einem der seit 20 Jahren stärksten tropischen Regentage statt, sodass an Fotografieren nicht gedacht werden konnte. Die Sicht beim frühen Aufstieg auf den Krater war noch zufriedenstellend, beim Abstieg in den Krater und bei dem anschließenden Rückweg durch Urwaldpisten sind wir jedoch mehr geschwommen als gelaufen. Selbst die Schwefelträger haben ihre Körbe abgestellt und unter einem Blätterdach Schutz gesucht. Deshalb großen Dank an Peter van Luijk, der an einem schöneren Tag fotografierte und seine Bilder für dieses Mineralienportrait zur Verfügung stellte.)