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Autor Thema: Sustenpass  (Gelesen 9757 mal)

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Offline vanderheide

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Sustenpass
« am: 25 Jun 11, 22:04 »
Verehrte Mineralienkenner,
Den folgenden Stein hatte ich vor einem halben Jahr (14.11.2010) ins Forum gestellt.
Niemand hat sich dazu geäussert.
Auf der schweizerisch-geologischen Karte fand ich auf den Sustenpass folgende Gesteinssorte aufgezeichnet: Kinzigitgneis.
Kennt jemand diese Bezeichnung und könnte es den Namen für dieses Gestein sein?

Aufnahmen von verschiedenen Ansichten
Fundort: unterhalb Steilimigletscher, Sustenpass, CH   
Koordinaten: 46°42'42.79"N    8°24'47.19"E (eingeben ins Feld Anfliegen von Google-Earth und der Fundort wird gezeigt)   
Grösse:    95 X 90 X 40 mm   

Bemerkung: beim Schliff hatte ich den Eindruck als seien die Gänge (Adern) aus Feldspat. Kann das sein? Die weisslichen Flecken auf dem ersten Bild, kam mir vor wie Quarz und was könnte dann das Weitere sein?

Vielen Dank für Hinweise
Gruss
Hans

Offline smoeller

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Re: Sustenpass
« Antwort #1 am: 25 Jun 11, 22:20 »
Hallo,

Ist vom Foto her sehr schwierig zu bestimmen. Für Kinzigitgneis halte ich es nicht.

Kinzigit ist eine alte Bezeichnung für granatführende Paragneise, benannt nach einem kleinen Vorkommen im Tal der Kleinen Kinzig bei Schenkenzell im Schwarzwald (das Vorkommen und die dortigen Gesteine kenne ich aus eigener Anschauung). Das Gestein besteht aus deutlich eingeregeltem Biotit, rosa Granat, Feldspat und Quarz. Oftmals sind Quarz und Feldspat in unregelmäßigen Schlieren parallel zur Ausrichtung der Biotite angereichert (Leukosome). Sillimanit in weißen Nadeln oder Filzen, Cordierit  und Graphit.

Das Gestein auf dem Foto sieht nicht danach aus. Ist leider manchmal auf Fotos unmöglich, Gesteine sicher anzusprechen. Manchmal lässt sich erst im Dünnschliff unter speziellen Mikroskopen (Polarisationsmikroskop) eine eindeutige Bestimmung machen.

Kinzigitgneise gibt es u.a. auch in Norditalien (Piemont) und in Süditalien (Kalabrien). Cordieritreiche Paragneise ohne Granat gibt es im Südschwarzwald, und zwar im Murgtal bei Rickenbach und im Bereich des Hochrheins bei Laufenburg (dort sogar bis über die Grenze in die Schweiz).

Glück Auf!
Smoeller

Offline guefz

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Re: Sustenpass
« Antwort #2 am: 25 Jun 11, 22:43 »
Hallo Hans,

kann es sein, dass du dich mit der Zuordnung der Farben auf der geologischen Karte vertan hast? Der Sustenpass gehört zum Aarmassiv, wenn ich die Farben besser deute, liegt dort granitisches Material vor, wobei ich den genauen Farbton auch nicht wirklich zuordnen kann...

Hier noch der Link zum Kartenserver. Leider gibt es die Legende nur als separate Seite...

Günter

Offline vanderheide

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Re: Sustenpass
« Antwort #3 am: 25 Jun 11, 23:43 »
Hallo Günter,
Morgen mache ich ein Foto von meiner Karte. Tja, da wird es manchmal schwierig mit den Farben! Da hast Du völlig recht. Bis dann.
Gruss
Hans

Vielen Dank Sebastian! Bin froh, dass Du aus eigener Anschauung Kinzigit kennst. Nein, Granate - keine Spur. Und ob jetzt meine Interpretation richtig war?.. wird sich erst zeigen, wenn ich Fotos von der geologischen Karte mache und hier hochlade. Ich werde es noch einen bekannten Geologen zeigen, komme dann darauf zurück.
Vielen Dank für Deine Ausführungen!
Gruss
hans

Offline vanderheide

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Re: Sustenpass
« Antwort #4 am: 26 Jun 11, 16:54 »
Hallo Günter,
Hier sind die Abbildungen der Karte. Ich habe bei der gleichen Beleuchtung die Farbbezeichnungen hineinmontiert.
Hast völlig recht: nirgends ist Kinzigit vorhanden. War auf dem Holzweg.
Nur so ist die Karte eigentlich klar bestimmbar ... nur ein wenig umständlich!  ;D
Gruss
Hans

Offline smoeller

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Re: Sustenpass
« Antwort #5 am: 26 Jun 11, 17:12 »
Hallo,

OK, mit Orthogneis mit (grano-) dioritischem Ausgangsgestein kommt das auch hin. Das weiße ist dann überwiegend Feldspat (Plagioklas wohl zumeist) und wenig Quarz, im dunklen Tel Plagioklas mit Biotit und evtl. Hornblende.

Glück Auf!
Smoeller

Offline vanderheide

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Re: Sustenpass
« Antwort #6 am: 26 Jun 11, 17:23 »
Hallo Sebastian,
Das weisse ist gewiss Feldspat (Plagioklas), Quarz ist auch zu sehen- aber tatsächlich wenig.
Du hast mich an ähnliche Gneisse erinnert, die auch diese Färbung haben und mit Orthogneis bezeichnet werden.
Bin gespannt was weitere fachlich qualifizierten Geologen dazu sagen.
Herzlichen Dank!
Gruss
Hans

Offline Isle

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Re: Sustenpass
« Antwort #7 am: 03 Jul 11, 22:04 »

Ich würde mich Smoellers Mineralansprache (unter Vorbehalt) anschließen. Der Begriff "Gneis" stört mich etwas, das Gefüge passt mir nicht dazu..

Womit wir beim Thema wären: Die Bilder sind für eine Ansprache denkbar ungeeignet. Die meisten Perspektiven mögen ja nette Verkaufsansichten sein, sind aber Mist für eine Ansprache. Beim ersten Bild wäre eine Ausschnitts-füllende Ansicht der linken Seite hilfreich.. was juckt mich denn die Kante. Der schwarze Wohnzimmertisch ist ebenfalls irrelevant, das ist alles Fläche die man mit einem vernünftigen Gefügephoto füllen kann. Abgesehen davon glänzen die Dinger wie eingeölte Strandschönheiten.. wäre es nicht möglich mal VOR dem Polieren einen frischen Abschlag zu erzeugen.. also Abschlag, kein Photo von cm-dicker Alterationskruste.

Gruß,

Holm

Offline vanderheide

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Re: Sustenpass
« Antwort #8 am: 03 Jul 11, 23:12 »
Hallo Holm,
Herzlichen Dank für Deine konstruktive Sichtweise! Ich weiss doch nicht, was für den Mineralogen entscheidend ist zur Bestimmung. Selber schaue ich den Stein unter anderen Aspekten an und brauche Eure Hinweise!
Gruss
Hans

Offline vanderheide

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Re: Sustenpass
« Antwort #9 am: 04 Jul 11, 21:53 »
Hallo Holm,
Ich hoffe der Aufwand hat sich gelohnt. Du kannst jetzt um den Stein herumgehen. Welche Ansicht ist nach Deiner Meinung nun entscheidend? Oder sollten Detailfotos hin? Von welcher Bildsicht?
Weiter: bei der Aufnahme stand der Stein in der Sonne. Es gab keine Tischplatte, sondern schwarzer Karton als Unterlage, schwarzer Karton zylindrisch im Hintergrund, sonst gibt es auf der polierten Fläche falsche Farbstiche.
Bin dankbar für Hinweise.
Gruss
Hans

Offline vanderheide

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Re: Sustenpass
« Antwort #10 am: 04 Jul 11, 21:56 »
und hier die weiteren Ansichten.

Zerschlagen tue ich ihn jetzt nicht mehr, ich meine, stellenweise habe ich recht viel weggeraspelt, wenn du die Art des Aufbrechenssehen willst, verstehe ich das.

Offline Isle

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Re: Sustenpass
« Antwort #11 am: 04 Jul 11, 22:44 »
Guten Abend,

die Photos 6 & 13 waren für mich am hilfreichsten. Wenn möglich (für zukünftige Gesteine) wären noch stärker vergrößerste Aufnahmen besser, auf denen man einzelne Mineralkörner besser aushalten kann. Ich hab da mal auf die Schnelle ein Bild angehängt zur Orientierung, Bildbreite ca. 6 cm.

Tante Edith sagt: die untere Hälfte von dem Amphibolitbild 1774 ist zB gut geeignet.

Ich muss ehrlich zugeben ich war mir etwas unsicher, ob das gute Stück überhaupt metamorph ist. Auf Bildern wie 13 sieht es nach einer Vorzugsorientierung aus, Bild 6 ist hingegen doch kaum eingeregelt. Den Ausschlag gab für mich das erkennbare Quarz-Mobilisat. Wie von smoeller bereits vorgeschlagen wäre demnach Gneis sicher vernünftig- ich persönlich würde es vielleicht noch eher in Richtung eines Granofelses schubsen, das macht den Kohl aber nicht fett.

Gruß,

Holm

Offline Isle

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Re: Sustenpass
« Antwort #12 am: 04 Jul 11, 22:47 »
Marham, Sultanat Oman
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Offline vanderheide

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Re: Sustenpass
« Antwort #13 am: 05 Jul 11, 19:42 »
Hallo Holm,
Vielen Dank für Deine Antwort und Hilfe. Ich habe den Stein gerade nochmals ans Tageslicht fotographiert. Hier sind drei Ergebnisse.
Dichter kann ich nicht heran, aber es reicht wahrscheinlich.
Gruss
Hans

 

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