Hallo Markus,
ein Tektit ist es nicht, weil:
- Fundort: ein Tektit kommt selten allein, Streufelder mit Tektiten in der Größe Deines Fundstücks sind in der Regel zuvor schon jemandem aufgefallen und daher bekannt, zumal in Deutschland.
- Farbe: Die Farbe von Tektiten geht in der Regel auf die Zusammensetzung des Targetgesteins zurück. Nur bei reinem Quarz oder Quarzsand ohne Beimengungen kann die Farbe weiß sein. Vergleiche "Lybisches Wüstenglas" (und selbst das ist meist gelblich). In Deiner Region fehlen dafür die geologischen Voraussetzungen.
- Textur: Tektite entstehen aus Schmelztropfen sind deswegen nicht brekzienartig aufgebaut.
- Struktur: Tektite enthalten in der Regel mehr oder weniger gut sichtbare Gasblasen in großer Zahl.
- Form: Tektite bilden qua Entstehung verschiedene Flugformen aus. Diese lassen sich in der Regel an den Stücken erkennen
- Chemismus: Tektite bestehen aus Gesteinsglas, das sehr widerständig gegen Verwitterung ist. Wenn es verwittert oder durch Bodenwässer angelöst wird, entstehen charakteristische Lösungsformen wie Gruben oder Rillen (vgl. Moldavite, Indochinite).
Beispiele für die oben angeführten Kriterien stehen hier neben mir in der Vitrine. Bilder im Internet können täuschen bzw. nicht das Wesentliche abbilden, auf das es ankommt.
Ich habe mir Deine Bilder genau angeschaut. Unbenommen Deiner bisherigen Versuche zur Materialbestimmung möchte ich auf die kleinen weißen, linienartigen Ablagerungen auf der Oberfläche hinweisen. Meiner Ansicht nach typische evaporitische Abscheidungen, vulgo Salzausblühungen.
Daher meine Frage: Wie hast Du den Lösungstest hinsichtlich Salzidentifikation durchgeführt? Ein großer Salzbrocken braucht einige Zeit, bis sich so viel Salz an der Oberfläche gelöst hat, dass es optisch auffällt. Am besten bricht man dazu ein möglichst kleines Stück des Brockens ab und gibt es in warmes Wasser. Und dann wartet man durchaus einige Zeit, um sicher sein zu können, dass es wirklich überhaupt nicht löslich ist, oder hilft mit Rühren nach. Mal schnell einen Brocken unter Wasser abspülen oder eintauchen hat nämlich keinen großen, sichtbaren Effekt.
Für mich spricht nämlich einiges dafür, dass es sich doch um Steinsalz handelt. Neben den Ausblühungen auch die Lösungserscheinungen auf der Oberfläche sowie die Rissbildung. In genau dieser Art kann man sie in den süddeutschen Steinsalzlagerstätten (z. B. Bad Friedrichshall, für jeden zugänglich) nämlich beobachten. Das Stück sieht ganz, ganz typisch aus wie ein Steinsalzbrocken, der länger von Wasser umspült wurde oder in einer nassen Umgebung gelagert hat. Exakt so sehen die Wände des Besucherbergwerks Bad Friedrichshall aus, aufgrund des jahrzehntelangen Feuchtigkeitseintrags durch Bewetterung und die Ausdünstungen der Besucher.
Wie Steinsalz wiederum in Deine Baustelle gekommen ist, ist ein anderes Thema, aber vorher würde ich gerne wissen, ob sich auch wirklich nicht das kleinste Körnchen von dem Material in Wasser löst. Und wenn es eine ganze Nacht dauert...
Gruß,
Rainer