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Olivin, Chrysotil, Antigorit
vanderheide:
Da ich als Leihe nicht ins Board der qualifizierten Diskussionen hineingehöre, möchte ich hier eine Frage zum Olivin-Beitrag vom Collector stellen.
Ich möchte für diesen ausführlichen Beitrag herzlich danken. Spannend zum Lesen!!
Die Olivin-Bomben scheinen aus zusammengekitteten, zerkleinerten Edelsteinchen zu bestehen. Sie haben ihre ursprüngliche Kristallgestalt verloren oder eine solche nie gehabt. Den Stein von Lanzarote scheint noch etwas Kristallinem anzuhängen.
Chrysotil fand ich in der Clemgiaschlucht (Vulpera, Scuol, GR, Schweiz). Mir fiel auf, dass ich es immer wieder in Bruchflächen des Serpentins vorfand. Es verband sich nirgends mit dem Serpentinit, sondern schien in den Spalten des Gesteins wie eingeflossen zu sein.
Ganz anders sah der Antigorit aus (Motta Naluns, GR, Schweiz). Ich las, dass Antigorit sich aus denselben Stoffen zusammensetzt als Chrysotil. Es sieht wie zerbrochene Plätchen aus, die in einer Grundmasse (Serpentinit) eingelagert sind. Diese Plätchen geben bei einem bestimmten Winkel des einfallenden Lichtes eine starke Reflexion. Das tut Chrysotil – so wie ich es vorfand – nicht.
Mag Chrysotil wie Antigorit aus denselben Mineralien wie Olivin bestehen, so wurde mir erzählt (Geologe aus der Auvergne): Die Olivin-Bomben können aus 60 Km Tiefe kommen.
Über Serpentinit lass ich: es war Oceanboden zwischen den Europäischen- und Afrikanischen Platten.
Mag der Ocean tief gewesen sein, dann war dieser Boden doch die Erdoberfläche (halt unter Wasser).
Was ist mit dem Olivin auf dem Weg in den Oceangrund passiert? Wurde es flüssig? Füllte es Spalten aus? Wieso wandelte es sich einmal in Chrysotil, dann wieder in Antigorit?
Ich hoffe, habe nicht zu komplizierten Fragen gestellt!!
Gruss
Hans
vanderheide:
weitere Aufnahmen
vanderheide:
Die letzte Aufnahme: ein relativ grosses Stück Chrysotil.
Hier Details zu Chrysotil in Serpentinit.
Und Antigorit in Serpentinit.
vanderheide:
Und zuletzt: das Gräulich, Bläuliche - sind eher "Flecken" - scheinen mir weder Chrysotil noch Antigorit zu sein.
Ob jemand das kennt?
smoeller:
Hallo Hans,
Frohes Weihnachtsfest!!!
Serpentin entsteht aus Olivin durch Metasomatose (Metamorphose mit Stoffzufuhr), bei niedrigen bis mittleren Temperaturen unter Wasserzufuhr. Bei der Subduktion der ozeanischen Platten (die nur ca. 8 km mächtig sind) entstehen tiefreichende Spalten und Risse, durch die Wasser in den unterliegenden obersten (festen) ERdmantel eindringt. Dabei wird sowohl der Basalt der Ozeankruste der abtauchenden Platte als auch der Mantel intensiv umgewandelt. Der obere Erdmantel besteht v.a. aus Olivin (neben Plagioklas/Spinell, Enstatit und Chromdiopsid). Dieser Olivin wirde dabei in Serpentin umgewandelt. Dieser dient als Schmiermittel, auf dem die abtauchende Platte gleitet.
Bei der Auffaltung von Gebirgen infolge Kollision zweier Erdplatten kann es dazu kommen, dass Spähne von Mantelmaterial in die Kruste eingeschuppt werden. Das passierte auch in den Alpen, wo man Serpentinite, Granat- und Spinellperidotite sowie Eklogite, Blauschiefer und andere Hochdruckgesteine aus Erdtiefen bis über 100 km finden kann.
Serpentin ist eine Mineralgruppe. Dazu gehören Lizardit, Chrysotil und Antigorit. Die Bestimmung der einzelnen Bestandteile erfordert oft analytische Methoden (XRD oder Elektronenmikroskopie). Der Chemismus ist derselbe, die Anordnung der Schichten eine andere. Das kann man sich wie Wellpappe vorstellen. Beim Chrysotil ist die Wellpappe wie eine Tapetenrolle aufgerollt, wodurch eine Faser entsteht. Beim Antigorit sind kurze, gebogene Abschnitte der Wellpappe mit abwechselnd nach oben und nach unten gerichteten Zacken zu Platten angeordnet. Dadurch entstehen Plättchen.
Das Problem ist, dass man im Handstück selten eine genaue Unterscheidung treffen kann, wenn man nicht Fasern oder Plättchen sieht. So erscheinen dichte Serpentinite aus dem Schwarzwald meist auf den ersten Blick als Lizardit, in Wahrheit handelt es sich aber um Verwachsungen von Chrysotil und Antigorit.
Glück Auf!
Smoeller
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