Gesteine / Rocks / Rocas > Geschiebe / Glacial erratic

Grünes Gestein

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Sprotte:
Hallo alle zusammen,

ich vermute zwar, dass es sich bei dem Geschiebe um ein metamorphes Gestein (Breite: 8,5 cm) handelt, wobei das Edukt wohl ein Vulkanit war. Für mich eigenartig ist jedoch die insgesamt hohe Porosität, die sich einerseits in einer sehr feinkörig-porigen Grundmasse und andererseits in elipsoiden, teilweise mit einer weißlichen und porigen Substanz verfüllten, mehrere Millimeter großen Hohlräumen bemerkbar macht.

In der bläulich-grünen Grundmasse befinden sich neben den bereits erwähnten Hohlräumen, dunkelgrüne Flecken und Schlieren und stark vergrünte (und daher nur schwer erkennbare) Feldspat(?)-Kristalle. Diese sind zwar teil zerbrochen, falls aber nicht, dann oft isomorph ausgebildet und beliebig ausgerichtet.

Der erste Eindruck des matt wirkenden Gesteins ist der von Kalkstein (mit Salzsäure gibt es jedoch keinerlei Reaktion), auch was das Benetzungs- und Trocknungsverhalten angeht.

Viele Grüße  :)
Sprotte

Jörg:
Hallo Ralf,

meinen herzlichen Glückwunsch, Du hast einen Tinguait gefunden. Entweder einer südlich von Särna, oder aus der Gegend um Skien (Telemark - Oslo-Rift).
Im Internet finden sich leider keinerlei Fotos von den Norwegern. Aber schau mal hier im Forum unter Tinguaite nach, da findest Du ein paar Beispiele (obwohl ich mir nicht mehr sicher bin, dass diese tatsächlich aus der Dalarna stammen, oder doch nach Norwegen gehören).
Versuch doch bitte nochmal ein Detailfoto von den Einsrpenglingen zu machen.

Glück Auf!
Jörg

Nachtrag: Die Farben kommen leider nicht richtig gut raus. Versuch mal mit Blitz (auch bei ausreichendem Tageslicht); und auf keinen Fall mit automatischer Bildkorrektur arbeiten, verfälscht immer die Farben.
Zur Bestimmung, wo hast Du ihn gefunden? Die wichtigste Frage lautet: Kommen am Fundort Rhombenporphyre vor?

Jörg:
Hallo Ralf,

noch was: Gut wäre eine exakte Größenangabe in den Bildern, da sich an den Aegirinnadeln auch einiges ablesen lässt.

Gruß
Jörg

Nachtrag:
Habe mal ein wenig verglichen. Lässt sich (zumindest dem ersten Eindruck nach), vermutlich am Ehesten der Dalarna zuordnen; hast Du am Fundort auf andere "Dalarnas" geachtet? Die kleinen rot-braunen Einsprenglinge könnten Cancrinit (ein Feldspatvertreter) sein. Die Mandeln müssten aufgrund des Fotos mit Calcit gefüllt sein. Auch die Verwitterung kommt den Tinguaiten aus der Dalarna nahe.
Ist übrigends kein Metamorphit sondern ein Ganggestein.

smoeller:
Hallo,

Tinguait könnte gut hinkommen. Die Kaiserstühler Tinguaite haben auch öfters diese graugrüne Farbe.

Das dunkle Mineral ist übrigens Aegirin-Augit. Reiner Aegirin ist eher selten in phonolithischen Gesteinen, oft sind es zonar gebaute Mischkristalle Aegirin-Augit.

Das rotbraune kann auch zersetzter Hauyn/Nosean sein, eine im Kaiserstuhl allgemein zu beobachtende Umwandlung. Dabei wird Hämatit abgeschieden, der dem u.a. aus Zeolithen bestehenden Umwandlungen die Farbe verleiht. 

Glück Auf!
Smoeller

Sprotte:
Hallo Jörg, hallo Smoeller,

vielen Dank für die Antworten. In der Tat kommt die Farbigkeit durch das verwendete Kunstlicht nicht richtig heraus. Bei Tageslicht ist das Gestein kräftig grau-grün gefärbt mit einem deutlichen Blaustich auf der geschliffenen Fläche.

Nachdem ich das Geschiebe angeschliffen hatte, dachte ich zu allererst auch an Tinguait, habe jedoch die Idee bei Vergleich mit Bildern und Beschreibungen schnell wieder verworfen. zumal das Geschiebe undeutlich-schlierig geschichtet erscheint. Aber gerade das zusammen mit allen anderen Merkmalen sind doch eigentlich deutliche Hinweise auf ein phonolithisches Gestein. In Zandstra (1988) wird eine Darstellung der vielen unterschiedlichen Typen von Tinguait (Herkunft aus Dalarna) gegeben, wobei auch Typen ohne Aegirin-Einsprenglinge dabei sind (in der Grundmasse ist jedoch Aegirin immer enthalten und verursacht deren grüne Färbung). Übrigens habe ich nirgends einen Hinweis auf Aegirin-Augit gefunden; es ist im Zusammenhang mit Tinguait aus Dalarna immer nur von Aegirin die Rede. Das ich Dalarna als Herkunftsgebiet favorisiere, liegt u.a. auch daran, das ich bisher kaum Geschiebe aus dem Oslo-Gebiet dafür jedoch häufig welche aus Dalarna ("Dalarna-Porphyre", Garberg-Granit, dunkler Älvdalen-Ignimbrit; mit Vorbehalt ließe sich hier auch Öje-Diabas-Porphyrit nennen) gefunden habe.

Neben Aegirin (wobei ich mir nicht sicher bin, ob die dunkelgrünen Schlieren wirklich mit Aegirin-EINSPRENGLINGEN assoziiert sind), treten als häufigste Einsprenglinge idiomorphe Feldspat(?)-Kristalle auf (die entweder grün gefärbt sind oder farblos sind und dann die Färbung der Grundmasse wiedergeben). Daneben kommen einige formlose rote Körnchen (Cancrinit? oder dessen Zersetzungsprodukt) und wenige idiomorphe Kristalle eines dunklen Minerals vor.

Viele Grüße
Sprotte

PS: Ich bitte um Entschuldigung für die doch recht schlechte Qualität der Bilder, was der altersschwachen Videokamera am verwendeten Mikroskop geschuldet war (ich versuche, mittels eines anderen Mikroskops bessere Bilder zu machen – dann auch von Aegirin).

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