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Autor Thema: Geschiebe vom Oslograben?  (Gelesen 5183 mal)

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Offline Sprotte

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Geschiebe vom Oslograben?
« am: 26 Nov 11, 16:08 »
Hallo,

Nordwestmecklenburg liegt zwar noch im, aber dennoch schon sehr am Rande des Geschiebestreufächers von Gesteinen aus dem Oslograben, so dass diese dort nur recht selten gefunden werden. Dennoch glaube ich aufgrund der Petrografie sowie des allgemeinen Erscheinungsbildes, dass es sich bei dem Geschiebe um Oslo-Basalt (bzw. Oslo-"Essexit"-Porphyrit), also um ein Erguss- bzw. Ganggestein aus dem Oslogebiet handelt.

Das dunkelgrüngraue Geschiebe (Breite: 4,5 cm, Durchmesser des Anschliffs: 2 cm) weist eine hohe Dichte auf, wobei das Gefüge von idiomorphem, zonar aufgebauten Plagioklas und schwarzem Augit dominiert wird. Weiterhin kommen dunkelbraune Körner, wohl serpentinierter Olivin, und viel Erz, insbesonder Magnetit (ein kleiner Dauermagnet bleibt am Stein hängen), vor. In den Zwickeln zwischen den im Allg. 1-6 mm großen Kristallen, die deutlich mehr als die Hälfte des Volumens einnehmen, befindet sich eine sehr feinkörnige bis dichte Masse.

Viele Grüße
Sprotte

Offline Jörg

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Re: Geschiebe vom Oslograben?
« Antwort #1 am: 26 Nov 11, 17:33 »
Hallo Sprotte,

was hälltst Du von einem Asby-Diabas? Hast Du es mit schon einem Magneten versucht? Die Dinger sind oft (allerdings nicht immer) leicht magnetisch. Die von Dir beschriebenen Gemengeanteile würden eher dafür sprechen. Für Oslo wäre der Fund sehr untypisch (aber das muss ja nichts heißen, s. den grauen Ignimbrit mit den Rhombenporphyr-Klasten :-).

Glück Auf!
Jörg

Offline Sprotte

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Re: Geschiebe vom Oslograben?
« Antwort #2 am: 26 Nov 11, 18:19 »
Hallo Jörg,

Asby-Diabas schließe ich aus (obwohl sich dieser aus Plagioklas, Augit, mehr oder weniger Magnetit und unter Umständen auch Olivin zusammensetzt ist) da ich diesen sehr häufig finde, und die Plagioklas-Kristalle (bei dem Geschiebe, dass ich gerade vor mir liegen habe, sind diese bis 15 mm lang - dessen Herkunft kann (mit großem Vorbehalt) in Mittelschweden verortet werden) zu einem typischen ophitischen Gefüge verwachsen sind. Bei dem gezeigten Stück ist das nicht der Fall. Weiterhin füllen in nicht allzu feinkörnigen Varanten des Asby-Diabas die Kristalle der dunklen Minerale die Zwischenräume zwischen den Plagioklas-Kristallen gleichmäßig aus ohne Zwickel aus einer dichten Zwischenmasse zu bilden. Beim vorliegenden Stück ist das Gefüge jedoch korngrenzengestützt.

Viele Grüße
Sprotte

Offline Jörg

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Re: Geschiebe vom Oslograben?
« Antwort #3 am: 26 Nov 11, 19:55 »
Hallo Sprotte,

dann bleibt echt nur noch der Oslo-Basalt übrig. Etwas anderes vergleichbares mit Herkunft Schweden wäre mir gänzlich unbekannt. Ungewöhnlich für Oslo sind allerdings die schwarzen Minerale, bei den Norwegern ist die Matrix i.d.R. feinstkörnig. Aber die Dinger haben einen schon oft genarrt in ihrer Vielfalt.

Glück Auf!
Jörg

Offline Sprotte

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Re: Geschiebe vom Oslograben?
« Antwort #4 am: 27 Nov 11, 13:03 »
Hallo Jörg,

ich habe mir nochmals die Beschreibungen und Abbildungen in Zandstra (1999) (Nr. 253) und Zandstra (1988) sowie Rudolph (2008)  angesehen und denke doch, dass es sich bei dem vorliegenden Stück tatsächlich um Oslo-"Essexit"(-Porphyrit) handeln könnte, der Entsprechung des Ergussgesteins Oslo-Basalt als Ganggestein.

Zum Vergleich stelle ich hier noch ein Geschiebe von Asby-Diabas rein (max. Breite: 5 cm; die Bereiche zwischen den Plagioklas-Leisten sind vollständig mit etwa 1-2 mm Kristallen von Augit und etwas Erz gefüllt). Für Asby-Diabas ist es typisch, dass die Plagioklas-Leisten usprünglich grau gefärbt sind und erst durch Verwitterung eine weiße Färbung annehmen. Beim zuerst gezeigten Stück scheint das nicht der Fall zu sein.

Viele Grüße
Sprotte

PS: Unter http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,21573.msg175791.html#msg175791 wird ebenfalls ein (allerdings ziemlich verkrustetes) Geschiebe von Asby-Diabas abgebildet.
« Letzte Änderung: 27 Nov 11, 13:11 von Sprotte »

Offline Jörg

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Re: Geschiebe vom Oslograben?
« Antwort #5 am: 27 Nov 11, 13:33 »
Hallo Sprotte,

auch dieses Rätsel ist gelöst  :)
Was ich persönlich merkwürdig finde, dass ich in der Jammerbucht (bis zu 50% Anteil an Oslo-Gesteinen) bislang noch keinen einzigen Essexit gefunden habe, warum auch immer  ???

Die besten Grüsse und Glück Auf!
Jörg

Offline Breker

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Re: Geschiebe vom Oslograben?
« Antwort #6 am: 27 Nov 11, 23:10 »
Hallo,

dann bleibt echt nur noch der Oslo-Basalt übrig. Etwas anderes vergleichbares mit Herkunft Schweden wäre mir gänzlich unbekannt. Ungewöhnlich für Oslo sind allerdings die schwarzen Minerale, bei den Norwegern ist die Matrix i.d.R. feinstkörnig. Aber die Dinger haben einen schon oft genarrt in ihrer Vielfalt.

Bei nur einem Bruchteil bekannter Skandinavischer dunkler Ganggesteine halte ich eine Bestimmung nach dem Ausschlussverfahren für reichlich unsicher.  Im Zweifelsfall hilft aber sicherlich eine direkte Anfrage bei den Kollegen VINX oder OBST....

Gruß...
« Letzte Änderung: 27 Nov 11, 23:28 von Breker »

Offline Sprotte

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Re: Geschiebe vom Oslograben?
« Antwort #7 am: 28 Nov 11, 08:51 »
Hallo Breker,

da hast du natürlich recht. Daher habe ich meine Aussage auch vorsichtig formuliert ("handeln könnte").

Viele Grüße
Sprotte

Offline Jörg

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Re: Geschiebe vom Oslograben?
« Antwort #8 am: 28 Nov 11, 15:24 »
Hallo Breker,

klar, Ausschlussverfahren sind nicht der Königsweg, aber für Geschiebesammler trauriges tägliches Brot. Was bleibt uns denn anderes übrig, als uns auf eine makroskopisch gestützte Bestimmung als ersten Verdachtsfall zu stützen? Weitere Hinweise sind dann Geschiebefächer (möglich oder unmöglich), wobei selbst bei "unmöglich" immer wieder Ausnahmen auftreten (PR`s sind auch auf Rügen gefunden worden). Und gerade bei den Vulkaniten stehen dann Spekulationen an, da selbst Leitgeschiebe sich nicht immer in ihrer klassischen Form zeigen und gerne zwischen Varianten und Übergängen schwanken, die ein konkretes und sicheres Ansprechen erschweren. Ich persönlich bin der Meinung, lieber ein wenig mehr Spekulation in die Bestimmung mit Einfließen zu lassen als zu wenig, und als ein vermeintlich sicheres Geschiebe spontan als solches zu betiteln (natürlich gibt es Ausnahmen, die keine andere Herkunft zulassen). Dafür gibt es doch den MA, dass mehrere Meinungen einfließen sollen. Nehmen wir nur das Beispiel des Rhombenporphyrs. Herkunft: Na klar - Oslo-Region! Aber stimmt das wirklich immer ...? Oder den Särna-Tinguait. Für diesen wird im kommenden Jahr eine Publikation erscheinen, welche für mind. 50% aller diesbezüglichen, jütländischen Geschiebefunde ein gänzlich anderes Anstehendes aufzeichnet. Wir können uns also nur auf die aktuelle Literatur zur Geschiebekunde berufen, die sich in einem fast täglichen Wandel mit einhergehenden Korrekturen befindet. Warum also kein Brainstorming? Je mehr Ideen gepostet werden, umso besser. Will ich bei unklaren Stücken Gewissheit, muss ich mit Hammer und dünnem Sägeblatt ran. Aus einem Dünnschliff werden i.d.R. mehrere, und wer dieses nicht selber durchführen, geschweige denn das Ergebniss selbst bestimmen und bewerten kann, hat ein Problem. Die Gelder in den Unis sind rar wie nie zuvor, selbst Prof`s müssen heute um Dünnschliffe fast betteln. VINX und Co. anzusprechen ist natürlich auch eine Möglichkeit, aber in diesem Fall werden diese auch zu keinem anderen Ergebniss kommen. Anfang Januar kann ich VINX und Co. gerne einen Print von diesem Stück vorlegen (Orig. wäre besser, auch dass ist klar). Doch wir werden uns damit abfinden müssen, dass auch mal das eine oder andere Geschiebe im Nachhinein, und nach vielen Jahren, eine namentliche Korrektur findet. Erst kürzlich stand ich mit einem namantlich bekannten Profi in einer Geschiebesammlung, welche er zum Großteil selbst zusammengetragen hat. Mit einem Schmunzeln bemerkte dieser, dass heute "...doch einige Stücke falsch beschriftet sind." Wir können bei vielen Geschieben nur versuchen, eine größtmögliche "Annäherung" zu finden.
Wie Deinen Postings zu entnehmen, scheinst Du ja über eine gute fachliche Kompetenz (geologisch, petrologisch/-graphisch?) zu verfügen, aber gestatte mir eine persönliche Anmerkung: Je länger ich mich mit der Materie der Geschiebekunde beschäftige, je mehr betrachte ich harte Fakten zuerst als fraglich und ziehe immer öfters Alternativen mit in Betracht, zu denen auch Ausschlussverfahren zählen. Erst ein offener Umgang der Materie in verschiedene Richtungen, bringt manchmal ein Ergebniss, obwohl der Haufen der Problematika immer größer wird.

Aber noch mal was anderes an die Aktiven in der Sparte "Geschiebe": Was haltet ihr davon, wenn wir uns mal gegenseitig kurz vorstellen, evtl. via PM? Ich denke, dass dadurch im Vorfeld vermieden werden kann, dass dieser threat irgendwann in "Brustgetrommel" ausarten könnte.

Glück Auf!
Jörg
« Letzte Änderung: 28 Nov 11, 15:52 von Jörg »

Offline Breker

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Re: Geschiebe vom Oslograben?
« Antwort #9 am: 28 Nov 11, 16:59 »
Hallo Jörg,
Ich persönlich bin der Meinung, lieber ein wenig mehr Spekulation in die Bestimmung mit Einfließen zu lassen als zu wenig, und als ein vermeintlich sicheres Geschiebe spontan als solches zu betiteln (natürlich gibt es Ausnahmen, die keine andere Herkunft zulassen).
Gut, da sind wir dann unterschiedlicher Meinung. Ich halte nicht viel davon auf Teufel komm raus einen Namen auf einen Zettel schreiben zu müssen, egal wie haaresträubend die Herleitung auch sein mag. Entweder ein halbwegs eindeutiges Ergebnis oder gar keins.

Nehmen wir nur das Beispiel des Rhombenporphyrs. Herkunft: Na klar - Oslo-Region! Aber stimmt das wirklich immer ...?
Nein. Es gibt noch 2 Vorkommen auf dem Kilimandscharo und 5 in der Antarktis. Die möchte ich in Norddeutschland aber erstmal ausschließen (sie sehen im Detail auch ein wenig anders aus als die 16 Typen aus dem Oslogebiet.)

Will ich bei unklaren Stücken Gewissheit, muss ich mit Hammer und dünnem Sägeblatt ran.
Hammer und Lupe, Taschenmesser und HCl reichen inden meisten Fällen völlig aus.

VINX und Co. anzusprechen ist natürlich auch eine Möglichkeit, aber in diesem Fall werden diese auch zu keinem anderen Ergebniss kommen.
Auch VINX, OBST oder BRÄUNLICH werden sich hüten etwas als Essexit anzusprechen wenn sie nicht eindeutig Feldspatvertreter entdecken können. (Einer der drei hat das in o.g. Link ja auch schon getan).

Je länger ich mich mit der Materie der Geschiebekunde beschäftige, je mehr betrachte ich harte Fakten zuerst als fraglich und ziehe immer öfters Alternativen mit in Betracht, zu denen auch Ausschlussverfahren zählen. Erst ein offener Umgang der Materie in verschiedene Richtungen, bringt manchmal ein Ergebniss, obwohl der Haufen der Problematika immer größer wird.
Da der Bearbeitungsstand relativ schwach ist sind die harten Fakten relativ weich (eigene Geländebefunde mal abgesehen) da ist auch der ZANDSTRA in Teilen fraglich. Und meine fachliche "Kompetenz" beschränkt sich auf eine schon vor Jahren abgeschlossene Geologieausbildung und einige Jahre Tätigkeit in Skandinavien... Mehr nicht...

Glück Auf!

Offline Jörg

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Re: Geschiebe vom Oslograben?
« Antwort #10 am: 28 Nov 11, 18:52 »
Hallo Breker,

Zitat
Gut, da sind wir dann unterschiedlicher Meinung. Ich halte nicht viel davon auf Teufel komm raus einen Namen auf einen Zettel schreiben zu müssen, egal wie haaresträubend die Herleitung auch sein mag. Entweder ein halbwegs eindeutiges Ergebnis oder gar keins.
Da hast Du mich absolut mißverstanden, bzw. ich mich falsch oder verwirrend ausgedrückt; ich wollte das genaue Gegenteil damit zum Ausdruck bringen, eben das nicht gleich ein Zettel drauf muss.

Zitat
Nein. Es gibt noch 2 Vorkommen auf dem Kilimandscharo und 5 in der Antarktis. Die möchte ich in Norddeutschland aber erstmal ausschließen (sie sehen im Detail auch ein wenig anders aus als die 16 Typen aus dem Oslogebiet.)

Obwohl nahe des Oslo-Rift, ist eine Herkunft aus Schweden anstatt aus Norwegen doch auch möglich.
Zandstra (1988): "Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass Rhombenporphyr in situ sowohl weiter im Westen, bis nahe Grimstad, als auch weiter im Osten, bis nach Bohuslän, vorkommt. Der Umfang dieser Ausläufer ist jedoch sehr gering..."
*Zandstra J. G. 1988: Noordelijke kristallijne gidsgesteenten, E. J. Brill 1988 S. 408
*Samuelsson L. 1971: The relationship between Permian dikes of dolerite and rhomb porphyry along the Swedish Skagerrak coast, SGU serie C 663 S. 1-51
 *Thorning L.†, Abrahamsen N. 1980: Palaeomagnetism of Permian multiple intrusion dykes in Bohuslän, SW Sweden,
Geophysical Journal of the Royal Astronomical Society 60, 2, S. 163–185.
Das mag zwar nach Haarspalterei klingen, aber alle RP`s stammen halt nicht aus Norwegen.

Zitat
Hammer und Lupe, Taschenmesser und HCl reichen inden meisten Fällen völlig aus.
Für einen Profi vielleicht. Ich als Laie habe da bei Foiden so meine Probleme, z. B. bei Cancrinit vs. Feldspat.

Zitat
Auch VINX, OBST oder BRÄUNLICH werden sich hüten etwas als Essexit anzusprechen wenn sie nicht eindeutig Feldspatvertreter entdecken können. (Einer der drei hat das in o.g. Link ja auch schon getan).
VINX und BRÄUNLICH (OBST kenne ich leider nicht), sind zugegeben sehr genau bei Ansprachen, und nur wenn sie sich zu 100% sicher sind. Doch die wenigsten Laien, die sich mit der Geschiebekunde auseinander setzen, verfügen über das Wissen dieser drei Herren. Man kann nur das verwenden, was einem vorliegt. Und es liegt nun einmal in der menschlichen Natur, sein angesammeltes Wissen anzuwenden und sich vorerst daraus eine, für den Augenblick gültige Meinung zu bilden.

Zitat
Und meine fachliche "Kompetenz" beschränkt sich auf eine schon vor Jahren abgeschlossene Geologieausbildung und einige Jahre Tätigkeit in Skandinavien... Mehr nicht...
Das ist doch wunderbar, ein Fachmann von der Front (keinesfalls sarkastisch gemeint!). Dann dürfen wir ja hoffen, dass Du uns auch weiterhin mit Deinem fachlichen Wissen zur Seite stehst und diesen threat bereicherst. Ich pers. bin nur ein interessierter Laie (kein geowissenschaftliches Studium), der sich nach seinem Ruhestand ein wenig mehr mit seinem Hobby beschäftigen, und Lücken füllen möchte. Und wenn Du Dich zumal noch gut mit Geschieben auskennst, super.

In dem Sinn, Glück Auf!
Jörg

 

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