Servus,
es scheint unzweifelhaft zu sein, dass Chlorargyrit vor allem in den Oxidationszonen von silberhaltigen Lagerstaetten zu finden war/ist. Zu historischen Vorkommen oder aktuellen Fundmoeglichkeiten UT oder auf Halden im Harz oder Erzgebirge kann ich nichts beitragen.
Interessant sind fuer mich in diesem Zusammenhang aber alle Beobachtungen zu Fundumstaenden sowie der Stabilitaet von Chlorargyrit auf Halden.
Bevor diese Diskussion abgleitet, moechte ich nochmals einige FAKTEN wiederholen:
(1) Chlorargyrit ist Silberchlorid, ein Halogenid. Chlorargyrit zerfaellt bei laengerer Belichtung unter Dunkelwerden zu metallischem Silber und Chlor. Die dunkle Farbe ruehrt von der Anwesenheit feinstverteilten Silbers her. Silbersulfid (Akanthit) ist zwar gleichfalls schwarz, kann aber auf direktem Wege nicht aus Chlorargyrit enstehen.
(2) Die Moeglichkeit, tatsaechlich Chlorargyrit auf einer Halde zu finden zu koennen, haengt - neben der Sorgfalt des Scheidwerks - von den physikalisch-chemischen Randbedingungen ab (Loeslichkeitskonstante, Vorliegen potentieller Reaktionspartner, Temperatur, pH-Wert, Licht-Exposition usw.).
(3) Die Loeslichkeitskonstante von Silberchlorid in Wasser (KL = 1.7 x 10-10; mol2L2; der gestern von mir zitierte Wert ist falsch) ist relativ gross: ein Liter Wasser loest somit 1.8 mg AgCl (bei 25 Grad Celsius).
Dieser Wert kann natuerlich durch die Anwesenheit anderer Ionen oder Verbindungen drastisch beeinflusst werden. Der pH-Wert des Wassers ("Saurer Regen") sollte hierbei allerdings, wenn ueberhaupt, nur einen geringen Einfluss haben (beim Vorliegen von Carbonaten sieht dies natuerlich wieder ganz anders aus).
In unserer recht niederschlagsreichen Klimazone scheint es somit nicht voellig unmoeglich, dass Chlorargyrit aus Halden tatsaechlich langsam "ausgewaschen" werden kann. Im UT-Bereich und auf geologische Zeitraeume bezogen, ist Chlorargyrit vermutlich als ein eher mobiles Mineral zu sehen, was somit auch zwanglos die relative Seltenheit/lokal begrenzte Haeufigkeit erklaeren koennte.
GA
Harald
P.S.:
Ammoniak wird in der Natur in gigantischen Mengen produziert und umgesetzt. Natuerlich liegt die Verbindung auf Grund ihrer Wasserloeslichkeit meist in Form von Ammoniumverbindungen vor.