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Autor Thema: Granulit, Granat führend, mit Plattenquarzen (Geschiebe)  (Gelesen 4058 mal)

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Offline Sprotte

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Hallo,

das Geschiebe ähnelt morphologisch dem Schonengranulit, einem Leitgeschiebe aus dem Südwestschwedisches Granulitgebiet, sehr. Wichtige Unterschiede bestehen jedoch in der unterschiedlichen Färbung (helle statt rote Feldspäte) und der Granatführung.

Viele Grüße
Sprotte

Größe: etwa 5x4x3 cm3
Fundort: Kreis Nordwestmecklenburg
Beschreibung: In einer Matrix aus feinkörnigem hellen Feldspat liegen max. ca. 15x5x1 mm3 große graue Plattenquarze. Untergeordnet kommt roter Granat in Form staubfeiner Körner mit typischen Größen im Bereich 0,05–0,2 mm vor, die teilweise in kleinen Aggregaten und kleinen Wolken angeordnet sind. Außerdem sehr wenige kleine schwarze Mineralkörner und einzelne Schuppen eines Hellglimmers.

Offline Sprotte

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Fortsetzung.

Offline felsenmammut

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Glück Auf!

Anhand der Quarze könnte es sich um einen Granulit handeln. Es könnte sich bei dem Stück aber auch einfach nur um einen Gneis handeln. Der Granatbestand könnte dabei auf einen Paragneis hindeuten. Für einen Granulit aus Schonen erscheinen mir die Feldspäte noch zu "klumpig", wodurch das Stück ein bisschen wie Augengneis aussieht . Ein Mylonit wäre auch denkbar.

Mit freundlichen Grüßen

Das Felsenmammut

Offline Sprotte

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Hallo Felsenmammut,

ich habe mich vor allem daher auch für Granulit entschieden, da das Stück keinen Biotit und bis auf winzige Spuren überhaupt keinen Glimmer enthält (alles, was auf den Makroaufnahmen grau erscheint, ist Quarz). Der Feldspat erscheint auf den ersten Blick zwar nur partiell ausgelängt (und daher etwas "klumpig"), mikroskopisch ist er jedoch in jedem Fall feinkörnig granuliert. Bzgl. Mylonit: Sind die Bedingungen bei der Genese von Myloniten derart, dass sie zur Bildung von Granat ausreichen?
 
Viele Grüße
Sprotte (Ralf)

Offline Breker

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Hallo Ralf,

schöne Gesteinsbeschreibung, leider ist auf den Bildern nur wenig davon wirklich erkennbar. Insofern finde ich dass eine Bestätigung/ein Nachvollziehen Deiner Bestimmung in vielen Punkten schwierig ist.
Bzgl. Mylonit: Sind die Bedingungen bei der Genese von Myloniten derart, dass sie zur Bildung von Granat ausreichen?
Da Granate sogar (die richtigen Rahmenbedingungen vorrausgesetzt), synsedimentär entstehen können ist es schwer sich daran zu orientieren. Seit ich bei euch oben in den sogenannten Beyrichienkalken idiomorphe, definitiv nicht klastisch eingetragene, tiefrote Granate gesehen habe, glaube ich bezüglich Granaten an garnichts mehr.

Besten Gruß

A.B.

Offline felsenmammut

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Glück Auf!

Beim Mylonit würde es ja ausreichen wenn der Granat aus dem Ausgangsgestein stammt. Aufgrund der hohen Härte und Temperaturbeständigkeit des Granats kann er seine idiomorphe Kristallform beibehalten, zumal die Kristalle hier schon sehr klein sind. Mylonite bilden sich bei eher niedrigen Temperaturen, wodurch es kaum zu Mineralumwandlungen kommt. Da Mylonit eigentlich eine Gefügebeschreibung ist, spielt es auch nicht die entscheidende Rolle, welche Minerale darin enthalten sind. Bei den hohen Druck- und Scherbeanspruchungen werden die weichen Minerale und der Quarz, da er sich unter diesen Bedingungen duktil verhält, stark verformt. Minerale wie Feldspat, die sich deutlich schlechter plastisch verformen lassen, werden zerkleinert und entweder durch Rekristallisation an den Korngrenzen der Bruchstücke oder durch andere Minerale wie Quarz wieder verkittet.
Bei der Gesteinsbestimmung von Gneisen ist der Glimmeranteil erst einmal nachrangig. Vorrangig sind ein ausgeprägtes Parallelgefüge und ein Mindestgehalt der hellen Minerale (Feldspat+Quarz oder Foide) von 20%. Es gibt keine Obergrenze für die hellen Minerale, so dass diese auch 100% des Gesteins ausmachen können. Damit wäre dann kein Glimmer enthalten.

Mit freundlichen Grüßen

Das Felsenmammut

Offline smoeller

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Hallo,

Mylonit kann durchaus sein. Habe helle Orthogneis-Mylonite mit plattigen Quarzen iom Aufschluss in Süditalien selber gesehen. Das kann soweit gehen, dass man ein Gestein hat, das ähnlich einer Torte aus abwechselnd Bändern von Quarz und Feldspat besteht. Granat ist durchaus möglich, wenn, wie schon gesagt, das Ausgangsgestein granatführend war Aber auch Granulite mit einer solchen Struktur gibt es, als Beispiel wäre Todtmoos im Südschwarzwald zu nennen.

Typisch für nicht vollständig umkristallisierte Mylonite sind in den Feldspäten spätige Altkörner, die von einem Saum feinkörnigen Feldspats umgeben sind (Rekristallisation). Ein Granulit dürfte das eher nicht zeigen, da bei den hohen Temperaturen der Metamorphose (mindestens ca. 650-700 °C) Feldspat wenn, dann vollständige Rekristallisation zeigt.

Glück Auf!
Smoeller

 

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