Hallo Zusammen
Wow, nach einem Tag Abstinenz bin ich erfreut, so viele Stimmen und Meinungen zu lesen. Viele der angesprochenen Punkte sind mir vertraut und auch viele Probleme kommen mir bekannt vor. Auch was die Zukunft von Vereinen im Allgemeinen betrifft, so teile ich die Meinung mit z.B. Stefan. In meinen Augen gibt es dort eine Art Hemmschwelle, die es einem interessierten Neuling erstmal erschwert, in einen bestehende Gruppe einzutreten. Ich denke mal, das ist einfache Psychologie und nicht weiter weltbewegend. Wie diese Hemmschwelle überwunden werden kann, das hängt zum einen von dem Neuling ab (ist er eher Schüchtern oder eher der Draufgänger). Zum Anderen natürlich auch von der Gruppe, wie sie sich gegenüber Neuen verhält. Man kann es Neuen leicht machen oder natürlich auch schwer. Ich bin zugegeben etwas schockiert hier zu lesen, das es offenbar in vielen Bezirksgruppen eine doch eher feindliche Haltung gegenüber neuen Mitgliedern gibt bzw. diese auf eher autoritärer gekapselte Strukturen treffen, in die es kaum Wege gibt. Das ist echt traurig und man kann solchen Bezirkgruppen nur ein echtes Armutszeugnis aussprechen - und vielleicht die Prognose, aufgrund ihrer ignoranten Haltung im Sinne der natürlichen Evolution zum Aussterben selektiert zu werden !
Auf der anderen Seite gibt es da das Medium Internet: Man ist erstmal mehr oder weniger anonym, kann jederzeit von jedem Ort (dank Internet-Handy fast wortwörtlich) Kontakt aufnehmen und selber frei dosieren, wie aktiv man sich einbringt ohne auch nur die kleinste Verpflichtung einzugehen. Das trifft sicherlich eher den Zeitgeist als sich mit Opi's und Omi's nach langer Fahrt an einen Tisch zu setzen und dann Geschichten aus vergangenen Zeiten zu hören.
Da ist dann der nächste Schritt naheliegend: Man versucht beides zu verknüpfen und sowohl im Internet als auch als Verein/Bezirksgruppe präsent zu sein. An dieser Stelle:
VFMG-BG Hannover - und natürlich vielen Dank an Rudolf Wölki, das er die Seite gestaltet !
An dieser Stelle möchte ich meine persönliche Erfahrung mit der Bezirksgruppe Hannover einbringen. Ich habe hier einige Beispiele gehört, die wahrlich erschreckend sind. Ganz Gegensätzlich ist es mir ergangen, dazu will ich etwas weiter ausholen. Ich war Anfangs in einem astronomischen Verein in Hannover tätig und dort auch recht aktiv. Leider hatten sich dort mit der Zeit doch arge Vereinmeiereien entwickelt und obwohl viele sich einbrachten wurde nur gefordert, gefordert, gefordert. Einige wenige rissen sich den Arsch auf und diejenigen, die die Befehle gaben taten nichts anderes, stellten sich aber bei Öffentlichkeitsarbeit als die Macher hin. Da sich dieser Prozess schleichend in Gang gesetzt hatte, hab ich mir das auch eine Weile gefallen lassen - bis ich mich anfing für Mineralien zu interessieren und irgendwann zu der Bezirksgruppe Hannover gestoßen bin. Olla, was war den da los ? Man kommt als völlig Fremder da hin und die empfangen einen gleich mit Kaffee und Kuchen, ältere Herren und Damen bieten einem sofort das "Du" an (ging in dem Astronomieverein gar nicht, da konnte man froh sein, wenn die älteren einen überhaupt angesprochen haben und die Akademiker haben nur mit Akademikern gesprochen) - gibt's ja nich... Klar, da fühlt man sich gleich zu hause und dann hat es auch nicht lange gedauert, bis ich aus dem Astronomieverein raus war. Alles in Allen ist hier also eine ausgesprochen gute Atmosphäre und es gibt keine Kluft zwischen jung und alt. Natürlich wir es den älteren zusehends schwieriger, aktiv sammeln zu gehen und somit dünnt auch das Exkursionsangebot aus. Hinzu kommt, das es um Hannover herum nicht soooo wahnsinnig viele Fundorte für Mineralien gibt und die paar wenigen glänzen nicht wirklich mit Vielfallt - lange Fahrten sind also schonmal vorprogrammiert. Trotzdem versuchen wir immernoch möglichst viel auf die Beine zu stellen. Viele von der Gruppe setzen sich trotz hohen Alters noch hin und arbeiten sich in den Computer und das Internet ein, es gibt einen inzwischen hervorragenden Kontakt zu Uni Hannover, die uns auch die Räumlichkeiten für unsere monatlichen Vorträge stellt (An dieser Stelle besten Dank an Prof. Buhl, der uns dies ermöglicht !).
Natürlich sind wir auch nicht von Vereinsmeierei verschont geblieben: Immerhin gingen die Querelen der letzten Jahre in der VFMG auf zwei inzwischen Ex-Mitglieder unsere Gruppe zurück. Wobei mir bis heute ein Rätsel ist, wieso Horst Welzel das getan hat - hat er sich doch vorher so verdient gemacht um die VFMG. Naja, ich für meinen Teil habe im das in Anerkennung seiner vorherigen Leistungen verzeihen - Nobody is perfect, möge er in Frieden ruhen. Aber letztlich habe wir uns das alle gefragt, wieso er sich das trotz schwerer Krankheit noch antut. Ansonsten haben sich bisher Vereinsmeierer immer erfolgreich selbst in Aus gespielt, das soll auch so bleiben !!!
So, dann habe ich jetzt tatsächlich schon ein Fazit, was ich ziehen kann. Abgesehen von den Pechvögeln, die auf verknöcherte Strukturen gestoßen sind gibt es also den Trend zu der bequemen Verfügbarkeit des Internets als echte Alternative zu Verein. Der Satz von Mineralroli trift es ganz gut "Vereinsleben war früher der Ersatz fürs Fernsehen oder langweilige Abende und war ein gemütliches Treffen unter Gleichaltrigen und Gleichgesinnten." Das ist übrigens auch die These, die ich schon seit längerem vertrete. Das sich die VFMG auf Dauer halten können wird, wage ich zu bezweifeln, da es schlicht die einfachere Alternative gibt. Nichts desto trotz möchte ich gerne Stafans Angebot aufgreifen und verweise auf unser Exkursions- und Vortragsangebot.
Viele Grüße und besten Dank für die Meinungen und Ideen
Markus