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Autor Thema: Was für ein Stein?  (Gelesen 3051 mal)

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Offline Eisenmax

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Was für ein Stein?
« am: 12 Jun 11, 16:45 »
Beim Gartenumgraben kommen mir immer wieder ähnliche Steine unter die Grabgabel. Es ist vermutlich Bauaushub aus dem Keller eines Hauses. Der Fundort des Steins ist 74523 Schwäbisch Hall, vermutlich im Keuper (westliche Anhöhe von SHA), soweit vermute ich das nach einiger Recherche im Netz. So sicher bin ich mir da aber nicht.
Was ist es tatsächlich und was ist das für eine Schicht, die dazwischen eingeschlossen ist?
Vielen Dank für eine Antwort, auch wenn das Laienhaft formuliert wurde.

Offline smoeller

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Re: Was für ein Stein?
« Antwort #1 am: 12 Jun 11, 16:59 »
Hallo,

Das dürfte dann Keupermergel sein.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Eisenmax

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Re: Was für ein Stein?
« Antwort #2 am: 12 Jun 11, 17:08 »
Vielen dank aus dem wilden Süden in den hohen Norden!
Was könnte sich als ca. 1 cm dicke Schicht dazwischengemogelt haben?
Sieht irgendwie aus wie Granit aus dem Baumarkt.

Offline smoeller

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Re: Was für ein Stein?
« Antwort #3 am: 12 Jun 11, 20:41 »
Hallo,

Das dürfte wohl Kalkstein/Calcit sein. Kalkstein kann durchaus als Lagen in Mergeln (Mischung von Kalk und Ton) vorkommen. Calcitadern können während der Verfestigung/Versenkung des Sediments (Diagenese) oder später bei der Hebung der Gesteine an die Oberfläche (Aufwölbung der Mittelgebirge) entstehen. Auch Sandstein wäre möglich. Das kann man allein anhand der Fotos nicht bestimmen. Essigessenz kann helfen, zumindest kalkfreie Sandsteine auszuschließen. Calcit und viele Kalksteine, deren Hauptbestandteile Calcit ist, lassen sich mit Säure anhand ihres charakteristischen Schäumens (Freisetzung von CO2) erkennen, während zumindest kalkfreier Sandstein keine derartige Reaktion zeigt. Das geht mit Essigessenz (mindestens 20 %), in der Regel nimmt man aber 5-10 %-ige Salzsäure (Salzsäure gibts im Baumarkt, muss evtl. verdünnt werden).

Ich muss noch mal schauen, ob ich für den süddeutschen Keuper eine nähere Schichtbeschreibung habe, irgendwo sollte  was sein.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Eisenmax

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Re: Was für ein Stein?
« Antwort #4 am: 12 Jun 11, 23:27 »
Hallo Smoeller, vielen Herzlichen Dank!!!
Ich werde das mit dem Essig versuchen, nachdem jetzt Gurkensalat wieder aktuell ist, zweige ich etwas ab und schaue was passiert.
Gruß aus dem wilden Süden
Eisenmax

Offline triassammler

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Re: Was für ein Stein?
« Antwort #5 am: 12 Jun 11, 23:52 »
Hallo Eisenmax,

bei dem Fundstück handelt es sich um einen Dolomit bzw. mergeligen Dolomit, wie er in Deiner Gegend typisch für den Unterkeuper ist.
Das Material schäumt bei Zugabe von verdünnter Essig- oder Salzsäure nicht oder nur schwach im Vergleich zu reinem Kalkstein.

Die Schicht in der Mitte ist mittelkörniger Calcit, vermutlich mit Verunreinigungen von Ton und Gesteinstrümmern. Solche Calcitlagen entstehen in der Regel nach vorheriger Auflösung von Gipsschichten. Der Calcit nimmt einfach nach und nach in den entstehenden Lösungshohlräumen Platz. Eine weitere Möglichkeit ist, dass der Kalkstein, aus dem während der Diagenese der Dolomit hervorging, nur unvollständig - charakteristischerweise schichtlagenweise - von der Dolomitisierung erfasst wurde. Nicht dolomitisierte Partien wurden in einigen Fällen später von Dedolomitisierung betroffen, mit der Folge, dass der verbliebene Kalkstein zu körnigem Calcit umkristallisierte.
Auf jeden Fall müsste das Band bei Zugabe von verdünnter Säure schäumen.

Welche der Erklärungen zutrifft, ist im Einzelfall erst direkt am Handstück und nicht via Foto zu entscheiden, da die Entstehung und Diagenesegeschichte der Unterkeuperdolomite recht komplex ist und damit auch die Vielfalt der in ihnen vorkommenden diagenetischen Phänomene und Mineralisationen.

Gruß,
Rainer
« Letzte Änderung: 13 Jun 11, 00:00 von triassammler »