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Autor Thema: Problematikum aus Sillschlucht (Innsbruck)  (Gelesen 13190 mal)

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Offline Sebastian84

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Problematikum aus Sillschlucht (Innsbruck)
« am: 25 Nov 10, 13:13 »
Hallo liebe Mineraliengemeinde!
Mein Name ist Sebastian. Ich bin schon seit längerer Zeit hier im Forum angemeldet, bislang hatte ich lediglich mitgelesen und den Atlas als "Online-Mineralienzeitung" genutzt. Nun bin ich aber selbst auf ein Bestimmungsproblem gestoßen. Fundort ist die Sillschlucht südlich von Innsbruck, nahe der Brennerautobahn. Da ich erst seit kurzem hier lebe, kenne ich mich in der örtlichen Geologie leider nur in den Grundlagen aus und lese mich derzeit dahingegend ein.

Gesteinsbeschreibung:
Es handelt sich um sehr harte, quarzitische Brekzien (Größenordnung dm-Bereich), die auf den Geröllhalden am Flussufer inmitten von überwiegend Gneisen und Quarzphylliten aufgelesen wurden. Der Bruch des Gesteins ist splittrig-spröde, klingt beim Anschlagen mit dem Hammer sehr hell. Die Farbe ist grünlich-grau und wird auf den Fotos annähernd wiedergegeben. Als Einsprengsel finden sich verkieselte und inkohlte Holzfragmente (Größe im cm-Bereich), Quarzlinsen sowie kleine Kugeln bzw nierige Aggregate (mm-cm-Bereich) mit metallischem Glanz und Anflügen von rötlich-gelben Anlauffarben. Auf den Bruchflächen zeigt sich im Gegenlicht leichter violetter Schimmer.

Ist anhand der Bilder eine Bestimmung der metallischen Einsprenglinge möglich? In den anstehenden Quarzphylliten gibt es Vererzungen mit Metallsulfiden, evtl besteht da ein Zusammenhang.
Vielleicht kennt sich jemand im Forum mit dem Einzugsgebiet der Sill ein wenig aus und kann mir mit der mineralogischen und stratigraphischen Einordnung der Fundstücke weiterhelfen.

Gerne liefere ich auch weitere (Detail-)Fotos nach.
Vorab schonmal danke für die Mithilfe.

Gruß,
Sebastian

Offline Sebastian84

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Re: Problematikum aus Sillschlucht (Innsbruck)
« Antwort #1 am: 25 Nov 10, 13:14 »
anbei weitere Bilder

Offline Sebastian84

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Re: Problematikum aus Sillschlucht (Innsbruck)
« Antwort #2 am: 25 Nov 10, 13:16 »
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Offline Sebastian84

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Re: Problematikum aus Sillschlucht (Innsbruck)
« Antwort #3 am: 25 Nov 10, 13:16 »
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Offline Schaufelartist

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Re: Problematikum aus Sillschlucht (Innsbruck)
« Antwort #4 am: 25 Nov 10, 18:28 »
Hallo!

Sieht für mich auf den ersten Blick nach Hämatit aus.

Ist das Sedimentgestein? Könnte ne Oolitische Bildung sein (Blutstein).

Grüsse!

Peter

Offline Sebastian84

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Re: Problematikum aus Sillschlucht (Innsbruck)
« Antwort #5 am: 25 Nov 10, 20:04 »
Servus Schaufelartist!

Danke für deine Einschätzung. Aber: Strichfarbe ist grau; hätte ich vielleicht miterwähnen sollen. Oolithisch ist die Matrix nicht, sondern besteht aus Pflanzenfetzen (Erhaltung s.o.) in einer grau-grünen Grundmasse ohne erkennbare Struktur. Mir ist mit noch ein weiteres Detail an den metallischen Partien aufgefallen, dazu anbei die Kombination von Makromodus und Lupe, vielleicht hilft das weiter.

Gruß,
Sebastian

Offline Kluftknacker

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Re: Problematikum aus Sillschlucht (Innsbruck)
« Antwort #6 am: 25 Nov 10, 20:17 »
Oh Yeah! Was für ein Zeuchs  :D

Hallo zunächst.

Das ist ja etwas. Meine ersten Eindrücke und Gedankenfetzen:
Bilder 1121 und 1122: Brekzie, tendentiell Schlacke
Bild 1113: Synthetisch bis Hüttenzuschlagstoff
Bild 1138:  :-\
Bilder 1136 und 1172: Hüttenzuschlagstoff
Bild 1141: Ja, wenn das Holz nicht wäre ... Sinterbildung aus dem Tertiär? ..... aber doch irgendwie Schlacke!
Bild 1177: Diese Struktur ist mir bisher nur bei Schlacke vorgekommen!

In Summa: sieht für mich irgendwie synthetisch bzw. anthropogen aus. Was es genau ist, da mag ich mich nicht festlegen.

Ein höchst interessantes Stück - auch wenn es nur Schlacke sein sollte.

Kluftknacker

Offline Sebastian84

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Re: Problematikum aus Sillschlucht (Innsbruck)
« Antwort #7 am: 25 Nov 10, 21:24 »
Servus Kluftknacker und danke für den Hinweis!

Jaja, wer suchet, der findet ...und so bin ich jetzt auf das hier gestoßen, was überdeutlich für Schlacke spricht:
In der Nähe gab es eine Bronzezeitliche Brandopferstätte. Die Hitze war so gewaltig, dass der anstehende Quarzphyllit sogar in Laufschlacke überging. Das würde dann sowohl die grüne Färbung des Gesteins, als auch die metallischen Einschlüsse erklären. Beim genaueren Betrachten unter der Lupe sind mir zudem verschmolzene Gneisfragmente aufgefallen. Dass bei der notwendigen Hitze aber das offensichtlich eingeschlossene Holz seine Struktur behalten hat, überrascht mich dennoch.

Die Fundstücke wären demnach keine 08/15 Verhüttungsschlacke, sondern bronzezeitlich und dadurch umso interessanter.
Zum Schluß noch die Quelle: http://www.goldbichl.at/

Gruß,
Sebastian

Offline strahler1975

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Re: Problematikum aus Sillschlucht (Innsbruck)
« Antwort #8 am: 25 Nov 10, 23:17 »
Super recherchiert !!

Gratuliere zu diesem interessanten Fund!
Das mit dem Holz dürfte seine Erklärung evt. darin haben, dass sobald es in die Schlacke gemischt war, wegen Sauerstoffmangel keine Oxidation mehr von statten ging - also verkohlt, aber nicht abgebrannt.

Hast du die Stücke direkt am Goldbichl gefunden ? - oder hast du evtl. einen 2ten Ofen gefunden ?

Glück Auf!!
Frank
 

Offline Schaufelartist

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Re: Problematikum aus Sillschlucht (Innsbruck)
« Antwort #9 am: 26 Nov 10, 11:51 »
Oooops, sorry für meine voreilige Einschätzung!

Die Lösung war doch schließlich viel komplexer.

Grüße!

Peter

Offline Sebastian84

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Re: Problematikum aus Sillschlucht (Innsbruck)
« Antwort #10 am: 26 Nov 10, 14:17 »
Servus!

Fundort der Stücke ist nicht am Goldbichl direkt, sondern eine Geröllhalde eines Gleithanges der Sillschlucht und zwar ziemlich genau am südlichen Fuß vom Bergisel. Ob sich innerhalb der Schlucht ein weiterer Ofen befand, wird schwierig festzustellen sein, da die Sill ja doch eine ganz ordentliche Menge an Geröllfracht mit sich führt. Aber per se auszuschließen ist es natürlich auch nicht.

Gruß,
Sebastian

Offline stoanklopfer

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Re: Problematikum aus Sillschlucht (Innsbruck)
« Antwort #11 am: 27 Nov 10, 04:06 »
Hallo!

Das ist ja ein interessanter Fund und speziell die diskutierte Herkunft ist für mich äußerst interessant. Ich habe vor ca.30 Jahren fast an derselben Stelle südlich des Bergisel in der Sillschlucht schon ganz ähnliche Stücke gefunden. In meiner Unkenntnis zur damaligen Zeit habe ich sie für Produkte des Emailwerkes in Matrei gehalten. Inzwischen habe ich diese Stücke komplett vergessen. Schön, durch ähnliche Funde nun wieder daran erinnert zu werden, und nun besonders durch die diskutierte Herkunft sie in einem ganz anderen Licht betrachten zu können!

Schönen Gruß

Volkmar

Offline oliverOliver

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Re: Problematikum aus Sillschlucht (Innsbruck)
« Antwort #12 am: 29 Dec 23, 16:08 »
Also mir sieht das ganz- und garnicht prähistorisch aus.
Hab daher, als ich jetzt wieder "drübergestolpert" bin, das Forum durchstöbert, und, siehe da, noch zwei Threads zum Thema gefunden:
https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,29603.0.html
https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,51344.0.html

Fazit beim aktuellsten Thread: rezente Schlacke aus dem Ferrosiliziumwerk Matrei !

ga
oliver

 

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