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Mineraliensammeln in Baden-Württemberg
smoeller:
Hallo,
Angeregt durch die schockierenden Nachrichten über den Denkmalschutz und die Raubgräberei im Münstertal/Südschwarzwald habe ich mich mal mit der Problematik befasst.
Leider ist es wohl nach dem Denkmalschutzgesetz so, dass alle Zeugen des Bergbaus als Bodendenkmal gelten und ohne Genehmigung der unteren Denkmalschutzbehörden selbst das oberflächennahe Schürfen nach Mineralien (ich spreche hier nicht von metertiefen Löchern) eine Ordnungswiedrigkeit darstellt, die mit einer Geldbuße (bis zu 250.000 Euro!!!) geahndet werden kann.
Nach Auskunft eines Verantwortlichen des Regierungspräsidiums Freiburg wäre es vonnöten, jede einzelne Aktion mit der zuständigen Behörde abzustimmen. Das hieße, jede einzelne Suchaktion an jeder einzelnen Fundstelle müsste im Vorfeld genehmigt werden. Eine Genehmigung für einen Landkreis oder das ganze Land ist nicht zu bekommen. Damit wird im Prinzip das Hobby unter Strafe gestellt. Der einzige Weg wäre noch, die Sammlung nur noch über Aufkäufe zu erweitern. Aber das wäre ja dann Hehlerei, oder? Zumindest, wenn die Mineralien aus neueren Schürfen stammen.
Unter diesen Bedingungen ist an eine Suche nach Mineralien im gesamten Schwarzwald nicht mehr zu denken.
Ich denke noch über die Konsequenzen nach. Letztendlich wird es wohl darauf hinauslaufen, dass ich das Hobby aufgebe und die Sammlung einem Museum vermache. Jedenfalls ist es mir nicht möglich, unter den gegebenen Umständen weiter Mineralien zu sammeln. Der Schwarzwald sieht mich jedenfalls so schnell nicht wieder.
Das alles geschieht aus öffentlichem Interesse. Welche Öffentlichkeit aber? Jedenfalls kann es nicht im Sinn eines Natur- und Bergbauinteressierten und Mineraliensammlers mit wissenschaftlichem Anspruch sein, dass jegliche seiner Handlungen kriminalisiert wird. Inzwischen ist es schon so weit, dass man nur noch auf vorgeschriebenen Wegen die Natur genießen darf. Jede weiterführende Beschäftigung reibt sich mit den Schutzinteressen der Obrigkeit. Bleibt nur noch die Betrachtung im Museum. Wenn wir uns nich wehren und unseren Standpunkt klar machen, können wir bald alle einpacken.
Dabei sind wir, die Sammler, diejenigen, die letztlich der Wissenschaft die meisten Dienste erweisen. Sind wir es nicht, die unermüdlich nach neuen Zeugnissen der Natur und des Bergbaus suchen und diese beschreiben? Ohne uns wären viele Mineralien unbeschrieben, die Geschichte mancher Grube wäre ohne das Interesse der Hobbyforscher oft nicht einmal beachtet worden. Statt diese Leistungen anzuerkennen und uns wenigstens einige Rechte einzuräumen, werden wir als "Mineraliendiebe" und "Raubgräber" tituliert.
Unter diesen Bedingungen kann ich nicht mehr weitermachen mit dem Sammeln und mit meinem Beruf.
Glück Auf!
Sebastian Möller
loismin:
Hallo Sebastian.
Da ist genau das passiert was in Österreich z. Teil schon lange so wäre, wenn die Sammler sich nicht zusammengeschlossen hätten zu einer Interessengemeinschaft und mit den Öffentlichen Organen verhandelt hätten !
Das wäre mal der erste Weg hier etwas zu ändern.
Wo ist denn da der VFMG ??
Das ist ja mal zumindest eine übergeordnete Instanz, die sich da mit aller Macht dagegen wehren müßte !!
Es muß nur auch klar gemacht werden, daß die Mineraliensammler auch ein Wirtschaftsfaktor in der Region sind.
Ansetzen könnte man da mal bei verschiedenen Bürgermeistern, die wenigstens ein bißchen Interesse an unserem Hobby zeigen !
Loismin
Kluftknacker:
--- Zitat von: smoeller am 07 Feb 12, 14:21 ---selbst das oberflächennahe Schürfen nach Mineralien (ich spreche hier nicht von metertiefen Löchern) eine Ordnungswiedrigkeit darstellt, die mit einer Geldbuße (bis zu 250.000 Euro!!!) geahndet werden kann.
--- Ende Zitat ---
Hallo smoeller,
steht das explizit "so" in den Verwaltungsvorschriften drinnen, oder interpretierst Du "Mineral" als "Bodendenkmal"? Ist ein Mineral immer "Zeuge des Bergbaus"? Es gibt ja auch andere Aufschlüsse.
Eine ähnliche Diskussion hatte ich einmal im Harz (Naturpark-Bereiche). Auf die Bitte nach Definition der (hier wichtigen) "belebten Bodenschicht" kam nur vage Deutungsversuche einer Sachbearbeiterin. Diese halten keiner gerichtl. Bewertung stand. Vielleicht ist er hier genauso. Also erstmal: No panic!
--- Zitat von: loismin am 07 Feb 12, 14:35 ---Wo ist denn da der VFMG ??
Das ist ja mal zumindest eine übergeordnete Instanz, die sich da mit aller Macht dagegen wehren müßte !!
--- Ende Zitat ---
;D, die bekommen ja nicht einmal ordentlichen Wahlen und Abstimmungen in den eigenen Reihen geregelt. Schön wär's ja...
Kluftknacker
Brodi69:
In allen Ländern dasselbe... Die Franzosen kämpfen ebenfalls gegen ultimative Verbote. Der schweizer Verband SVSMF hilft denen auf Anfrage mit Vorschlägen, wie allenfalls damit umgegangen werden kann. Aber das ist nicht einfach, weil es immer wieder in unseren eigenen Reihen schwarze Schafe gibt, die unter Mineraliensuchen eben die genannten Metertiefen Löcher hinterlassen, meist noch mit Abfall drin...
Der Ehrenkodex der schweizer Strahler hält die Natur hoch und besagt damit auch, dass aufzuräumen ist... wenn sich jeder an Moral und Anstand hält und die Natur ehrt, so werden sich auch Lösungen finden => der VFMG ist da wohl gefordert... es braucht jedenfalls mehr als gute Worte, Taten im Sinne der Ordnung sind gefragt, sonst ist unser Hobby an immer mehr Orten nicht mehr möglich... Ich für meinen Teil werde auch weiterhin im Schwarzwald Mineralien suchen gehen, und jede Wette, wenn ihr nicht mitten drin steht, werdet ihr nie die Stellen finden, an denen ich fündig war... eine Selbstverständlichkeit für jeden von uns!
Axinit:
Servus,
--- Zitat von: Kluftknacker am 07 Feb 12, 14:46 --- No panic!
--- Ende Zitat ---
Genauso werde ich das auch bei meinem naechsten Besuch im Schwarzwald bzw. in BW-Land sehen !
Wo kein Klaeger, da kein Richter !
Die allermeisten Sammler fuehren keine gewinnorientierten Raubgrabungen durch, zerstoeren keine Bodendenkmaeler (soweit diese als solche erkennbar sind), hinterlassen keine Schlachtfelder, befahren keine Forstwege, veraergern die lokale Bevoelkerung nicht ... und fahren damit gut. Dazu braucht man keinen "Ehrenkodex" - das sollte einem schon der gesunde Menschenverstand eingeben.
Sogar im Elsass bzw. in den Vogesen, wo z. T. mit wirklich harten Bandagen ("Brigades vertes") und empfindlichen Geldstrafen (Schnellrichter: 6000 € oder Haft) gegen "Raubgraeber" vorgegangen wird, haben mich schon Forstbeamte (!) mit dem Gelaendewagen zu allen moeglichen Stollenmundloechern und Halden gefahren, die ich vielleicht selbst nie gefunden haette ;D.
Natuerlich gibt es immer wieder Negativbeispiele von ruecksichtslos gepluenderten Fundstellen (BADENWEILER, Gremmelsbach :o) - hier hilft nur der Kaufboykott: wo kein Absatzmarkt, da kein Raubbau.
Es waere schoen, wenn die VFMG hier einen Gegenpol zu den staatlichen Behoerden bilden wuerde, aber da bin nicht (mehr) sehr optimistisch.
GA
Harald
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