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Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation

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oliverOliver:
Eigentlich wollte ich ja schon längst wieder einmal einige Beiträge mit etwas wissenschaftlichem Hintergrund zur HMF einstellen. Die liegen jetzt aber teilweise schon gut ein Jahr halbfertig in der sprichwörtlichen „Schublade“, und ich bin bisher einfach nicht dazu gekommen, die fertig zu recherchieren bzw. zu überarbeiten.
Daher vorerst einmal weiter wie zuletzt: Astansätze/Astabgänge aus der HMF, aktuelle Neufunde von Mitte Oktober, wiederum leider zertrümmerte Feldfunde.
Besonders schmerzhaft schlägt die Landwirtschaft beim ersten (L. ca. 15 cm) zu Buche: das wäre unbeschädigt (für hiesige Verhältnisse) ein wahres Prunkstück gewesen, leider blieb aber nur die „Umrahmung“ des ehemaligen Astabganges erhalten, und nicht einmal die zur Gänze (Rückseite frischer Bruch).
Das zweite weist nur einen winzigen Zweigabgang auf, dieser ist dafür recht gefällig.

oliverOliver:
Wohnbauten von Eintagsfliegenlarven in Holz der HMF
Diesmal will ich einen besonderen Fund aus dem Gebiet östlich von Hollabrunn vorstellen. Es handelt sich um einen Holzabdruck in Limonit mit Steinkernen der Wohnbauten von Insektenlarven (Fotos 1-4). Die Oberfläche der Steinkerne zeigt zum Teil noch die Holzstruktur. Während solche Spuren in den Aufschlüssen des südlichen Wiener Beckens anscheinend relativ oft vorkamen (Papp & Thenius 1954), sind sie in der HMF meines Wissens nach nicht gerade häufig anzutreffen.
Eine Parallele bzw. ein Vergleichsstück dazu aus Hennersdorf (südlich von Wien) ist in der Schausammlung des NHM ausgestellt. Es ist eine (kalkige) Konkretion mit Holzabdruck (Holz vergangen) und Steinkernen von Spreitenbauten von Eintagsfliegenlarven (Foto 5, im nächsten Beitrag).
Dieses Stück wurde bereits von Papp & Thenius 1954 beschrieben und von Thenius 1979 ausführlich publiziert. Demnach handelt es sich um die Spuren von Ephemeropteren, die als Asthenopodichnium xylobiontum benannt wurden.

Die Spuren/Steinkerne sind zwar vergleichbar bzw. sehr ähnlich, aber anscheinend doch nicht ganz gleich (was aber auch durch die unterschiedliche Erhaltung/Fossilisation vorgetäuscht werden kann). Hennersdorf ist auch etwas jünger (Pannonium E) als die Hollabrunner Funde (Pannonium B-C, überwiegend aber C – freundliche Mitteilung M. Harzhauser). Und der Hennersdorfer Fund bzw. allgemein die Stücke aus dem Raum südlich von Wien stammen nicht aus der eigentlichen HMF (fluviatil), sondern aus dem sogenannten „Pannon-See“, in den die Paläodonau damals mündete.
Es handelt sich bei dem Hollabrunner Fund also anscheinend um Larvenbauten der gleichen Insektengruppe, möglicherweise aber einer anderen – etwas älteren – Art.
Vergleichbare Spuren kommen übrigens auch auf Knochen vor (Thenius 1988).

Literatur:
• Papp & Thenius 1954: A. PAPP  & E. THENIUS, Vösendorf — ein Lebensbild aus dem Pannon des Wiener Beckens. - Mitt. Geol. Ges. Wien, 46: 1-109, 15 Taf. - Wien.
http://www2.uibk.ac.at/downloads/oegg/Band_46_1_109.pdf
• Thenius 1979: E. Thenius, Lebensspuren von Ephemeropteren-Larven aus dem Jung-Tertiär des Wiener Beckens. Ann.NHM 82, 1979, 177–188.
http://www.landesmuseum.at/pdf_frei_remote/ANNA_82_0177-0188.pdf
• Thenius 1988: THENIUS, E., Lebensspuren von aquatischen Insektenlarven aus dem Jungtertiär Niederösterreichs. – Beitr. Paläont. Österr., 14, 1–17, 3 Abb., 3 Taf., Wien.
http://www.ephemeroptera-galactica.com/pubs/pub_t/pubtheniuse1988p1.pdf

edit:
siehe auch http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,35296.msg263882.html#msg263882

oliverOliver:
Hier nun das Vergleichsstück aus dem NHM.

oliverOliver:
Auch hier mal was zur „Begleitfauna“. Wie eingangs geschrieben, sind Säugetierreste in der HMF nicht so selten. Meist handelt es sich aber nur um unspektakuläre Knochenfragmente und Einzelzähne, am häufigsten solche von Hippotherium (früher: Hipparion). Die Hippotherien aus dem niederösterreichischen Pannonium C sind anscheinend die ältesten dieser Gattung überhaupt … (Siehe: Woodburne 2009). Auch Rhino-Reste sind nicht so selten – meist handelt es sich um Aceratherium (Vgl. z.B.: Heissig 2009). Auch beim hier gezeigten Rhino-Zahn dachte ich – allein schon wegen der Geläufigkeit – an Aceratherium. Laut Mitteilung von U. Göhlich (herzlichen Dank !) ist aber eine Gattungsbestimmung aufgrund der fast völligen Abkauung nicht mehr möglich.

Bild 1: zwei Zähne von Hippotherium.
Bild 2+3: stark abgekauter Zahn eines Rhinos – leider vom Rüttler etwas beschädigt.

• M. O. Woodburne, The early Vallesian vertebrates of Atzelsdorf (Late Miocene, Austria) - 9. Hippotherium (Mammalia, Equidae). Ann. Naturhist. Mus. Wien 111 A, Wien 2009, 585–604.
http://verlag.nhm-wien.ac.at/pdfs/111A_585604_Woodburne.pdf
• K. Heissig,  The early Vallesian vertebrates of Atzelsdorf (Late Miocene, Austria) - 11. Rhinocerotidae and Chalicotheriidae (Perissodactyla). Ann. Naturhist. Mus. Wien 111 A, Wien 2009, 619–634.
http://verlag.nhm-wien.ac.at/pdfs/111A_619634_Heissig.pdf

Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation 

oliverOliver:
Ein besonderer Glücksfall

Gegen Ende 2015 war am Rande (bzw. eigentlich schon knapp außerhalb) meines Lieblings-Fundgebietes für HMF-Hölzer im Hollabrunner Wald ein Streifen einer Wiese oder schon älteren Brache – erstmals seit ich das Gebiet intensiv begehe – umgeackert, und ich habe damals dort ein durchaus akzeptables Kieselholz-Stückchen gefunden (und zwar nur dieses eine) – mit lediglich einem unschönen Detail: es hatte einen ganz frischen Bruch.
Jetzt war ich Anfang Mai wieder dort, der geackerte Streifen lag noch so da wie im Winter, und was ich insgeheim erhofft, aber nicht zu erwarten gewagt hatte, traf trotz aller Unwahrscheinlichkeit ein: ich habe doch tatsächlich – und wiederum als einziges Stück – das fehlende Bruchstück gefunden !
So was kommt äußerst selten vor, und war daher für mich wirklich ein besonderer Glücksfall.
Die Bruchstelle ist zwar (leider) auch nach dem Kleben deutlich zu erkennen, aber besser ein Kieselholz mit kleinem Schönheitsfehler als ein „halbes Holz“ mit frischem Bruch (davon habe ich ohnehin schon genügend)!
Es ist zwar nach wie vor kein wirkliches Prunkstück, aber für einen Feldfund in hiesiger Gegend mit einer Länge von etwa 28 cm, „schöner“ Oberfläche und guter Strukturerhaltung doch ganz beachtlich.

Einen ähnlichen (wenn auch bei weitem nicht so spannenden) Fall hatte ich in der HMF vorigen Herbst erlebt, aber da lagen beide frisch vom Pflug zerbrochenen Fragmente direkt nebeneinander am Acker – das war also deutlich weniger spektakulär als dieses „Zusammenfinden“ nach gut einem halben Jahr.

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