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Autor Thema: Defintion der Kristallmenge  (Gelesen 17502 mal)

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Offline Philip Blümner

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Defintion der Kristallmenge
« am: 10 Dec 04, 11:43 »
Hallo!
Beim Durchlesen des Lexikons bin ich auf "Aggregat" gestoßen. Das ist eine Gruppe
von Kristallen, die faserig, radialstrahlig, nierig, etc. auftreten können.

Was definiert einen Kristall beispielsweise bei nieriger, traubiger (botryoidaler) Aus-
bildung, zb. beim Glaskopf? Ist das alles ein Kristall?

Gruß
slugslayer

Offline Collector

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Re: Defintion der Kristallmenge
« Antwort #1 am: 10 Dec 04, 15:56 »
Die meisten Mineralien sind Aggregate schlecht oder undeutlich ausgebildeter Kristalle. Selbst massive und feinkörnige Mineralien sind unter dem Mikroskop kristallin.

AGGREGATE

1. Sind (von der Definition her) zusammengefügte Mineralgemenge oder Mischungen miteinander verwachsener Kristallkörner, welche sich durch Kristallisation aus einer Lösung oder beim Erstarren einer Schmelze bilden.

2. Die beiden wichtigsten Aggregate sind einmal die kristallinen und zweitens die kolloiden  Aggregate.

3. Die Haupttypen der Mineralaggregate sind:

a) Körnig-kristalline Aggregate

Wenn einzelne Bestandteile eines kristallinen Aggregates keine sichtbare Kristallform haben, bzw. equidimensional sind, bezeichnet man ein Mineral als körnig. Es werden grob-, mittel- und feinkörnige Aggregate unterschieden.
Sind die Körner mit blossem Auge nicht erkennbar, wird das Mineral als derb oder kompakt bezeichnet. Wenn einzelne Körner mit dem Mikroskop erkennbar sind, ist das Mineral mikrokristallin; sind die einzelnen Körner noch kleiner, bezeichnet man das Mineral als kryptokristallin.

Grundsätzlich ist die Form der Körner ausschlaggebend für die morphologischen Besonderheiten der Aggregate.

Diese bestehen aus Kristallkörnern, zwischen denen manchmal gut ausgebildete Kristalle irgendwelcher Minerale liegen.
Die am häufigsten in der Erdkruste vorkommenden Aggregate sind kristalline magmatische Gesteine sowie die meisten metallischen und nichtmetallischen Erze.

Wenn die Körner plattenförmige (laminae) Gestalt haben, so bezeichnet man diese Aggregate, je nach Grösse. als schuppig, blättrig (lamellar). Die individuellen Platten sind im allgemeinen parallel, können aber auch um ein gemeinsames Zentrum gebogen sein und konzentrische Formen bilden. Wenn die Platten dünn und trennbar sind, bezeichnet man die Aggregate als
blättrig oder schieferig. Wenn ein Mineral aus kleinen Schuppen besteht, wird es als glimmerartig bezeichnet.
Beispiele: Calcit und Gips (rosettenartig), Glimmer (charakteristisch glimmerartig),Talk und manche Hämatitaggregate (schuppig),

Aggregate  mit einer in eine Richtung gestreckten Form bezeichnet man als nadelförmige, leistenförmige, säulenförmige, stenglige, fasrige; in Gruppen auftretende länglich angeordnete Kristalle sind radialstrahlig, Büschel oder Garben (acicular).
Beispiele: Natrolith (nadlig), Erythrin (leistenförmig), Turmalin (säulenförmig), Stibnit, Gips, Pektolith, PYrit, Wavellit (radialstrahlig),

b) Stufen und Drusen

Verwachsungen gut ausgebildeter Kristalle, bzw. mehrere einzelne freie Kristalle, welche sich an den Wänden von Hohlräumen oder Drusen/Geoden gebildet haben, nennt man Stufen. Dazu gehören besonders Quarze sowie alle gut ausgebildeten Kristalle, welche sich in einem freien Raum bilden konnten.
Mineralbildungen, in denen die Kristalle bei enger gegenseitiger Berührung mehr oder weniger parallel zueinander gestreckt sind, nennt man kammartig oder bürstenförmige Aggregate.

Kristallkrusten, Kristallrasen und Kristalltapeten bilden sich durch kleine, meist eng und dicht verwachsene Kristalle, welche sich unter beschränkten Raumverhältnissen entwickelt haben.

Die Begriffe Druse und Geode werden nicht selten synonym angewandt.

c) Sekretionen

Bilden sich durch Ausfüllung unregelmässiger Hohlräume mit kristallinem oder kolloidem Material. Typische Sekretionen sind konzentrische Schichten, welche sich in Farbe und Zusammensetzung unterscheiden können.
Kleine Sekretionen bezeichnet man als Geoden oder Mandeln.

d) Konkretionen

sind meist kuglige, bzw. botryoidale Gebilde von nicht ganz regelmässiger Form, welche sich in Sedimenten bilden.(Tone, Sande, etc.)
Beispiele:  Phosphorit

e) Oolithe / Sphärolithe

Sind ähnlich wie Konkretionen (kuglig, nierig, botryoidal, rogenartig, opalähnlich, aber auch schalig), aber meist von geringer Grösse, welche in wässrigen Medien um aufgewirbelte Fremdkörper entstehen. Botryoidale Massen können oft fasrig sein, bzw. haben meist einen schalenförmigen Aufbau und eine regelmässige konzentrische Schichtung. Grössere Oolithe bezeichnet man als pisolitisch.
Beispiel: Calcit, Aragonit (Erbsensteine von Karlsbad), Bauxit).

f) Fliessformen

entstehen aus Kolloiden (Gelen), finden sich analog zu den Kristallstufen in Hohlräumen und bilden stalaktitische, trauben- oder knospenförmige, knollige, warzige, wulstige, glaskopfartige Aggregate. (Kollomorphe Aggregate)
Beispiele: Stalaktiten von Calcit und Aragonit, Limonit,  Hämatit als Glaskopf, Psilomelan, Coronadit, Opal, Malachit, Gips, Fluorit, versch. Metallsulfide etc. Manche Stalaktiten sind gekrümmt, gedreht und gebogen. Solche Aggregate bezeichnet man als heliktitisch oder koralloid(al).
Im weiteren Sinne stehen hier auch die sehr seltenen wurmförmigen (vermikular) und perlschnurartigen Aggregate

g) Skelette (Hopper) und Dendriten

Skelette selbst sind keine eigentlichen Aggregate, sondern Kristalle, welche sich infolge schnellen Kanten- und Eckenwachstums bilden, wobei die Flächen nicht vollständig ausgebildet, resp. ausgespart sind. Die bekanntesten skelettartigen Aggregate sind Skelettgerüste, Nadeln, hohle Kristalle und Skelettkristalle, welche manchmal Dendriten bilden können.
Dendriten bilden sich aus mineralhaltigen Lösungen und Gasen, welche durch Kapillerwirkung in Gesteinsspalten eindringen, bzw. sich auf Flächern ablagern. Sie können auch durch Ausscheidung im festen Zustand entstehen. Im weiteren Sinne gehören hierzu auch die Liesegang`schen Ringe.
Beispiele: Fluorit, Pyrit (Skelette), Mn-oxide, Fe-Hydroxide in und auf Kalk- und Sandsteinen, Silber, Kupfer, Gold (Dendriten).

h) Kapillaraggregate / Röhren

Seltene Aggregatsform, bei der das Kristallwachstum dadurch bedingt ist, dass die übersättigte Lösung die versorgung des Kristalls mit Nährsubstanz durch Kapillarkanäle vollzieht. Nach Abschlus der Aggregatbildung ( bedingt durch Störung bei der Zufuhr von Nährlösung, bzw. durch einschränkende Verhältnisse (Mineralinfarkt) bleiben die Kapillaren (Röhren) erhalten.
Beispiel: Seltene Kapillarfluorite aus Mexico und China sowie Halit.

i) Krusten, Anflüge und Beschläge

sind dünne Überdeckungen eines anderen Aggregates. (i.d.R. Rinden, die bei Verwitterung entstehen .e.g. Ni-silikate, Mn- und Fe-hidroxide)

j) Weitere Aggregatsformen.

- Ausblühungen ( Flaumartig-blütenähnlich, samtig-pelzig, oft hauchdünn )

- Erdige und amorphe Massen


Ich hoffe, diese kurze Einführung hilft Dir weiter.

gruss
collector



« Letzte Änderung: 11 Dec 04, 07:13 von Collector »

Offline uwe

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Re: Defintion der Kristallmenge
« Antwort #2 am: 10 Dec 04, 16:00 »
Kompliment Collector,

Deine Beiträge sind immer sehr interessant und informativ.

Gruß
Uwe


Offline Collector

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Re: Defintion der Kristallmenge
« Antwort #3 am: 10 Dec 04, 16:56 »
Hallo Uwe,

danke für Deine nette Bemerkung. Tut auch mal gut, gestreichelt zu werden.

Ich mag`s überhaupt nicht, wenn einer Wissen für sich selbst behält und bin überzeugt, dass gerade die Weitergabe von Kenntnissen und Erfahrungen unser gemeinsames Hobby so liebenswert und spannend macht.

ich hab noch ne ganze Menge mehr auf Lager. Aber - peu a peu.

Schönes Wochenende
collector

Offline Schluchti

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Re: Defintion der Kristallmenge
« Antwort #4 am: 10 Dec 04, 18:51 »
Sehr interessant, Collector! Klasse, wieder was gelernt!  :)

So macht das Spaß!

Offline Schatten

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Re: Defintion der Kristallmenge
« Antwort #5 am: 10 Dec 04, 21:30 »
hallo Collector,

 ;D Achtung Anschlag...  ;D ..das sieht im Atlas bestimmt so richtig gut aus...oder?

Wie immer...wenn Du Hilfe brauchst schrei einfach hierhin  :P  :D





Grüße vom Schatten

Offline Collector

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Re: Defintion der Kristallmenge
« Antwort #6 am: 11 Dec 04, 07:23 »
Hallo Silvio

wär angebracht, diese Abhandlung unter das Stichwort Aggregate in den Atlas zu stellen. Kannst Du das machen ?
(wär ja schade, wenn diese gerade für Sammler relevante Information irgendwann im Forum verlorengeht).


Achtung:
Im Atlas steht ja unter Aggregate schon was drin. Das ist jedoch wischiwaschi und hat kaum oder keinen Bezug zum Begriff des " mineralogischen Aggregats ".
Da es jedoch bereits einen Autor / Verfasser zu diesem Stichwort gab, muss man den nicht erst fragen, ob man den Text ändern kann ?

Um das ganze noch ein bisschen professioneller zu machen, hab ich die Abhandlung editiert. Muss bei Übertragung nur der darunterstehende Gruss an slugslayer entfernt werden.

gruss
collector

P.S.

wenn ich Dich schon hab ......
kannst Du im Atlas unter Fundstellen folgende Titel neu einstellen :

Land: Spanien
Katalonien/Llanca
Madrid/Puerto de Somosierra

Danke

Offline Schatten

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Re: Defintion der Kristallmenge
« Antwort #7 am: 11 Dec 04, 07:44 »
Morjen Collector,

so..habe dann mal fertig.
Bei optischen Veränderungen..tue Dir bitte keinen Zwang an....habe es erstmal 1:1 übernommen.

Den Fundort
Land: Spanien
Katalonien/Llanca habe ich eingebaut der andere Madrid/Puerto de Somosierra war schon da.

Auf weitere gute Teamarbeit  :D

Grüße vom
Schatten

Offline Philip Blümner

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Re: Defintion der Kristallmenge
« Antwort #8 am: 11 Dec 04, 12:15 »
Hallo Peter C

So, jetzt kam ich dazu, es mal durchzulesen. Vielen Dank. Sehr ausführlich.   ;D




Offline Collector

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Re: Defintion der Kristallmenge
« Antwort #9 am: 11 Dec 04, 19:00 »
Hallo Stefan


Aggregate

danke für die ausgezeichnete systematische und optische Darstellung. Man kann sehen, es hat Dir Spass gemacht.

collector

Offline Stefan

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Re: Defintion der Kristallmenge
« Antwort #10 am: 12 Dec 04, 00:35 »
Ja das hat es, bin aber noch nicht ganz durch   :)

Guter, sehr umfangreicher Beitrag. Solche Beiträge werten unser Lexikon auf. :o

Jetzt noch ein paar kleine Bildchen zu den einzelnen Aggregaten und die Sache wäre noch etwas bunter. Mal sehen ob sich noch was schönes findet. Dürfen nur nicht so groß sein.

Gruß Stefan :D

Offline Schatten

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Re: Defintion der Kristallmenge
« Antwort #11 am: 12 Dec 04, 06:22 »
Morjen Stefan,

so sieht das Ganze natürlich wesentlich beser aus  :D ...ich brauch irgendwoher ma bisserl mehr Zeit..

..hatt wer welche über  :P  :-\

@Collector

wirklich ne schöne runde Sache...danke für deine investierte Zeit  :)


Grüße vom Schatten

Offline Collector

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Re: Defintion der Kristallmenge
« Antwort #12 am: 12 Dec 04, 11:05 »
Aggregate - Bilder

Hallo Stefan

ich bin noch immer nicht in der Lage, eigene Bilder in den Atlas zu stellen (ab einem gewissen Punkt scheitere ich). Daher hänge ich jetzt ein paar typische Aggregate aus meiner eigenen Sammlung als Anlage hier an, mit der Bitte, diese in den Atlas-Begriffe-Aggregat-zu übertragen.

Bilder zu all den anderen Aggregatsformen habe ich nicht. Vielleicht ist der eine oder andere bereit, dafür Aufnahmen bereitzustellen ? Wär schön !

Die beiliegenden Bilder sind (nach Aggregatsform in der Folge der Systematik)

Stufe
Galenit mit Quarz (Dal`negorsk, Russland)

Radialstrahlig:
Antimonit (Rumänien)
Epidot (Peru)
Heulandit(Indien)

Nadlig
Antimonit (Baia Sprie, Rumänien)

Stenglig
Rubellit (Malchany, Russland)

Säulig
Andalusit (Lusens, Tirol)

Blättrig:
Charoit (Murun, Russland)

Sphärolithe:
Prehnit (Namibia)

Fliessformen:
Coronadit (Aouli, Marokko)
Aragonit(korralloidal, Steiermark)

Dendritisch:
Gold (Eagles Nest, USA)

Röhren:
Fluorit /Hunan, China)

Da nur 4 Bilder angehängt werden könne, sind die weiteren 4 in der folgenden Antowrt

Gruss
collector

« Letzte Änderung: 15 Dec 04, 09:58 von Collector »

Offline Collector

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Re: Defintion der Kristallmenge
« Antwort #13 am: 12 Dec 04, 11:15 »
Stefan

hier die nächsten 2 Bilder zu Aggregaten

collector

Offline Collector

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Re: Defintion der Kristallmenge
« Antwort #14 am: 12 Dec 04, 11:24 »
Stefan

nach 3 Abstürzen nun die letzten 2 Bilder von insgesamt 8 (zu Atlas / Aggregat )