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von Arcegno nach Golino (Ticino, CH)
vanderheide:
Verehrte Mineralienkenner,
Von Arcegno (bei Locarno) führt ein kleines Strässchen nach Golino. Wenn man diesen Weg ca. … km gegangen ist, kommt man in ein Waldstück. Das Gelände ist hier zur rechten Seite des Weges steil abfallend. Vom Hang an der linken Seite strömt ein kleines Bächlein hinunter, fliesst unter den Weg durch und mündet unten in einen kleinen See.
Wenige Meter neben dem Bach steigt jäh aus der lieblich bemosten Waldboden ein senkrechter Fels in die Höhe (ca 20 bis 30 Meter hoch). Diese Felswand verläuft in Ost-West-Richtung. Sie ist meiner Ansicht nach ganz aus Gneis.
vanderheide:
Dagegen gibt es auf der anderen Seite des Baches monumentale, abgerundete Felsknubbel. Es scheint mir, dass diese in Urzeiten von Gletscher abgeschliffen wurden.
Rechts also leuchtet die Felswand weisslich, dagegen sind die Felskuppen links dunkel. Es schimmern darin breite, weissliche, geschwungene Bänder.
vanderheide:
Fragen:
1. Wenn hier die Landschaft grösstenteils von Gletschern abgeschliffen erscheint, weshalb hat dann diese Gneisfeslwand nichts davon abbekommen?
2. Hat der krassen Wechsel von Gneis zu dem dunklen Gestein mit der Insubrische Linie zu tun?
3. Wenn ja, erkennt ihr Deformationen am Gneis? Mir fiel nichts auf.
4. Aus welchem Gestein sind die Felskuppen? Die Oberfläche ist so stark erodiert, dass das Gestein sich erst durch den Schliff zeigt… aber vom einzelnen Stein darf noch nicht auf das Ganze geschlossen werden!
Brodi69:
Das dunkle, Felskuppen bildende Gestein ist stark amphibolhaltig, sprich es geht in Richtung Amphibolit, Eklogit etc. was im Tessin typisch ist. Durch den Amphibolgehalt (z.B. Asbest) ist das Gestein wie "armiert" und besitzt daher eine enorme Zähigkeit und bricht nicht so leicht wie Gneis. Entsprechend hatten die Gletscher viel mehr mühe, diese abzuschleifen wie den Gneis, was die Kuppen erklärt.
Da die insubrische Linie direkt da durch geht, besteht sicher ein Zusammenhang, doch wechseln Gneis und Amphibolite oft sehr krass zueinander, auch ohne eine derart starke Stöhrungszone => z.B. an der Adula, in der Surselva, am Gotthard, im Binntal etc.
Anbei noch ein Auszug aus der Geologischen Karte, die die Gesteinswechsel verdeutlicht.
Gruß
Christian
guefz:
Hallo,
die überhängende Felswand ist vermutlich früher auch so ein runder "Gnubbel" gewesen. Ich vermute, dass beim Abschmelzen der Gletscher ein Teil des ursprünglichen Felsens entlang eines Risses abgerutscht ist und dann diese Wand hinterlassen hat. Hier wird dann im Laufe der Zeit noch weiteres Material nachgebrochen sein bis der heutige Zustand erreicht wurde. In dem überhängenden Bereich siedeln sich kaum Flechten und Moose an, so dass die Felsen grundsätzlich heller wirken als die runden Felshöcker, auf denen sich ein dünner Flechtenbelag ausbilden konnte. Die Gesteine in dieser Gegend führen auch immer mal wieder pegmatitische Gänge, die deutlich heller sind als die Umgebung. Ich war vor ein paar Jahren mal eine Woche zum Klettern dort und in Ponte Brolla, die Reibungsplatten sind sehr interessant...
bis denn
Günter
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