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Autor Thema: Geologisches Rätsel Nr. 8 - Das große Osterrätsel  (Gelesen 12578 mal)

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Offline Collector

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Hallo

nachdem das letzte Rätsel so schnell und so professionell gelöst wurde, stell ich heute mal - weil es ja lange Feiertage gibt - ein etwas umfangreicheres Rätsel mit drei nicht ganz so alltäglichen geologischen Themen ein. Alle drei sind, was ihre Entstehung angeht, irgendwie miteinander verwandt.

Erfolgreiches Raten und ein Frohes Osterfest wünscht Euch
collector

Offline triassammler

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Re: Geologisches Rätsel Nr. 8 - Das große Osterrätsel
« Antwort #1 am: 21 Apr 11, 20:15 »
Hallo,

das übergeordnete Thema ist "Faltentektonik" (Bild 1, Knickfalte). Ein Element von tektonischen Falten können "pinch-and-swell structures" sein (Bild 2, entschuldigung, mir ist kein deutscher Fachbegriff dafür geläufig). Weniger kompetente Schichten innerhalb eines kompetenteren Schichtstapels werden bei der Faltung statt ausgewalzt "zerstückelt" und etwas rotiert, wobei sie querende Störungen für die Portionierung sorgen. Setzt sich der Vorgang weiter fort, entsteht "Boudinage" (Bild 3), ausgelängte, kissen- oder blockartige Strukturen. Boudin, frz. Blutwurst, wird gerne in Lyon gegessen.

Gruß,
Rainer

Offline Jörg

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Re: Geologisches Rätsel Nr. 8 - Das große Osterrätsel
« Antwort #2 am: 22 Apr 11, 11:02 »
Hallo,
ich denke hier mal "laut" mit: Als Geschiebesammler kam mir im ersten Moment folgende Idee zum Bild 2: Augengneis; zum Bild 3: Xenolith. Beim näheren Betrachten war es das dann leider doch nicht; obwohl das Grundgestein schon etwas "Basaltiges" hat.
Ich tippe auf einen magmatischen Ursprung, bei welchem Fremdgestein eingebunden (zumindest bei den Bildern 2 u. 3), dann später durch tektonische Bewegungen umgeformt wurde.
Was gibt es in Lyon so Leckeres? Zum einen die "Rosette", eine grobe Mettwust, bei welcher die Speckstücke in der "Matrix" schwimmen (Bild 2); und zum anderen die "Quenelles", gerollte Hechtklöschen (Bild 3).
Resume: Fremdeinschlüsse, durch tektonische Bewegungen geformt.

Ich wünsche allen schöne Osterfeiertage
Gruß  Jörg

Offline smoeller

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Re: Geologisches Rätsel Nr. 8 - Das große Osterrätsel
« Antwort #3 am: 23 Apr 11, 09:45 »
Hallo,

Bei 2 und 3 schließe ich mich Triassammler an. 3 ist eine typische Boudinage.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Collector

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Re: Geologisches Rätsel Nr. 8 - Das große Osterrätsel
« Antwort #4 am: 24 Apr 11, 12:37 »
Damit es nicht in der Vielfalt der Forenbeiträge verloren geht - morgen ist ja auch noch Ostern. Frohes Raten !

collector

Offline Berggeist007

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Re: Geologisches Rätsel Nr. 8 - Das große Osterrätsel
« Antwort #5 am: 25 Apr 11, 17:32 »
Hallo,
möchte mich auch an diesem Rätsel mit beteiligen und hoffe das ich nicht wieder so verkehrt liege, wie beim letzten mal.
Hier meine Idee: Bild 2: Es handelt sich um Augengneis, ein metamorphes Gestein, das durch großräumige tektonische Prozesse entstanden ist (Regionalmetamorphse;umgewandelt durch Hitze und Druck).
Bild 3: "Boudinage" (franz. Boundin für Blutwurst), wie so was genau entsteht weiß ich leider nicht, nur soviel das Druck und Zugkraft im Spiel ist. Habe nur folgende Vermutung, das die Spaltenfüllung (meist Quarz) das metamorphe Gestein (bei diesem Bild Schiefer) auseinander gedrückt hat. Liege ich damit vielleicht richtig? Wenn nicht, kann mir dann mal einer diese Entstehung erklären, aber Bitte mit einfachen Worten.
Bild 1: Keine Ahnung, sehe so eine eckige Formation zum ersten mal. Mit etwas Fantasie könnte man glauben, das es sich um Reste von einem oder mehren Gebäude handelt die auf einem Berg gebaut worden sind. Leider ist das Bild ein bisschen klein. Bin mal gespannt, was es am Ende ist.

Gruß
Frank


Offline Collector

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Re: Geologisches Rätsel Nr. 8 - Das große Osterrätsel
« Antwort #6 am: 25 Apr 11, 19:23 »
Hallo

habe Bild -1- mal n bisschen größer gemacht.
collector

Offline Jörg

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Re: Geologisches Rätsel Nr. 8 - Das große Osterrätsel
« Antwort #7 am: 25 Apr 11, 21:00 »
Hallo,

jetzt, da das Bild Nr.1 auch für einen alten Mann schön groß und deutlich ist, stimme ich Triassammler uneingeschränkt zu. Das Bild zeigt ein typisches, sog. Faltengebirge. Evtl. sogar den "Bündnerschiefer". Entstehung durch Hochdruckmetamorphose, wobei die Überschiebung alpiner Decken, als Ereignis der Subduktion der ozeanischen Bereiche, unter die Apulische Platte, zugrunde lag. Ich gehe davon aus, dass das abgebildete Gestein ein dunkler, feinkörniger Tonstein ist.
Meine Meinung zu 2 u. 3 habe ich oben bereits abgegeben.
@Triassammler: OK, bei Nr. 3lag ich falsch, aber die Hechtröllchen schmecken trotzdem :-)

Viele Grüsse  Jörg

Offline Berggeist007

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Re: Geologisches Rätsel Nr. 8 - Das große Osterrätsel
« Antwort #8 am: 26 Apr 11, 22:18 »
Hallo,

Danke ersteinmal für das größere Foto. Ich komme auch damit nicht so richtig weiter. http://www.mineralienatlas.de/forum/Smileys/bergwerk/huh.gif Wie triassammler schon sagte, das es sich um eine "Knickfalte" handelt, ist mir auch so weit klar. Mir sind nur die zwei Spalten in den drei Knickfalten ein Rätsel. Wie sind den diese entstanden? Sind diese durch Erosion, Menschenhand oder sogar durch ein Erdbeben entstanden, sehe da sehr viel loses Gestein herumliegen. Habe mal auch nach vergleichbaren Bildern gesucht, das einzige was dem ein bisschen ähnlich aussah, ist die "Agios-Pavlos-Faltung" auf Kreta, aber diese setzt sich aus einer Wechselfolge von Kalklagen und Chertlagen zusammen und haben nicht diese großen Spalten. Bin jetzt wirklich mit meinem Latein am Ende, mal sehen was es am Ende ist.

Gruß
Frank 

Offline Collector

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Re: Geologisches Rätsel Nr. 8 - Das große Osterrätsel
« Antwort #9 am: 27 Apr 11, 09:59 »


Hallo

Ich geh mal davon aus, dass schon Interesse an den geologischen Rätseln besteht, sonst wär dieses hier nicht über 800 mal aufgerufen worden.  Aber nur 4 aktive Beteiligungen ?  War das Rätsel zu schwierig ?

Im Grunde habt Ihr alle vier das meiste richtig erkannt, alle Achtung !

*Bild -1-
Diese rechtwinklige Faltung ist primär ein Produkt der Erosion.  Die gefalteten Lagen bestehen aus schluffigem Kalkstein, aus welchem die weniger resistenten (kompetenteren)  Schichten „heraus“-erodiert sind.
Die "Knickfalten"  (Kinks,  Deformation, "querende Störung")  entstanden durch Kompression zwischen Schichten von kompetenterem Sandstein.
Diese Falten sind Teil der Totoralillo-Formation der frühen Kreidezeit im Canyon (Schlucht) Quebrada de la Penas nahe Copiapo, Provinz Atacama in Chile.
Beschreibung und Foto: K. Segerstrom, US Geological Service

*Bild -2-
Ein schöner Augengneis bei Jondal, Fylke Hordaland am Hardangerfjord in Südnorwegen. Foto von Gerda Wimmer.

*Bild -3-
Eine klassische Boudinage von Leukogranit in Gneis, Cap de Creus, Girona, Spanien. Foto von David Soler.

Danke fürs Mitmachen
Gruß
collector

Offline Berggeist007

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Re: Geologisches Rätsel Nr. 8 - Das große Osterrätsel
« Antwort #10 am: 28 Apr 11, 19:50 »
Hallo Collector,

mir hat es gefallen an diesem Rätsel mit zu machen. Dadurch habe ich wieder was über die Geologie gelernt, in dieser Richtung bin ich noch nicht so bewandert. Eine Frage habe ich noch und bin ein bisschen irritiert über die Antwort von der "Boudinage".  Habe das Bild jetzt hier im Mineralienatlas gefunden und dort steht "Pegmantit in Schiefer". Ihre Antwort war "Leukogranit in Gneis". Was ist nun die richtige Antwort? Würde mich über eine Antwort freuen.

Gruß
Frank

Offline Jörg

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Re: Geologisches Rätsel Nr. 8 - Das große Osterrätsel
« Antwort #11 am: 29 Apr 11, 08:53 »
Hallo,

ich greife hier mal vor. "Boudinage" beschreibt nur die Entstehung und Ausprägung der Gesteinsformation, welche durch Zerrung, bzw. Schiebung entstanden ist. Die so entstandene Formation kann je nach Ausgangsgestein aus Pegmatit oder Leukogranit bestehen. Bei diesem Bild ist es halt Leukogranit.

Gruß Jörg 

Offline triassammler

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Re: Geologisches Rätsel Nr. 8 - Das große Osterrätsel
« Antwort #12 am: 29 Apr 11, 11:02 »
Hallo Jörg,

das Problem ist, dass das hier gezeigte Boudinage-Bild auch im Lexikon, allerdings mit ganz anderer Beschriftung ("Pegmatit in Schiefer") zu sehen ist. Würde mich auch interessieren, was es nun wirklich ist.

Gruß,
Rainer

Offline Collector

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Re: Geologisches Rätsel Nr. 8 - Das große Osterrätsel
« Antwort #13 am: 29 Apr 11, 11:27 »
Hallo

diese Frage erstaunt mich aber sehr. Ich sehe hier absolut kein Problem. (aber man kann ja eins draus machen).
Warum kann ein Pegmatit kein Granit sein oder ein Granit pegmatitisch sein ? Die Leukogranite des Cap de Creus sind allesamt Pegmatite, bzw. alle Pegmatite des Cap de Creus sind Leukogranite.
Aber ja, ich mach es allen recht: Bei dem gezeigten Boudinage-Bild, identisch mit dem im Lexikon, handelt es sich um Pegmatite, wie im Lexikon angegeben. Diese Pegmatite sind Leukogranite bzw. pegmatitische Varietäten.

*Auszug aus wikipedia ....
"Leukogranite sind sehr helle bis weiße Gesteine (altgr. λευκός leukós „weiß“), im verwitterten Zustand nehmen sie leicht gelbliche Farbtöne an. Die Korngrössen bewegen sich gewöhnlich zwischen 3 und 5 Millimeter, es existieren aber auch feinkörnige und porphyrische bis pegmatitische Varietäten ".

Pegmatite werden i.ü. von der IUGS als nichts anders als " coarse-grained facies of a igeous rock" definiert.

I.d.S. ;)
Gruß
collector

Offline Berggeist007

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Re: Geologisches Rätsel Nr. 8 - Das große Osterrätsel
« Antwort #14 am: 29 Apr 11, 19:09 »
Hallo Collector,

vielen Dank für die Antwort. Habe somit wieder etwas dazu gelernt.

Gruß
Frank

 

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