Hallo!
ich habe halt Haarspray empfohlen, weil ich sehr gute Erfahrungen damit gemacht habe.
Diese Erfahrungen hängen auch wesentlich davon ab, in welcher Umgebung die eigene Sammlung lagert, um welche Art von Exemplaren es sich handelt (die Zerfallsfreudigkeit ist von Fundstelle zu Fundstelle verschieden), und über welchen Zeitraum diese Erfahrungen gesammelt wurden.
Ich wage zu behaupten: Die in einer Privatsammlung (und da schließe ich meine ausdrücklich nicht aus!) gesammelten Erfahrungen mit einer bestimmten "Pyrit"konservierungsmethode sind absolut nicht auf andere Fälle übertragbar, mangels reproduzierbarer Rahmenbedingungen. Außerdem hapert ein Vergleich meist schon daran, dass kein zusätzliches unbehandeltes Material mehr vorhanden ist. Könnte ja sein, dass es auch ohne die Behandlung eine ganze Weile gut gegangen wäre...
Der Vorteil von Haarspray ist der Umstand, dass es sich um einen wasserlöslichen Lacküberzug handelt, der jederzeit wieder abgewaschen werden kann, hinsichtlich seiner Eigenschaften aber genau das verhindert, was wir erreichen wollen.
Nämlich, dass Sauerstoff an die Stufe kommt und ein Oxidationzprozess in Gang gesetzt, oder fortgeführt wird.
Eine ausblühungsgefährdete Stufe zusätzlich mit Wasser abzuwaschen ist, wie einem Grippekranken einen Saunagang zu verordnen

Wenn schon, empfiehlt sich Ethanol.
Der erwähnte Oxidationsprozess benötigt übrigens zwei Komponenten: Sauerstoff
und Wasser. Beides gelangt aus der Raumluft in eine Stufe, und Haarspray hält das auch nicht auf. Weder ist die Lackschicht nach dem Auftragen völlig geschlossen (irgendwo ist immer noch eine Pore offen), noch hält sie großflächig dauerhaft dicht. Sie altert, wird porös, bekommt Risse, und nutzt sich auch durch Handling schlicht ab. Es ist dabei unerheblich, ob man das makroskopisch sieht.
D. H., sie muß gereinigt werden , wobei erst einmal schon vorhandene Ausblühungen entfernd werden müssen, Wasserreinigung, Ultraschall, dann sollte die Stufe völlig ausgetrocknet werden.
Beim Ultraschall stimme ich zu, es ist sehr wichtig, dass die Waschflüssigkeit (kein Wasser!) in alle Poren des Gesteins eindringen kann.
Ich hab die jetz mal rausgekramt und unterm Bino betrachtet, weil Du ja unbedingt Beweise haben willst!
Da blüht nix, die Oxidation wurde absolut erfolgreich gestoppt und die Stufe hat nach wie vor keinen unnatürlichen Glanz, wegen mattem Haarspray!
Solche Stücke hatte ich auch schon, außen wunderbar intakt - dafür innen fleißig am Blühen. Meistens merkt man es erst, wenn die (noch) intakte Oberfläche beginnt, Risse zu zeigen.
Ich will nicht behaupten, dass Dein hier als Beispiel genanntes Stück garantiert innen schon blüht! Aber Deine singuläre Beobachtung an einem Stück ist noch lange kein Beweis.
Wer genug Geld hat, kann das gerne auch zum Fenster rausschmeißen!
Rausgeschmissen wäre das Geld nur, wenn die beiden anderen, von Profis angewendeten Methoden erwiesenermaßen weniger wirkungsvoll wären als die Haarspraymethode. Zumindest unter kontrollierten Bedingungen zeitigen sie aber durchaus ebenfalls positive Resultate.
Natürlich, wenn man jede Markasitstufe aus dem Dutzendlot so aufwendig behandeln will, obwohl man sich an der Fundstelle jederzeit Ersatz besorgen kann - dann verbrennt man wirklich Geld. Das große Besteck macht man nur mit Stücken, die es (einem) auch wert sind.
Ich finde es immer wieder ein wenig zwiespältig, wenn man zwar Geld ausgibt, um zu Fundstellen zu fahren oder um Stufen zu erwerben, aber dann bei der Konservierung wegen jedem zusätzlichen Euro jammert.
Übrigens: Zerfallsgefährdete Stücke kann man zeitlich unbegrenzt in Aceton oder in einer sauerstoff- und wasserfreien Schutzatmosphäre lagern, was den Zerfall garantiert stoppt. Und Aceton kostet nicht die Welt.
Gruß,
Rainer
PS: Während ich noch schrieb, hat Harald eine sinngemäß fast identische Antwort verfasst. Zu jedem denkbaren Konservierungsansatz gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, die teilweise auch frei im Web verfügbar sind, wenn man nach ihnen sucht (archäologische Publikationen sind da mitunter eine echte Fundgrube, die Kollegen haben nämlich ganz ähnliche Probleme). Ich bevorzuge darunter diejenigen Methoden, deren Funktionsprinzip mir möglichst lückenlos, widerspruchsfrei und mit den Gesetzen der Physik und Chemie im Einklang stehend dargelegt wird.