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Autor Thema: Süden Bruchsal  (Gelesen 23448 mal)

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Offline Veit,Bernhard

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Süden Bruchsal
« am: 04 Oct 12, 17:46 »
Im Süden Bruchsal gibt es einen Muschelkalksteinbruch für den Azuritkristalle,
Barytkristalle und Olivenitkristalle, sowie Schwefel nachgewiesen sind.

Hat jemand eine Erklärung wie diese Mineralien in den Muschelkalk gekommen sind.

Ich vermute Ausbruch des Kaiserstuhlvulkans.
« Letzte Änderung: 04 Oct 12, 20:16 von Stefan »

Offline Reinhold

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Re: Süden Bruchsal
« Antwort #1 am: 04 Oct 12, 20:29 »
Hallo Bernhard,
hier gibt dir auch der Mineralienatlas die Antwort. Siehe
Rollenberg
Glück Auf
Reinhold
« Letzte Änderung: 22 Sep 16, 12:33 von Stefan »

Offline smoeller

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Re: Süden Bruchsal
« Antwort #2 am: 05 Oct 12, 11:16 »
Hallo,

Es gibt zwei verschiedene Dinge in der Süddeutschen Trias:

a) Bereits sedimentär (d.h. durch Einlagerung der entsprechenden Stoffe im noch unverfestigten Sediment) bzw. diagenetisch (bei der Verfestigung des Gesteins bei erhöhten Temperaturen und unter bis zu mehreren Kilometern Gesteinsauflast) entstandene Anreicherungen von Buntmetallsulfiden in bestimmten Horizonten. Da gibt es zwei Bleiglanzbänke (eine im Keuper, eine im Muschelkalk) und eine Azuritschicht. Es gibt im Muschelkalk sogar durch Galenit versteinerte Muscheln.

b) spätere Umlagerung dieser Sulfide bzw. Zufuhr durch hydatogene (wässrige) bzw. Hydrothermale Lösungen im Bereich des Bruchsystems des Oberrheintalgrabens. Es gibt sowohl Vorkommen, für die eine Herkunft aus den Buntmetallsulfide führenden Schichten (z.B. das Vorkommen von Grötzingen bei Karlsruhe (Pfinztal), wo das Kupfer aus der Azuritschicht stammt), als auch solche, bei denen eine Zufuhr angenommen werden muss (Zinkvorkommen von Reichenbach bei Lahr und Wiesloch, ebenso auch tw. die Vorkommen bei Bruchsal.

Die Vorkommen vom Gereuth N Reichenbach im Schwarzwald, von Wiesloch und Bruchsal zeichnen sich durch das Auftreten von Schalenblende (niedrigthermale Form der Zinkblende, tw. mit Wurtzit), von Arsenerzen (ged. Arsen, Realgar, Auripigment) und Jordanit aus. Das könnte auf eine ähnliche Zusammensetzung der Hydrothermen entlang des Oberrheingrabens hindeuten.

Das Alter müsste ich erst nachschlagen. Es gibt da neuere Forschungen der Tübinger Mineralogen um Prof. Markl, besonders bzgl. Wiesloch. Das Alter des Kaiserstuhlvulkanismus ist ins Miozän zu stellen (Beginn ca. 18 Mio. Jahre für die Tuffe von Eichstetten, Ende ca. 16 Mio. Jahre für den Olivinnephelinit vom Lützelberg bei Sasbach). Ein direkter Zusammenhang von Vulkanismus und Erzgängen ist nicht vorhanden, aber die Öffnung der Spalten und der Aufstieg der Lösungen kann durchaus zeitlich mit dem Vulkanismus zusammenfallen.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Veit,Bernhard

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Re: Süden Bruchsal
« Antwort #3 am: 11 Oct 12, 12:36 »
Herzlichen Dank für die Antwort, das ist ein ganz neuer Aspekt, zumal die
Kinzig-Murg-Rinne früher ostlich am Grabenrand vorbeilief,
Hinweise aus der Botanik für Bruchsal: Prof. Oberdorf in den 30 Jahren.

Es war für mich seit meiner Jugend ein Rätsel, warum man nur in diesem einen
Steinbruch Azurit findet und nicht auch in den anderen zwei daneben.

Viele Grüße
Bernhard Veit

Offline Uwe Kolitsch

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Re: Süden Bruchsal
« Antwort #4 am: 11 Oct 12, 17:28 »
U. Kolitsch und R. Bayerl (1997): Mottramit und Vanadinit aus einer Mergelgrube bei Heilbronn/Baden-Württemberg. Aufschluss 48 (4), 227-235.
diskutieren die Genese von
http://www.mindat.org/loc-34141.html
Mergelgrube, Untergruppenbach, Heilbronn, Baden-Württemberg, Deutschland

Offline Veit,Bernhard

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Re: Süden Bruchsal
« Antwort #5 am: 07 Oct 13, 18:58 »
Herzlichen Dank für die Antworten.

Noch eine Beobachtung zur Mineral-Seifen Theorie.

Etwas weiter südlich und weiter oben am Michaelsberg bei Untergrombach gibt es das Mundloch eines
begonnenes Stollen im Muschelkalk, in dem außer Kalk nichts zu finden ist.
Wurden hier oberflächlich Metalle-Seifen gefunden, die aber zu keinem
weiteren Ergebnis führten.

Bernhard Veit

Offline Veit,Bernhard

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Re: Süden Bruchsal
« Antwort #6 am: 20 Sep 16, 14:18 »
Der vermeintliche Olivin-Adaminmischkristall erwies sich bei einer Nachbestimmung als Malachit-Melanterit, das Mineral passt besser in den Kontext Muschelkalk. Ich interpretiere inzwischen die Fundstelle als Biomineral-Vorkommen.

Offline Reinhold

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Re: Süden Bruchsal
« Antwort #7 am: 20 Sep 16, 20:33 »
Hallo Bernhard,
da schließe ich mich lieber Sebastian an und Azurit ist kein Einzelvorkommen südlich von Bruchsal.
Durch den Einbruch des Oberrheingrabens gab es an etlichen Stellen nördlich und südlich von Bruchsal Mineralvorkommen in bescheidenen Maßen,
so bei Untergrombach, Ka- Durlach und Ettlingen.
@U, Kolitsch
die Mergelgrube Untergruppenbach bei Heilbronn passt zu diesem Thema nicht.
Glück Auf
Reinhold

Offline Veit,Bernhard

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Re: Süden Bruchsal
« Antwort #8 am: 21 Sep 16, 12:24 »
Herzlichen Dank für die Antwort.
Zuerst ein kurzer chemischer Formelüberblick:

Malachit-Melanterit:

Malachit    Cu(OH)2CO3
Melanterit FeSO4

Das sind Ione und Atome, die ich auch in anderen Verbindungen dort antrefe.

Olivin-Adamit:

Olivin    (Mg,Fe) Sio4

Adamin  Zn2(AsO4) (OH)
Weter Quarz, noch Zink oder Arsenoxide sind dort in irgendeiner Form anzutrefen.
Daher gefällt mir der Malachit-Melanterit besser.

Ich werde bei meiner Beschäftigung mit den Mineralien den Eindruck nicht los, daß die Ereignisse um den Grabenbruch sehr kurzzeitig waren und nicht für die Mineralienbildung ausreichen. Viele Lagerstätten zeigen eher ein fast organisches Wachstum an, d.h. hier war mehr Zeit nötig.

Offline Gerdchen

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Re: Süden Bruchsal
« Antwort #9 am: 21 Sep 16, 16:17 »
Hallo Bernhard,

kannst du mir sagen, wer die neue Analyse durchgeführt hat. Die Stücke in meiner Sammlung laufen noch unter Mischkristalle Olivenit-Adamin.Die Analyse wurde damals meines Wissens von Prof. Walenta gemacht und dem wollte ich nicht einfach so wiedersprechen. Vielleicht kann hier auch jemand anderes weiterhelfen.

Am Michaelsberg war vermutlich eine Mutung auf Bleierz.
Gruß
Gerdchen



Offline Geomaxx

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Re: Süden Bruchsal
« Antwort #10 am: 21 Sep 16, 17:34 »
Hi,
ich denke Olivenit-Adamin Mischkristalle ist schon richtig, meines Wissens auch von Prof. Walenta analysiert. Vlt liegt hier nur ein Missverständnis vor, denn in Bernhards vorangegangenem Posting wird von Olivin gesprochen, denke dass es sich dort nur um einen Schreib- und Interpretationsfehler handelt.
Grüßle und Glück Auf!
GEOMAXX

Offline Uwe Kolitsch

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Offline Gerdchen

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Re: Süden Bruchsal
« Antwort #12 am: 21 Sep 16, 18:56 »

Meine Frage bezog sich auf die "Nachuntersuchung" bei der angeblich Malachit-Melanterit statt Olivenit Adamin Mischkristalle herausgekommen sein soll.
Gerdchen

Offline Veit,Bernhard

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Re: Süden Bruchsal
« Antwort #13 am: 22 Sep 16, 12:00 »
Herzlichen Dank für die Antworten. Den Fehler mit dem Olivin bitte ich zu entschuldigen.
Die Bestimmung von K.Walenta lautete Adamin-Olivenit-Mischkristall. Aner beim Olivenit ergibt sich das gleiche Problem
Olivenit Cu2Aso4(OH) Wie kommt das Arsen in den Muschelkalk.

Die Zweitbestimmung erfolgte durch Manfred Gruber, Freudenstadt

Online Sebastian

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Re: Süden Bruchsal
« Antwort #14 am: 22 Sep 16, 12:23 »
Wie ist denn bestimmt worden?
Gruß Sebastian