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Autor Thema: wiederum Grünliches  (Gelesen 4127 mal)

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Offline vanderheide

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wiederum Grünliches
« am: 17 Apr 12, 23:19 »
Hallo Miteinander,
Stein 353, wurde gefunden in Zürcher-Oberland, CH (Nagelfluh ist Grundgestein)
Grösse: 55 X 45 X 40 mm / Härte wie Quarz.
Was ist hier das Grünliche? Wie nennt sich einen solchen Stein?

Stein 354, wurde gefunden in Bett der Necker, bei Furth, Kanton SG, CH (Hauptsächlich ist hier alles auch Nagelfluh)
Grösse: 160 X 100 X 95 mm / Härte wie Quarz.
Was ist hier das Grünliche? Wie nennt sich einen solchen Stein?
Vielen Dank für Hinweise!
Gruss / Hans

Offline vanderheide

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Re: wiederum Grünliches
« Antwort #1 am: 17 Apr 12, 23:20 »
weitere Aufnahmen vom 354

Offline smoeller

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Re: wiederum Grünliches
« Antwort #2 am: 18 Apr 12, 09:46 »
Hallo,

1. Biotitgneis. Das dunkle ist Biotit. Dieser kann retrograd in Chlorit umgewandelt werden, wodurch er dann eine grünliche Farbe annimmt. Da ist sicher auch etwas Pyrit drin, deswegen das rostige Aussehen. Pyrit verwittert zu Limonit (Rost).

2. Das grüne dürfte Aktinolith oder Epidot sein, evtl. auch Chlorit. Das Grundgestein scheint ein Granit oder granitischer Gneis zu sein, der während der alpidischen Metamorphose bruchhaft deformiert wurde. Dazu würde Epidot oder Chlorit gut passen. Chlorit ist blättrig, weich (leicht ritzbar mit Messer) und Blättchen sind biegsam, aber nicht elastisch (im Gegensatz zu Glimmer). Epidot ist viel härter als Chlorit und meist dicht ohne Spaltbarkeit. Aktinolith bildet Filze feiner Nadeln.

Glück Auf!
Smoeller

Offline vanderheide

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Re: wiederum Grünliches
« Antwort #3 am: 18 Apr 12, 17:39 »
Hallo Sebastian,
1. Biotit kann sich also in Chlorit umwandeln! Dann wird es noch kein Schichtsilikat sein .. ist dann auf dem Weg dazu?

2. Das Grünliche ist mir für Aktinolit zu grün (oder ist das auch möglich?) Chlorit ist es nicht, es ist viel zu hart, nicht ritzbar und gleich hart wie der helle Quarz. Verhält sich Epidot so?

Vielen Dank für Deine Hinweise!
Gruss
Hans

Offline smoeller

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Re: wiederum Grünliches
« Antwort #4 am: 18 Apr 12, 21:59 »
Hallo,

Biotit und Chlorit sind beides Schichtsilikate, nur der Aufbau ist anders. Man kann sich das vereinfacht wie Sperrholzplatten vorstellen, die unterschiedlich dick sind (beim Chlorit dicker als beim Biotit). Die Platten sind in sich fest verleimt, aber zwischen den Platten leicht verschiebbar. Daher die perfekte Spaltbarkeit der Glimmer. Biotit kann sich in Chlorit umwandeln, das geschieht sogar recht häufig.

Wenn das grüne auf dem 2. Stück so hart ist, dürfte es Epidot sein. Passt auch zu dem Gestein. Es gibt durchaus fast smaragdgrüne Aktinolithe und alle Schattierungen von grau bis grün und fast schwarz, je nach Eisengehalt. Aber der Aktinolith in solchen Stücken ist meist feinnadelig oder filzig und dann meist eher graugrün. Die Aggregathärte (man ritzt ja nicht nur einen Kristall, sondern eine ganze Masse) ist meist viel geringer als die eigentliche Härte des Kristalls/Minerals, da die feinen Nadeln unter dem Druck entweder brechen oder verbiegen.

Glück Auf!
Smoeller

Offline vanderheide

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Re: wiederum Grünliches
« Antwort #5 am: 18 Apr 12, 22:25 »
Hallo Sebastian,
Vielen Dank hast Du immer wieder Geduld mit uns Laien! Ich als Laie mache mir auch Vorstellungen und denke: Chlorit - Schichtsilikat - aha, das hatte ich auf verschiedenen Bergkristallen auch. "Es lagert sich ab in Schichten!! und besteht wohl hauptsächlich aus Silicium.
Wenn nun Biotit auch ein Schichtsilikat ist, dann hat das nichts mit "ablagern" zu tun, denn der Biotit kann sich in allen möglichen Richtungen in einer Grundmasse befinden. Also Schichtsilikat bedeutet nichts anders als aus dünnsten oder sehr dünnen Plättchen gefügt. Vielleicht sogar wie auf einanderliegende Glasplatten? Die sind auch verschiebbar, aber wegen des Luftdrucks nicht voneinander zu trennen?
Habe wieder was gelernt ... und komme schon wieder mit etwas Unbekanntes ... nächstes Thema

Gruss
Hans

Offline Krizu

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Re: wiederum Grünliches
« Antwort #6 am: 19 Apr 12, 09:58 »
Hallo Hans,

das mit den Schichtsilikaten ist ganz einfach. Ich gehe mal einen Schritt weiter zurück zum Diamant und zum Graphit.
Der Kohlenstoff hat vier Elektronen auf der äusseren Schale. Die wollen sich verbinden. Im Diamant geht das in alle Raumrichtungen und bildet so einen Tetraeder, also die Bindungen zeigen in "alle" Richtungen. -> Diamant ist transparent, hart und ein Isolator. Beim Graphit sind drei Bindungen in einer Ebene und es bildet sich eine Wabenstruktur aus. Die vierte Bindung ist frei und senkrecht zuder Ebene mit den Waben. Da hier die bindungen fehlen, ist Graphit weich (= Teile lösen sich schnell) und elektrisch leitend un dhat einen metallischen Glanz.

Was heisst das jetzt be iden Silikaten? Die Baugruppe der Silikate ist ein Tetraeder Si in der Mitte und O in den Ecken. Diese Oktaeder werden verknüpft und die Lücken mit anderen Ionen aufgefüllt. Wenn diese Tetraeder einzelnd sind, ist es ein Inselsilikat. Bilden Sie eine Ebene wie ein NEtz, sind es Schichtsilikate. Daneben gibt es viele Varianten, schau doch mal unter [[Silikat]] hier im Lexikon.

So jetzt zurück zu den was hält die Schichten zusammen. Nein, es ist nicht der Luftdruck. Ab der größe von Nanaopartikeln überwiegen Haftkräfte und darunter "chemische" Kräfte aus den Bindungen der Atome. Bei den Schichtverbindungen sind Lagen eingefügt, die nur schwache Bindungskräfte haben, also quasi Sollbruchstellen.

MfG

Frank

Offline vanderheide

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Re: wiederum Grünliches
« Antwort #7 am: 19 Apr 12, 22:01 »
Hallo Frank,
Ich habe mir die Ausführungen zu den Silikaten im Lexikon angeschaut und Teile davon genau durchgelesen. Ein grosser Teil der erwähnten Steine sind in meiner Sammlung. Das gibt mal Rückschlüsse. Werde dem nachgehen.
Danke für Deine Ausführungen. Da kann ich meine Vorstellungen besser anpassen!
Nur eine Frage: Du sprichst von dem metallischen Glanz von Graphit. Es lässt die Möglichkeit zu zu denken: wenn Bindungen in eine Ebene entstehen und sich eine Wabenstruktur ergibt, dann kann ein metallischer Glanz entstehen. Ich frage deshalb, weil ich den metallischen Glanz auch bei anderen Gesteinssorten beobachtete und dachte vielleicht ist das charakteristisch dafür?
Besten Dank. Gruss
Hans

Offline Krizu

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Re: wiederum Grünliches
« Antwort #8 am: 19 Apr 12, 22:47 »
Hallo,

es gibt grob gesagt zwei Sorten von Glanz. Auf der einen Seite den Diamant-Glanz oder den vom Rutil. Beide entstehen durch eine hohe Brechzahl. Bei Metallen sind die ungebundenen Elektronen dafür verantwortlich, die im Graphit nicht in der Ebene gebunden sind. Ja, das ist fast unzulässig vereinfacht, siehge Silizium, Bleiglanz etc ;-)

MfG

Frank

Offline vanderheide

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Re: wiederum Grünliches
« Antwort #9 am: 20 Apr 12, 22:39 »
Hallo Frank,
Ich werde die Seite Silizium genauer studieren. Ich lebe oder erlebe vordergründig natürlich die Steine und bin einfach beeindruckt von ihrer Schönheit. Metallischer Glanz. Hierzu noch folgende Bilder.
1. wurde als Pyriklasit identifiziert (Pyroxen, Plagioklas und in diesem Exemplar auch ein Kranz an roten Granaten). Hier sind Ansichten des (meiner Meinung nach..) Pyroxens. Ich müsste fast in einem Video zeigen wie bei einer Drehung die Glanzstellen ständig wechseln und wie sehr die Raumesrichtungen ständig wechseln.
Diese Fläche ist erst grob angeschliffen. Wie viel beim Feinschliff erhalten bleibt, werde ich dann sehen.

Offline vanderheide

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Re: wiederum Grünliches
« Antwort #10 am: 20 Apr 12, 22:42 »
2. Hier ein Stein aus der Innerschweiz (Morschach am Vierwaldstättersee). Ob hier wohl auch das Pyroxen für Glanzflächen sorgt?
(vier Aufnahmen desselben Steines)
(Übrigens Stein 1. ist aus der Ivrea-Zone)

Offline vanderheide

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Re: wiederum Grünliches
« Antwort #11 am: 20 Apr 12, 22:51 »
3. Zuletzt ein Serpentinit von Motta Naluns, GR, CH.
Ich meinte es handelt sich hier um Chrysotil, das entweder in "Röllchen" oder in "Plättchen" erscheint, aber hier das Metallische auch zeigt.

Aber ich habe mein Thema gewechselt. Das hat hier nichts mehr mit dem "Grünlichen" zu tun.

Gruss
Hans

 

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