Die meisten Mineralien sind Aggregate schlecht oder undeutlich ausgebildeter Kristalle. Selbst massive und feinkörnige Mineralien sind unter dem Mikroskop kristallin.
AGGREGATE
1. Sind (von der Definition her) zusammengefügte Mineralgemenge oder Mischungen miteinander verwachsener Kristallkörner, welche sich durch Kristallisation aus einer Lösung oder beim Erstarren einer Schmelze bilden.
2. Die beiden wichtigsten Aggregate sind einmal die kristallinen und zweitens die kolloiden Aggregate.
3. Die Haupttypen der Mineralaggregate sind:
a) Körnig-kristalline Aggregate
Wenn einzelne Bestandteile eines kristallinen Aggregates keine sichtbare Kristallform haben, bzw. equidimensional sind, bezeichnet man ein Mineral als körnig. Es werden grob-, mittel- und feinkörnige Aggregate unterschieden.
Sind die Körner mit blossem Auge nicht erkennbar, wird das Mineral als derb oder kompakt bezeichnet. Wenn einzelne Körner mit dem Mikroskop erkennbar sind, ist das Mineral mikrokristallin; sind die einzelnen Körner noch kleiner, bezeichnet man das Mineral als kryptokristallin.
Grundsätzlich ist die Form der Körner ausschlaggebend für die morphologischen Besonderheiten der Aggregate.
Diese bestehen aus Kristallkörnern, zwischen denen manchmal gut ausgebildete Kristalle irgendwelcher Minerale liegen.
Die am häufigsten in der Erdkruste vorkommenden Aggregate sind kristalline magmatische Gesteine sowie die meisten metallischen und nichtmetallischen Erze.
Wenn die Körner plattenförmige (laminae) Gestalt haben, so bezeichnet man diese Aggregate, je nach Grösse. als schuppig, blättrig (lamellar). Die individuellen Platten sind im allgemeinen parallel, können aber auch um ein gemeinsames Zentrum gebogen sein und konzentrische Formen bilden. Wenn die Platten dünn und trennbar sind, bezeichnet man die Aggregate als
blättrig oder schieferig. Wenn ein Mineral aus kleinen Schuppen besteht, wird es als glimmerartig bezeichnet.
Beispiele: Calcit und Gips (rosettenartig), Glimmer (charakteristisch glimmerartig),Talk und manche Hämatitaggregate (schuppig),
Aggregate mit einer in eine Richtung gestreckten Form bezeichnet man als nadelförmige, leistenförmige, säulenförmige, stenglige, fasrige; in Gruppen auftretende länglich angeordnete Kristalle sind radialstrahlig, Büschel oder Garben (acicular).
Beispiele: Natrolith (nadlig), Erythrin (leistenförmig), Turmalin (säulenförmig), Stibnit, Gips, Pektolith, PYrit, Wavellit (radialstrahlig),
b) Stufen und Drusen
Verwachsungen gut ausgebildeter Kristalle, bzw. mehrere einzelne freie Kristalle, welche sich an den Wänden von Hohlräumen oder Drusen/Geoden gebildet haben, nennt man Stufen. Dazu gehören besonders Quarze sowie alle gut ausgebildeten Kristalle, welche sich in einem freien Raum bilden konnten.
Mineralbildungen, in denen die Kristalle bei enger gegenseitiger Berührung mehr oder weniger parallel zueinander gestreckt sind, nennt man kammartig oder bürstenförmige Aggregate.
Kristallkrusten, Kristallrasen und Kristalltapeten bilden sich durch kleine, meist eng und dicht verwachsene Kristalle, welche sich unter beschränkten Raumverhältnissen entwickelt haben.
Die Begriffe Druse und Geode werden nicht selten synonym angewandt.
c) Sekretionen
Bilden sich durch Ausfüllung unregelmässiger Hohlräume mit kristallinem oder kolloidem Material. Typische Sekretionen sind konzentrische Schichten, welche sich in Farbe und Zusammensetzung unterscheiden können.
Kleine Sekretionen bezeichnet man als Geoden oder Mandeln.
d) Konkretionen
sind meist kuglige, bzw. botryoidale Gebilde von nicht ganz regelmässiger Form, welche sich in Sedimenten bilden.(Tone, Sande, etc.)
Beispiele: Phosphorit
e) Oolithe / Sphärolithe
Sind ähnlich wie Konkretionen (kuglig, nierig, botryoidal, rogenartig, opalähnlich, aber auch schalig), aber meist von geringer Grösse, welche in wässrigen Medien um aufgewirbelte Fremdkörper entstehen. Botryoidale Massen können oft fasrig sein, bzw. haben meist einen schalenförmigen Aufbau und eine regelmässige konzentrische Schichtung. Grössere Oolithe bezeichnet man als pisolitisch.
Beispiel: Calcit, Aragonit (Erbsensteine von Karlsbad), Bauxit).
f) Fliessformen
entstehen aus Kolloiden (Gelen), finden sich analog zu den Kristallstufen in Hohlräumen und bilden stalaktitische, trauben- oder knospenförmige, knollige, warzige, wulstige, glaskopfartige Aggregate. (Kollomorphe Aggregate)
Beispiele: Stalaktiten von Calcit und Aragonit, Limonit, Hämatit als Glaskopf, Psilomelan, Coronadit, Opal, Malachit, Gips, Fluorit, versch. Metallsulfide etc. Manche Stalaktiten sind gekrümmt, gedreht und gebogen. Solche Aggregate bezeichnet man als heliktitisch oder koralloid(al).
Im weiteren Sinne stehen hier auch die sehr seltenen wurmförmigen (vermikular) und perlschnurartigen Aggregate
g) Skelette (Hopper) und Dendriten
Skelette selbst sind keine eigentlichen Aggregate, sondern Kristalle, welche sich infolge schnellen Kanten- und Eckenwachstums bilden, wobei die Flächen nicht vollständig ausgebildet, resp. ausgespart sind. Die bekanntesten skelettartigen Aggregate sind Skelettgerüste, Nadeln, hohle Kristalle und Skelettkristalle, welche manchmal Dendriten bilden können.
Dendriten bilden sich aus mineralhaltigen Lösungen und Gasen, welche durch Kapillerwirkung in Gesteinsspalten eindringen, bzw. sich auf Flächern ablagern. Sie können auch durch Ausscheidung im festen Zustand entstehen. Im weiteren Sinne gehören hierzu auch die Liesegang`schen Ringe.
Beispiele: Fluorit, Pyrit (Skelette), Mn-oxide, Fe-Hydroxide in und auf Kalk- und Sandsteinen, Silber, Kupfer, Gold (Dendriten).
h) Kapillaraggregate / Röhren
Seltene Aggregatsform, bei der das Kristallwachstum dadurch bedingt ist, dass die übersättigte Lösung die versorgung des Kristalls mit Nährsubstanz durch Kapillarkanäle vollzieht. Nach Abschlus der Aggregatbildung ( bedingt durch Störung bei der Zufuhr von Nährlösung, bzw. durch einschränkende Verhältnisse (Mineralinfarkt) bleiben die Kapillaren (Röhren) erhalten.
Beispiel: Seltene Kapillarfluorite aus Mexico und China sowie Halit.
i) Krusten, Anflüge und Beschläge
sind dünne Überdeckungen eines anderen Aggregates. (i.d.R. Rinden, die bei Verwitterung entstehen .e.g. Ni-silikate, Mn- und Fe-hidroxide)
j) Weitere Aggregatsformen.
- Ausblühungen ( Flaumartig-blütenähnlich, samtig-pelzig, oft hauchdünn )
- Erdige und amorphe Massen
Ich hoffe, diese kurze Einführung hilft Dir weiter.
gruss
collector