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Unterrepräsentierte Länder auf dem Mineralienmarkt

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Tobi:
Hallo alle miteinander,

als langjähriger Sammler weltweiter Mineralien grüble ich schon seit Langem an einer Frage: Wenn ich mir anschaue, welche Länder heute den Mineralienmarkt dominieren, dann sind das - logischerweise - solche, die erstens recht groß sind und zweitens aufgrund ihrer Geologie natürlich sehr viele Mineralien beherbergen (China, Namibia, Marokko, Mexiko, Pakistan mal als prominente Beispiele). Auch Länder wie die USA oder Russland sind natürlich schon immer mit einer gigantischen Fülle von Mineralien gesegnet, ebenso Brasilien.

Wenn ich mir genau jene zwei optimalen Voraussetzungen für Mineralreichtum (1. große Fläche, 2. durch hohe geologische Aktivität geprägt) anschaue, dann entstehen auf meiner geistigen Landkarte ein paar Fragezeichen. Natürlich gibt es viele Länder, bei denen es kein Wunder ist, dass sie uns kaum Mineralien liefern (Niederlande, Dänemark, Bangladesh, Saudi-Arabien und und und).

Aber meine ganz großen Fragezeichen stehen bei ARGENTINIEN und KANADA. Beides gigantische Länder, beide geprägt von Mittel- und Hochgebirgen. Das erste der Länder ist sogar nach einem Edelmetall benannt! Klar kennt man aus Argentinien ein paar Klassiker, ich denke an die Rhodochrosit-Stalaktiten aus der Capillitas Mine oder auch so manche Erze. Oder auch Kanada: Natürlich gibt es hier mit dem Mt. Saint-Hilaire ein mineralogisches Paradies, auch die Granate aus der Jeffrey Mine sind bekannt, oder auch die wunderschönen grünen Apatite in Calcit vom Otter Lake. Aber angesichts der Größe dieser Länder kommt mir das unglaublich wenig vor. Ich gebe zu, dass ich in Sachen Geologie nicht vom Fach bin, aber müsste Kanada als zweitgrößtes Land der Welt und voll mit Gebirgsregionen uns nicht mit ebenso vielen Mineralien überschwemmen wie China? Warum kennt man aus diesem riesigen Land so viel weniger Mineralien wie etwa aus den USA? Selbst das im Vergleich winzigkleine Deutschland hat wesentlich mehr Sammelklassiker hervorgebracht als das 10 Millionen Quadratkilometer große Kanda.

Woran liegt das? Stimmt meine Wahrnehmung nicht und ich kriege einfach nichts von kanadischen Mineralien mit? Oder bin ich einfach falsch informiert und Kanada ist wesentlich ärmer an Mineralien, als ich das bei 10.000.000. km² voller gebirgiger Regionen annehme? Die gleiche Frage gilt für Argentinien: Bei Weitem nicht so riesig, aber im Vergleich zu anderen Ländern der Region kaum vertreten auf dem Markt.

Wäre froh, wenn mir jemand eine befriedigende Antwort darauf geben kann, warum in China quasi jede Woche irgendwelche riesigen Fluorite oder Calcite oder atemberaubende Wulfenite, Pyromorphite, Berylle und noch so viel mehr gefunden wird - während man aus dem ebenso großen Kanada so gut wie kaum was hört auf dem Mineralienmarkt.

Gruß
Tobi

Frank de Wit:
Relativ "moderne" Laender -> normalerweise moderne bergbau -> Specimens gehen schnell im Brecher.
(Halb/Voll)automatische mining untertage und alles wird untertage schon verpulvert, und/oder Mineraliensammeln untertage fur die Arbeiter streng verboten. Alles was fur Erz wertvoll ist -> zum Brecher. Du willst nicht wissen wieviel Sylvanit/Tellurium superstufen vom Emperor Mine direkt im Brecher gegangen sind....
LGF

smoeller:
Hallo,

Speziell zu Kanada: Dort gibt es eine Reihe von Fundstellen, die intensiv besammelt werden/wurden, z.B. die Zeolithfundstellen der Bay of Fundy in Nova Scotia oder der Mount St. Hilaire. Dies aber insbesondere von Privatpersonen oder Sammlergruppen. Chrysotilasbest aus Quebec ist auch in größerer Menge auf den deutschen Markt gekommen. Selten und teuer sind hierzulande Grossular, Vesuvian und andere Mineralien in hervorragenden Kristallen von Asbestos zu bekommen. Andere Mineralien/Fundorte sind schon rar. Eventuell geschliffene Stücke von "Ammolite" (opalisierende Schalen kreidezeitlicher Ammoniten).

Wie Frank schon sagte, ist moderner Bergbau nicht sammlerfreundlich. Zumal, wenn er auch noch in extremer Umgebung (Nordkanada) durchgeführt wird, wo jedes Teil und die gesamte Versorgung hunderte von Kilometern über oftmals unwegsames Sumpf- und Dauerfrostland der Tundra und Taiga geliefert werden müssen und im Winter Temperaturen von minus 40 °C keine Seltenheit sind. Unter den Gegebenheiten denkt keiner an das Sammeln von Mineralien.

Gerade bezüglich Kanada brauchst du nur mal auf Seiten wie mindat oder www.mcrocks.com unter "Field Trips" oder "Articles" schauen, da gibts jede Menge Infos zu Mineralien und Vorkommen, speziell in Ontario.

Glück Auf!
Smoeller

Tobi:
Danke schon einmal für eure Antworten!

Natürlich sind (industrieller) Bergbau und Mineraliensammlermarkt zwei Dinge, die sich im Weg stehen, klar. Aber wenn wir mal von Erzen absehen, muss es doch auch von Mineralien wie Calcit, Turmalin, Granat, Quarzvarietäten und so weiter etliche Vorkommen in einem so riesigen Land geben. Und da ziehe ich auch mal den Vergleich zu beispielsweise China oder Marokko: Viele der Mineralien dort, ich denke an Fluorit, Wulfenit, Vanadinit und diverse Sulfide, werden trotz ihres Nutzens zumindest teilweise auf den Sammlermarkt gebracht. Gerade im aufstrebenden China, wo Profit und Wachstum über allem anderen stehen, ist also Raum für Specimen Mining, selbst bei Erzen bzw. Industriemineralien. Ich dachte, dies sei überall der Fall ...

Gruß
Tobi

giantcrystal:
Ich glaube das ist ganz einfach

Mineralien gibt es überall ! Auch in hervorragenden Stufen !!

Die Frage ist nur : wer fährt hin und holt die, bzw. bringt sie auf den Markt ?

Und da gab es früher und gibt es heute leider nur wenige, die dies auf sich nehmen !

Beispiel : 1997 und 1999 war ich zweimal in Sambia und habe hervorragende Stufen in größerer Menge dort sammeln können : excellente Libethenite, hervorragende Tarbuttite und Parahopeite sowie wunderschöne Pseudomalachit - Museumstufen, um nur mal ein paar zu nennen.

Das Material gibt es dort sicherlich immer noch...

Und ähnlich gutes Material gibt es sicherlich auch in Argentinien und vielen anderen Ländern ...aber wer fährt hin ?

Glück Auf

Thomas

P.S. : Kanada ist insofern eine Ausnahme, als die Entfernungen sehr, sehr groß und manches interessante Bergwerk weit abseits liegt

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