Gesteine / Rocks / Rocas > Meteorite, extraterrestrische Geologie / Extraterrestrial Geology

Meteorit

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Jochen1Knochen:
http://www.jgr-apolda.eu/index.php?topic=6072.msg76823#msg76823
Hallo!
Die Mets diskutieren über einen Meteoritenfall am 8.1. in Süddeutschland.Eventuell hat ja auch unter unseren Mitgliedern und Gästen etwas beobachtet ,was Ihnen helfen würde,diesen Fall in Deutschland zu finden.
Gruß Jens

Jochen1Knochen:
Hallo!
Schade ! Gefunden haben sie nichts,jedenfalls noch nicht!
Aber mal eine Frage!Rosten Meteoriten eigentlich wirklich so schnell weg?
Gruß Jens

Mineralroli:
Hallo Jens

--- Zitat ---Rosten Meteoriten eigentlich wirklich so schnell weg?
--- Ende Zitat ---
Eigentlich nicht wegen des hohen Nickelgehalts von 6-7 % bzw. ist mir nicht bekannt das sowas schnell gehen soll.
Meiner 200g  (Schrapnell) aus dem Sikhote Alin Geb. ist zwar rostig aber konstant ohne weitere Zuwächse in den letzten 15 Jahren.

cmd.powell:
Extrem Unterschiedlich. Was bei den Meteoriten rostet, ist meistens nicht das Eisen/Nickel, sodern der Troilit, FeS ! In reinen Eisenmeteoriten ist oft kein oder kaum Troilit vorhanden, da diese sich besser entmischen konnten. Schlimmer sind da die Stein/Eisen-Meteoriten oder eisenhaltige Steinmeteorite, die sind reich an Troilit und ähnlichen leicht "verderblichen" Mineralen und rotten daher gerne mal dahin. Ich hab einen Stein-Eisen-Meteoriten von, ja von wo eigentlich, hm, müsste ich nachschlagen, ist auch egal. Auf jeden Fall bilden sich bei dem Stück innerhalb von rund 24 Stunden auf den Eisen-Troiliteinschlüssen kleine Rösthäubchen, die auch sehr unangenehm nässen. Denn kann ich nur im Exsiccator über Silikagel lagern.
Ansonsten setzen die gesägten und polierten Meteoritenscheiben, die dann nachträglich noch geätzt wurden und die Widmannstädtschen Figuren sichtbar zu machen, ohne weiter Behandlung oft Flugrost an. Die gesägten Stücke, die man auf Börsen etc. kaufen kann, sind daher in der Regel mit Zapponlack o.ä. behandelt.
Hat man einen ungesägten Meteoriten, der sozusagen noch in Orginal "Durch-die-Atmosphäre-Flug-Form" ist, so sind die Troilite Oberflächlich ausgebrannt und der restliche Meteorit von einer Schmelzschicht geschützt, so das die meistens - zumindestens in den Sammlungen - nicht weiter rosten, in der freien Natur natürlich schon.

stollentroll:
Zum Rosten braucht es erst einmal Sauerstoff und Wasser (die normale Luftfeuchtigkeit reicht), das ist trivial und allgemein bekannt. Aber es kommt noch ein Punkt hinzu, und der stellt das Hauptproblem dar: Chlor. Das Chlor kann aus dem umgebenden Boden aufgenommen werden. Durch Reaktion mit Eisen aus dem metallischen Eisen und Troilit entstehen dann hygroskopische Eisenchloride, und die sind für das Nässen verantwortlich. Dabei ist es erst einmal unerheblich, ob es sich um einen Eisenmeteoriten, Stein-Eisen-Meteoriten oder Steinmeteoriten handelt (solange Eisen oder Troilit vorhanden ist). Zunächst bildet sich Eisen(II)-Chlorid (grüner Lawrencit). Das zweiwertige Eisen kann weiter oxidieren, dann entstehen Eisen(III)-Chlorid (gelblicher bis brauner Molysit) und Eisenhydroxide. Bei der Bildung von Eisenhydroxid wird wieder Chlorid frei und führt zu weiterer Zersetzung. Oft wird auch das Eisen(II) gleich in der Lösung zum Eisen(III) oxidiert, so dass Lawrencit nicht immer zu beobachten ist.
Es gibt Eisenmeteorite, die sind recht stabil, z.B. Gibeon oder Sikhote Alin, und es gibt welche, die sind sehr rostanfällig, z.B. Morasko oder Dronino. Auch ein hoher Nickelgehalt, wie im Fall bei Dronino, schützt hier nicht.
Stein-Eisen-Meteorite, also Pallasite oder Mesosiderite, enthalten üblicherweise nur wenig Troilit, siehe z.B. hier:
http://tw.strahlen.org/fotoatlas1/meteorite_steineisen.html
Aber auch hier gibt es welche, die sehr leicht rosten (z.B. Brahin oder Brenham) und andere, die sehr stabil sind.

Prinzipiell hängt die Rostanfälligkeit auch noch von dem konkreten Stück, der Präparation und den Aufbewahrungsbedingungen ab.
Eine Lackierung kann schützen, nur muss der Lack durchgehend sein und darf keine Beschädigungen aufweisen. Ansonsten kann doch Feuchtigkeit unter den Lack gelangen und den Zerfall sogar noch beschleunigen. Die Stücke auf Börsen sind meist unlackiert, da viele Sammler eine Lackierung aus ästhetischen Gründen ablehnen.
Problematische Stücke kann man auch mit Öl behandeln, ich habe gute Erfahrungen mit Silikonöl gemacht.
Ansonsten sollte man die Stücken in verschlossenen Dosen (z.B. mit Klebestreifen zugeklebt) über Silikagel aufbewahren, aber nicht im direkten Kontakt mit dem Gel. Von Zeit zu Zeit sollte man das Gel mal wechseln.

Glück Auf
Thomas

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