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Autor Thema: Ignimbrit?  (Gelesen 9352 mal)

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Offline Sprotte

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Ignimbrit?
« am: 12 May 11, 20:52 »
Guten Abend,

ich möchte ein kristallines Geschiebe zur Diskussion stellen, das ich mit Vorbehalt vorerst als Ignimbrit bezeichnen möchte, obwohl es keinem der mir bekannten skandinavischen Ignimbrite entspricht. Zu erkennen ist die polierte Oberfläche (Breite: 4 cm) einer frischen Bruchfläche. Beschreibung: In einer sehr feinkörnigen bis dichten feldspatdominierten, gelblichen Grundmasse liegen eine größere Anzahl, maximal 3 mm großer, rötlicher Feldspat-Einsprenglinge, die sich aufgrund ihrer deutlich ausgeprägten perthitischen Entmischung als Alkalifeldspäte zu erkennen geben. Diese sich optisch nur wenig von der Grundmasse abhebenden Einsprenglinge sind zumeist isomorph (in diesem Fall rechteckig) ausgebildet und regellos in der Grundmasse verteilt. Sie zeigen keinerlei Risse oder Verformungen. Dunkle Minerale sind zwar vorhanden, treten aber insgesamt doch sehr zurück. Obwohl keine Quarz-Einsprenglinge vorhanden sind, enthält das Gestein einen gewissen Quarzanteil in Form einheitlich ausgerichteter grauer Schlieren, die beidseitig von einem schmalen hellen Saum begrenzt sind (flachgedrückte ehemalige Bimsfladen?). Teilweise gewellt schmiegen sich diese um einige der Einsprenglinge herum.

Viele Grüße
Sprotte
« Letzte Änderung: 13 May 11, 09:28 von Sprotte »

Offline Jörg

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Re: Ignimbrit?
« Antwort #1 am: 13 May 11, 14:25 »
Hallo Ralf,

Erst mal ein herzliches Willkommen hier im Forum  :)

Dein Geschiebe ist mit Sicherheit kein Ignimbrit. Geht eher in Richtung Schriftgranit (pegmatitische Verwachsung). Ist somit ein Plutonit und kein Vulkanit.

Hier einige Beispiele:
http://www.strandsteine.de/Schrift-Granit.htm
http://www.kristallin.de/s2/f_runit.htm#Anker1

Glück Auf!   Jörg

Hier noch eine etwas grobkörnige Variante, jedoch mit ähnlichen Bestandteilen wie in Deinem Stück.
« Letzte Änderung: 13 May 11, 15:05 von Jörg »

Offline Stefan

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Re: Ignimbrit?
« Antwort #2 am: 13 May 11, 17:18 »
Hallo Jörg, bist Du sicher, dass es sich bei Deinem Bild um Schriftgranit handelt?
http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Schriftgranit

bzw. sollte er nicht eher so aussehen?
Russland/Ural, Föderationskreis/Adui
Ignimbrit?


Besten Gruß
Stefan

Offline Collector

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Re: Ignimbrit?
« Antwort #3 am: 13 May 11, 18:03 »
Hallo Jörg

ich muss Stefan zustimmen. Dein Bild zeigt definitiv keinen Schriftgranit, sondern einen ganz normalen Granit .

Gruß
collector

Offline Jörg

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Re: Ignimbrit?
« Antwort #4 am: 13 May 11, 19:50 »
Hallo Stefan und Collector,

ich möchte meine Meinung kurz verteidigen. Falls ich damit jedoch komplett falsch liege, bitte ich Euch mich zu korrigieren.

@ Stefan
Hallo, natürlich hast Du Recht, wenn Du sagst, dass das Bild aus dem Atlas anders aussieht. Dieses zeigt einen Schriftgranit in bestmöglicher und absolut typischer Ausprägung. Schau bitte unter dem oben von mir eingefügten Link "Strandsteine", das 3., untere Bild an. Auch bei diesem sind die "Schriftzeichen" nicht so deutlich ausgeprägt. Meines Wissens sind die Übergänge von "normalem" Granit zu "Schriftgranit" fließend. Der Idealfall ist ja hier im Atlas aufgeführt. Wie ich von Dänischen Sammelkollegen weiß, gilt ein Schriftgranit als solcher, solange der Quarzanteil nicht größer ist, als der vom Feldspat, und dieser nicht regelmäßig im Gestein verteilt liegt. Selbst wenn sich die Schriftzeichen nur ahnen lassen. Doch soweit nur meine Kenntnis. Wie ein typischer Schriftgranit "aus dem Bilderbuch", sieht meiner nicht aus, da stimme ich Euch beiden zu. M. E. bewegt er sich noch "haarscharf" an der Grenze, dass ihm diese Bezeichnung zusteht.

@ Collector
Zitat
...definitiv kein Schriftgranit...
Auch keine Varietät? So gerade noch eben?  ???

Ich danke Euch schon mal für Eure Antworten.

Glück Auf!   Jörg

Offline Kluftknacker

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Re: Ignimbrit?
« Antwort #5 am: 13 May 11, 20:01 »
Hallo,
um zu entscheiden, ob es ein Ignimbrit sei, sind Detailaufnahmen notwendig. Vielleicht kann man die noch nachreichen. Graue Schlieren machen noch keinen Ignimbrit, da sind weitere Kriterien erforderlich.
Die Einsprenglinge könnten nur "entmischte" Feldspäte sein. Kurz: Mit diesem Bild nicht eindeutig feststellbar.

Kluftknacker

Offline Stefan

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Re: Ignimbrit?
« Antwort #6 am: 13 May 11, 20:17 »
Hallo Jörg,
beim Schriftgranit steckt der Quarz meist in einem großen Kristall aus Alkalifeldspat und die typischen "Schriftzeichen" die beim gleichzeitigen auskristallisieren von Quarz und Feldspat aus der Schmelze entstehen sollten je nach Anschnitt deutlich zu erkennen sein.

Ich dein Bild erst mal aus dem Eintrag raus genommen
Ignimbrit?


Besten Gruß
Stefan
« Letzte Änderung: 13 May 11, 23:11 von Stefan »

Offline Jörg

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Re: Ignimbrit?
« Antwort #7 am: 13 May 11, 20:30 »
@ Stefan,

jupp, dass ist ein Argument.
Hatte mich auch von: Francois Sulpice Bendant + Karl Friedrich Alexander Hartmann; Lehrbuch der Mineralogie; F.A. Brockhaus; 1826 verleiten lassen:
"...der Schriftgranit hat nur selten schöne Varietäten und stets nur in kleinen Stücken, weil man eine schöne Grundfarbe und eine gute Vertheilung der Quarzkrystalle in der Gestalt hebräischer Schriftzüge verlangt....", habe meinen als nicht so typisch/schön somit hinzu gezählt.
Aber, ich bin ja noch lernfähig, isolierte Quarze in einem einzigen Feldspat, lautet das Kriterium.
Tja, muss wohl nochmal auf Suche  ;D

Danke und Glück Auf!       Jörg

Offline Sprotte

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Re: Ignimbrit?
« Antwort #8 am: 09 Oct 11, 13:49 »
Hallo Kluftknacker,

ich hoffe, dass auf den neuen Aufnahmen mehr zu erkennen ist. Natürlich stimmt es, dass (Quarz-)Schlieren für sich allein noch kein Hinweis auf einen Ignimbrit sind. Es könnte sich im Prinzip auch um ein (hoch)metamorphes Gestein handeln, wie dem auch als Geschiebe bekannten Schonengranulit oder um Mylonit. Aber andere Merkmale sprechen meiner Meinung nach in diesem Fall eher für einen Ignimbrit: Es gibt zahlreiche recht kleine Hohlräume, was wohl eher gegen eine metamorphe Überprägung spricht. Weiterhin treten wenige dunkle Minerale und/oder Erzkörnchen auf, die nicht ausgelängt sind. Die roten Kalifeldspatkristalle sind zwar in sich entmischt, aber deutlich von der gelblichen Grundmasse getrennt (vor dem Schleifen war das an den spiegelnden Flächen gut erkennbar).

Viele Grüße
Sprotte

Offline Sprotte

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Re: Ignimbrit?
« Antwort #9 am: 09 Oct 11, 14:49 »
Hallo Jörg

um Schriftgranit handelt es bei dem von mir am Anfang dieses Threads vorgestellten Stück definitiv nicht. Natürlich kommt Schriftgranit auch als Geschiebe vor, in großen Stücken eher selten, in kleinen Stücken (siehe Bilder) wohl häufiger als allgemein vermutet. Jedoch bestehen alle mir bekannten Geschiebe nur aus EINEM einzelnen Feldspatkristall, durch den gewinkelte Quarzplatten hindurchgewachsen sind. Diese graphischen Verwachsungen treten an der Geschiebeaußenseite mehr oder weniger deutlich in Erscheinung.
Viele Grüße
Sprotte

PS:
Abmaße der Geschiebe, Breite x Höhe (in cm): Nr. 1: ca. 4 x 3, Nr. 2: ca. 2,5 x 4, Nr. 3: ca. 6 x 2,5.
Die Farbe des Feldspats variiert von weiß (Nr. 1) über rosa (Nr. 2) nach rötlich (Nr. 3), und die des Quarzes reicht von rauchbraun (Nr. 1) nach grau (Nr. 2 und 3). Andere Minerale außer Feldspat und Quarz kommen entweder gar nicht (Nr. 1 und 2) oder sehr untergeordnet vor (Nr. 3).

Offline Sprotte

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Re: Ignimbrit?
« Antwort #10 am: 09 Oct 11, 15:28 »
Hallo,

hier nun zum Vergleich ein Geschiebe von Schonengranulit (Breite jeweils ca. 4,5 cm) mit rotem Feldspat und ausgelängtem (dunkel)grauen Quarz als einzige Minerale.

Viele Grüße
Sprotte

Offline Jörg

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Re: Ignimbrit?
« Antwort #11 am: 09 Oct 11, 18:39 »
Hallo Sprotte,

Habe meine Meinung über Schriftgranit bereits revidiert; ist vollkommen richtig, dass der Feldspat eine zusammenhängende Einheit bildet 8) Habe mal ein Foto von einem Geschiebefund aus der südlichen Jammerbucht angehängt, wie sie für diese Gegend typisch sind.

Aber, was hältst Du bei Deinem Fund von einem Plutonit, bei welchem die Metatexis eingesetzt hat ? (auch der Form der Quarze wegen). Auch die perthitischen Entmischungen würden m. E. eher zu einem Intrusivgestein passen, habe ich so noch nie in einem Ignimbrit gesehen. Alternativ könnte wohl auch, der Armut an Glimmer wegen, ein granulitähnlicher Gneis in Frage kommen. Meiner Meinung nach entweder ein kontaktmetamorphes Gestein oder ein durch Druckumwandlung entstandenes.


Glück Auf!
Jörg

Offline Sprotte

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Re: Ignimbrit?
« Antwort #12 am: 11 Oct 11, 16:15 »
Habe meine Meinung über Schriftgranit bereits revidiert ....

Hallo Jörg,

ich bitte um Entschuldigung --- stimmt natürlich.

Viele Grüße
Sprotte

Offline Jörg

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Re: Ignimbrit?
« Antwort #13 am: 11 Oct 11, 16:46 »
Hallo Sprotte,

sind ja alle erwachsene Jungs, und die Weisheit mit dem Löffel gefressen habe ich schließlich auch nicht. Ist ganz normal, dass man auf Fehler hingewiesen wird (und auch sollte), und dass es halt 2-mal geschah bringt mich auch nicht um  :D
Gerade bei den Geschieben muss man seine Meinung öfters korrigieren, da entwickelt sich im Laufe der Zeit ein dickes Fell ;D

Habe mich heute mit dem Oslo-Rift an anderer Stelle beschäftigt. Habe einen Link angehängt, der für Dich evtl. ganz interessant sein könnte, gerade was die angeschmolzenen und gefritteten Gesteine aus der Gegend betrifft. Aus der Oslo-Region stammen Unmengen an Gesteinen, die sich nicht zuordnen lassen wollen, und von denen ein Großteil durch Kontaktmetamorphose umgewandelt wurde. Die meisten sind somit "Unikate", an denen ich reglmäßig verzweifele.
Hier der Link: http://www.uibk.ac.at/mineralogie/oemg/bd_143/143_137-188.pdf

Glück Auf!
Jörg

Offline Sprotte

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Re: Ignimbrit?
« Antwort #14 am: 17 Oct 11, 21:36 »
Hallo Jörg,

vielen Dank für die Info. Deratige Berichte sind für mich immer von großem Interesse.

Viele Grüße
Sprotte

 

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