http://www.phillisverlag.de/Kalender-Shop/Mineralienkalender/https://www.mineraliengrosshandel.comhttps://www.edelsteine-neuburg.de

Autor Thema: Älteste Gesteine  (Gelesen 9143 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Jörg

  • *****
  • Beiträge: 669
  • Machmal kommen sie auch von oben
    • Homepage
Älteste Gesteine
« am: 08 Apr 12, 13:57 »
Im Dunstkreis der Geowissenschaften wird zwar nicht mehr Unfug im Internet verbreitet als wie in anderen Disziplinen – allerdings auch nicht weniger. Im Besonderen trifft dieses auf Altersangaben von Gesteinen zu, was vermuten lässt, dass so mancher darauf aus zu sein scheint, sich auf die Fahne zu schreiben, er habe das älteste Gestein der Welt gefunden.  Gerne werden oft auch Gesteins-, Zirkon- und Proteolyth-Alter je nach Bedarf durcheinander geschmissen.
Dieses Thema soll den Versuch darstellen, aktuelle und wissenschaftlich fundierte Angaben zu den ältesten Gesteinen zusammen zu tragen, um daraus evtl. später eine „Top 10“- Seite darüber zu erstellen, welche immer auf dem aktuellen Stand stehen sollte.
Wie denkt Ihr darüber?


1. Älteste Gesteine Deutschlands: ~540 Ma
Präkambrium ~540 Ma
Böhmen, Bayrischer Wald, Oberpfälzer Wald, Erzgebirge, Lausitzer Bergland, Sächsisches Granulitgebirge, Schwarzwald, Münchberger Gneismasse, Odenwald, Spessart.
(Para- und Orthogneise)

Kambrium, Ordovizium, Silur 540 – 410 Ma
Sachsen, NE Bayern
Sedimentite (Tonschiefer und Sandsteine)

Devon 410 – 355 Ma
Rheinisches Schiefergebirge, Hunsrück, Taunus, Harz, Thüringisch-Fränkisch-Sächsisches Schiefergebirge.
Sedimentite (Tonschiefer, Sandsteine, Kalksteine)

Quelle: http://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Sammlungen-Grundlagen/GG_geol_Info/Karten/Deutschland/GK1000/gk1000_beschreibung.html

2. Älteste Nordische Geschiebe: ~2 Ga
2.1 Stockholm-Fleckenquarzit, ~ 2 Ga
2.2 Västervik-Fleckengneis, ~ 1,95 Ga

 
3. Älteste Gesteine der Welt: 4,03 Ga
Aus dem Grünsteingürtel

3.1 Grönland
Itsaq-Gneiskomplex.
Der Itsaq-Gneiskomplex zieht sich von Nuuk im SW Grönlands, in SW-NE Richtung bis zum Rand des Eisschildes (vermutlich auch bis darüber hinaus). Er wird in der Gegend um Nuuk als Færingehavn-Terrane bezeichnet, im NE als Isukasia-Terrane. Aus dem Letztgenannten stammen die Isua-Gneise.

3.1.1 Amiitsoq-Gneis 3,87 Ga
Die ältesten aus diesem Komplex stammenden Gesteine finden sich SE Nuuk, mit einem Alter von 3,87 Ga (Amiitsoq-Gneis).
Quelle: May 2004 Journal of the Geological Society,161, 421-430. The Geological Society of London.


3.1.2 Isua-Gneis 3,78 Ga
Den Gneisen um Isukasia (Isua-Gneis) wurde „nur“ ein Alter von 3,782- 3,761 Ga bescheinigt, womit die Isua-Gneise nicht die ältesten Gneise auf Grönland sind.
Quelle:
1.   Peter W. U. Appel, Christopher M. Fedo, Stephen Moorbath und John S. Myers: Early Archaean Isua supracrustal belt, West Greenland: pilot study of the Isua Multidisciplinary Research Project. Geology of Greenland Survey Bulletin, Bd. 180, S. 94–99, 1998 (Lit.-Quelle aus Wiki)
2.   Early Archaean Isua supracrustal belt,West Greenland:
pilot study of the Isua Multidisciplinary Research Project
Peter W. U. Appel, Christopher M. Fedo, Stephen Moorbath and John S. Myers
Unter www.geus.dk /Dok.: gsb180p94-99.pdf

 
3.2 Kanada
3.2.1 Acasta-Gneis 4,03 Ga
Quelle: S.A. Bowring, I.S. Williams: Priscoan (4.00–4.03Ga) orthogneisses from northwestern Canada. Contributions to Mineralogy and Petrology, Bd. 134, S. 3–16, 1999. (Lit.-Quelle aus Wiki).
3.2.2 Nuvvuagittuq-Gneis ~3,8 Ga
Berichten zufolge, könnten die Gneise des Nuvvuagittug-Gürtels ein noch höheres Alter als die Acasta-Gneise, oder die Gneise aus Grönland aufweisen. Sichernde Beweise konnte ich in der Lit. nicht finden. Als gesichertes Alter wird eine Zeitspanne von 3661+/-4 bis 3817+/-16 Ma angegeben. Vermutungen belaufen sich auf 4,28 Ga.
Quelle:  Jean David, Laurent Godin, Ross Stevenson, Jonathan O'Neil und Don Francis: U-Pb ages (3.8–2.7 Ga) and Nd isotope data from the newly identified Eoarchean Nuvvuagittuq supracrustal belt, Superior Craton, Canada. GSA Bulletin, Bd. 121; Nr. 1-2; S. 150-163; Januar 2009.

Wem fällt sonst noch was dazu ein?

Glück Auf!
Jörg
« Letzte Änderung: 08 Apr 12, 14:20 von Jörg »

Offline Jörg

  • *****
  • Beiträge: 669
  • Machmal kommen sie auch von oben
    • Homepage
Re: Älteste Gesteine
« Antwort #1 am: 08 Apr 12, 16:43 »
4. Älteste Meteoriten: ~4,56 Ga
zu den ältesten Meteoriten zählen die Chondrite. Einfache Chondrite (L, LL, H) und Kohlige Chondrite (Cl, CO, CV, CM). 4,559 +/- 0,004 Ga.
Das Foto zeigt eine Scheibe des NWA 6856 (L3.3 (S1/W2)

5. Älteste Materie in Meteoriten: 4,566 Ga
Die ältesten Bestandteile in Meteoriten sind weiß-rosa CAI´s (Kalzium-Aluminium-Einschlüsse) mit einem Alter von 4,566 +/- 0,002 Ga.

Darunter das Bild des (soweit mir bekannten), ältesten Geschiebes: Stockholm-Fleckenquarzit.

Glück Auf!
Jörg


Offline openpit

  • Globaler Moderator
  • *****
  • Beiträge: 598
Re: Älteste Gesteine
« Antwort #2 am: 11 Apr 12, 10:04 »
Hallo Jörg,

könntest Du bitte Deine Quelle für das Alter der Meteoriten angeben? Ich kann mir schwerlich vorstellen wie solche Fehler zustande kommen.

Glück Auf!
openpit

Offline Jörg

  • *****
  • Beiträge: 669
  • Machmal kommen sie auch von oben
    • Homepage
Re: Älteste Gesteine
« Antwort #3 am: 11 Apr 12, 11:27 »
Hallo Openpit,

Die Universitäten Münster (eine der weltweit größten Meteoritensammlungen) und Frankfurt, geben beide ein Alter von 4,568 +/- 0,7 Ga für die ältesten Met´s (einfache Chondrite) an.
http://www.uni-muenster.de/Planetology/people/addi_bischoff/meteorite.html

Diese Angaben decken sich mit Untersuchungen der Northern Arizona University auf Basis des NWA 2364 (vergleichbar mit dem NWA 6856) aus dem Jahr 2010:
http://www4.nau.edu/insidenau/bumps/2010/8_27_10/meteorite.html

Von welchen Fehlern gehst Du aus?

Glück Auf!
Jörg

Nachtrag
Link zum CAI-Alter http://de.wikipedia.org/wiki/Calcium-Aluminium-reiche_Einschl%C3%BCsse
« Letzte Änderung: 11 Apr 12, 15:04 von Jörg »

Offline Stefan

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 11.325
  • Kleine Funde, große Geschichten
    • Mineralienatlas - Fossilienatlas
Re: Älteste Gesteine
« Antwort #4 am: 11 Apr 12, 15:43 »
Hallo,

das mit den ältesten Gesteinen der Welt stimmt so nicht mehr. Ich meine erst neulich im Fernsehen einen Beitrag gesehen zu haben da ging es um Gesteine im Alter von ca. 4,3 Ga. Leider weiß ich nicht mehr wie der Beitrag oder der Ort hieß wo das Gestein zu Tage trat. Ich hab zwar noch die Bilder vor Augen aber das hilft hier wohl wenig weiter.

Besten Gruß
Stefan

Offline Jörg

  • *****
  • Beiträge: 669
  • Machmal kommen sie auch von oben
    • Homepage
Re: Älteste Gesteine
« Antwort #5 am: 11 Apr 12, 16:07 »
Hallo,

das waren mit Sicherheit die Nuvvuagittuq-Gneise aus Kanada. Für die wird ein Alter von 4,28 Ga vermutet. Bewiesen sind für diese Gesteine lediglich 3817+/-16 Ma.
Darum ging es mir in diesem Thread, Vermutungen und Fakten auseinander zu halten.

Viele Grüße und Glück Auf!
Jörg

Offline openpit

  • Globaler Moderator
  • *****
  • Beiträge: 598
Re: Älteste Gesteine
« Antwort #6 am: 12 Apr 12, 21:04 »
Hallo Jörg,

danke für die Quellen, ich werde aber erst am Wochenende zum Lesen kommen. Mich wundern die enorm geringen Fehler von 4 bzw. 2 Mio. Jahren.

Glück Auf!
openpit

Offline Jörg

  • *****
  • Beiträge: 669
  • Machmal kommen sie auch von oben
    • Homepage
Re: Älteste Gesteine
« Antwort #7 am: 12 Apr 12, 21:31 »
Hallo Openpit,

das liegt an der Beobachtung von Isotopen mit sehr kurzer Halbwertzeit.
Hier der Link zu der Arbeit: http://www2.mnhn.fr/hdt205/leme/doc/2007%20Chaussidon%20&%20Gounelle%20CRAS.pdf

Glück Auf!
Jörg

Offline futzi

  • *****
  • Beiträge: 699
Re: Älteste Gesteine
« Antwort #8 am: 21 May 12, 08:43 »
Hier ein Link zum Nuvvuagitteuq-Grünstein-Gürtel und ein Bild von einem Stück von dort.

http://www.pro-physik.de/details/news/prophy11022news/news.html?laid=11022

Gruss Futzi

Offline openpit

  • Globaler Moderator
  • *****
  • Beiträge: 598
Re: Älteste Gesteine
« Antwort #9 am: 23 Jul 12, 18:47 »
Hallo Jörg,

ich habe den von Dir genannten Artikel gelesen. In meinen Augen ist es aber überaus wage die Alter so genau bestimmen zu wollen. Im Paper werden unter anderem Problematiken diskutiert, welche wahrscheinlich nie geklärt werden können (u.a. Homogenität der Akkretionsscheibe, Alter der Sonne), bzw. erst für wenige Systeme, wie 26Al, untersucht wurden. Im Paper wird weiterhin die MC-ICPMS für ihre sehr hohe Präzission hoch gelobt, gleichzietig fand sie zum Zweitpunkt (2007) erst bei vergleichsweise wenigen Proben Anwendung.
Meiner Meinung nach ist es sehr mutig, geradezu fahrlässig, sich mit den Altern so detailiert festzulegen.
Danke nochmals für den Literaturhinweis.

Glück Auf!
openpit

 

Mineralienatlas - Fossilienatlas - Info-Center

Neueste Beiträge Neueste Beiträge