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Neue Schutzhütten - Architektur vs. Tradition
Anatas:
Für alpine Mineraliensammler haben auch die Schützhütten eine wichtige Funktion; allerdings Hütten
wie wir Sie kennen haben wohl ausgedient ....
Der Rückgang des Permafrostes in den Alpen hat auch Einfluss auf die Schutzhütten. In Südtirol sind
aktuell die Edelraute-Hütte (triftet auseinander) und die Schwarzensteinhütte (meterlange dicke Risse)
sowie die Weißkogelhütte betroffen. Diese "altehrwürdigen" Hütten wurden seinerzeit mit den einfachsten
Mitteln erbaut, meist auch ohne Fundament, so dass eine Reparatur jetzt nicht mehr in Frage kommt und
man sich zu Neubauten entschlossen hat.
Neue Zeiten, neue Anforderungen und vor allem neue Materialien haben inzwischen Einzug gehalten
und so sehen die Zukünftigen Hütten nicht mehr aus wie traditionelle Hütten - was im konservativen
Südtirol zu einigen Diskussionen führte. Wenn man in der neuen Edelraute-Hütte noch eine klassische Schutzhütte
erkennen kann, ist die neue Schwarzensteinhütte auf 3000m Höhe schon sehr futuristisch (Optik: man stellt
einen "Scheelit-Kristall" aus Holz mit Kupfer verkleidet in einen Moränen-Hügel) und von der Weißkogel-Hütte
weiß ich überhaupt nicht was ich davon halten soll.
Wärme-Isolierung, Abfall-Wirtschaft, Autarkheit und gute Bedienbarkeit seitens des Hüttenwirts
sind vorrangig - die ital. Behörden möchten gerne auf den Schutzhütten die selben Standards
einführen wie in den Sterne-Hotels in den Tälern …
Es gab zur Schwarzensteinhütte, Edelraute-Hütte und Weißkogel-Hütte seitens der Südtiroler ein
Heft mit Erklärung und Statements zu den Bauten … die neue Schwarzenstein-Hütte bietet Schlafplatz
für 30 Leute und soll ca. 3 Mio. € kosten. Ein imposanter Betrag angesichts der ital. Finanzkrise.
Am Schluss der Broschüre sind dann noch Beispiele aufgeführt wir heute die Hütten anderseits geplant
und gebaut wird - vor allem in der Schweiz, in Frankreich und im Aosta-Tal.
Anbei ein paar Links zu den geplanten bzw. bereits erbauten modernen Schutzhütten:
neue Schwarzenstein-Hütte, Ahrntal Südtirol
http://www.stifter-bachmann.com/?rubrik=projekte
Monte Rosa -Hütte, Wallis, Schweiz
http://www.vs-wallis.ch/wallis/huetten/monterosa.html
Gervasutti - Biwak, Mont Blanc
http://www.feeldesain.com/refuge-gervasutti-leapfactory.html
und das Highlight der Schutzhütten
Refuge de Gouter, Mont Blanc
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Projet_bis_credit_GroupeH.jpg&filetimestamp=20110718225107
Baubeginn 2010, Fertigstellung 2013, 3.817m, 100 Schlafplätze, 6,5 Mio. €
Was meint Ihr zu den neuen Schutzhütten: Bruch der Tradition oder ein neues Erfolgsmodell ?
EDIT: habe gerade gelesen, daß die drei südtiroler Schutzhütten vor dem Neubau vom Staat auf das Land übergehen ....
uwe:
Einfach scheußlich! Aber was soll man machen? Jede Woche einen Architekten erschießen? Mehr fällt mir da nicht ein.
Uwe
giantcrystal:
Sic transit gloria mundi
Glück Auf
Thomas
Tobi:
--- Zitat von: Anatas am 24 Sep 12, 10:30 ---Was meint Ihr zu den neuen Schutzhütten: Bruch der Tradition oder ein neues Erfolgsmodell ?
--- Ende Zitat ---
Es ist wie in vielen anderen Bereichen mit der "modernen" Architektur: Fast alle finden die Gebäude schei*e, nicht jedoch die Entscheidungsträger - und am Ende bekommt irgend ein Yuppie-Architekt unendlich viel Geld dafür, dass er die Gegend mit so einem Mist verschandelt. Ein Erfolgsmodell ist das aber auf jeden Fall - für die Finanzen jener, die solche hässlichen Baracken am Reißbrett entwerfen ::)
Brodi69:
Ein altes Thema, das in allen sich mit den Bergen befassenden Plattformen hin und her diskutiert wird... so auch im Schweizer Alpenclub u.a.m.. Hier ein Link auf einen Blogbeitrag (2. Bericht etwas weiter unten) http://blog.tagesanzeiger.ch/outdoor/index.php/category/alpin/
Das Problem mit den Architekten - ich bin selber einer - liegt im ewigen Versuch, sich einen Namen zu schaffen, sich ein Monument zu schaffen...
Das Problem der Hütten liegt im ökonomischen Bereich, wie bekommt man genügend Leute zum Übernachten, um einen Neubau überhaupt zu finanzieren...
Oft liegt die Lösung im auffallenden Design und Luxus, damit mehr zahlende Gäste zu Besuch kommen, die so helfen die Hütte zu finanzieren... zumindest ist das bei den Schweizer Hütten so, die allesamt aus Vereinen und deren Kassen finanziert werden müssen. Da diesen Vereine das Geld für einen teuren Neubau hinten und vorne fehlt, entstehen solche zweifelhafte Lösungen.
Verwandlung? Aufbruch in ein neues Zeitalter? Oder einfach der Versuch, eine bestehende Struktur irgendwie zu erhalten? Ich habe auch keine Antwort, doch bin ich wohl auch einer derjenigen, der allzu luxuriöse Hütten meiden wird und sich immer mehr ins Biwak zurückzieht.... am besten mit Blick auf eine unverbaute Bergkulisse.... die es noch gibt...
Grüsse
Christian
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