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Autor Thema: Könne wir als Sammler objektiv sein?  (Gelesen 4860 mal)

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Offline uwe

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Könne wir als Sammler objektiv sein?
« am: 12 Nov 12, 11:28 »
Ich wag mich wieder mal auf dünnes Eis.

Beim Betrachten der Heliodoraufnahmen von Schluchti habe ich mich gefragt, ob wir Bilder von wunderschönen Mineralen überhaupt objektiv bewerten können. Zugegeben, bei den Aufnahmen der beiden Kristalle stimmt nach meiner Meinung so ziemlich alles. Vor allem wurde die, nach meiner Meinung schwierigste Aufgabe bei der Mineralstufenfotografie - die Struktur, sehr gut abgebildet.

Keine Frage, es sind Spitzenfotografien und wenn ich Fotos bewerten wollte, gäbe ich auch eine 10. Aber lassen wir uns nicht auch von der relativen Seltenheit und Ausbildung solcher Kristalle und den harmonischen Farben beeinflussen? Wären wir nicht auch begeister, wenn die Ausleuchtung nicht optimal wäre?

Ich habe z.B. eine Stufe, bei der auf violetten Fluoritrasen blasse, grüne Parasymplesitkugeln aufgewachsen sind. Selbst wenn ich davon eine Spitzenaufnahme machen würde (wozu ich nicht in der Lage bin), würde das Bild farblich so häßlich wirken, daß man es sofort wieder schließen würde.

Ich erfreue mich an gelungenen Aufnahmen, bin aber einer Bewertung gegenüber eher skeptisch.

Uwe


Offline Walpurgin

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Re: Könne wir als Sammler objektiv sein?
« Antwort #1 am: 12 Nov 12, 11:55 »
Hallo Uwe,
Bin vollkommen deiner Meinung, ich kann zu den Fotos keinerlei objektive Meinung abgeben und mache dies auch nicht.
Ich wüsste nicht was ich da bewerten sollte (das eigentliche Foto oder doch die Stufe).

Offline Stefan

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Re: Könne wir als Sammler objektiv sein?
« Antwort #2 am: 12 Nov 12, 11:57 »
Hallo Uwe,

wir bewerten primär nicht die Qualität eines Bildes sondern die Gefälligkeit eines Bildes. Es wird immer eine Mischung aus Handwerkskunst und Schönheit sein. Allein schon weil kaum vergleichbare Betrachtungs-Ausstattung vorhanden ist, ist eine rein handwerkliche Betrachtung sinnlos. Insofern wird hier auch niemand wirklich objektiv beurteilen. Dennoch ist im Durchschnitt ein gewisser Bereich abzulesen der den Gemeingschmack widerspiegelt. Dieses Kriterium ziehen wir heran um die Anzeigeposition festzulegen. Autoren sollten sich davon lösen nur gefällige Bilder zu machen. Handwerklich sollte jeder sein Bestes geben und an sich ggf. arbeiten. Ob die Stufe dann gefällt spielt nur eine untergeordnete Rolle. Auch hässliche Mineralien helfen einen Fund einzuordnen so auf dem Bild was zu erkennen ist.

Besten Gruß
Stefan

Offline Krizu

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Re: Könne wir als Sammler objektiv sein?
« Antwort #3 am: 12 Nov 12, 12:44 »
Hallo Uwe,

nein, wir können nicht objektiv sein!

Es gibt in meinen Augen einen technischen Katalog:
- Schärfe
- Ausnutzung des Bildbereichs
- Kontrastumfang
- Über- und Unterbelichtung
- Farbkontraste
- Hintergrund
- Kit
- "schwebt" die Stufe
- farbige Reflexe aus der Umgebung
- Kantenschärfe (JPG-Fehler oder Überbelichtung)

Dazu kommt der subjektive Katalog:
- Bildaufbau
- Akzentuierung der Flächen durch Reflexe
- subjektive Farbtreue ohne die Stufe zu kennen (untergeordnet)
- Objekt selber (deine Kritik)

Ich habe versucht einen glaskaren Fluorit zu knipsen, der sehr schöne Flächen hat. Niederlage auf ganzer Front. Auch habe ich jahrelang am Mikroskop gesessen und 95% meiner Bilder sind langweilig mittenzentriert, ohne Goldenen Schnitt etc zu beachten.

Das ist das was Stefan sagt: Es gibt die Kalenderblatt-Fotos und die Doku-Fotos. Die zweiten müssen auch alles erkennbar zeigen mit guter Qualität, aber es wird nie den Weg in den Kalender finden, die graue Maus, wohl aber wichtig für die Dokumentation sein.

Mfg

Frank



Offline raritätenjäger

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Re: Könne wir als Sammler objektiv sein?
« Antwort #4 am: 12 Nov 12, 12:56 »
Hallo,

müssen wir?

Gruß
Andreas

Offline Tobi

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Re: Könne wir als Sammler objektiv sein?
« Antwort #5 am: 12 Nov 12, 13:39 »
Genau, warum eigentlich? Als Mineraliensammler haben wir mit Objekten zu tun, die uns persönlich ansprechen/interessieren, da geht es um sehr subjektive Werte; ganz gleich ob in materieller oder ästhetischer Hinsicht.

Bei einem Mineralienfoto ist es natürlich eine gewisse Mischung. Ich versuche, das habe ich ja neulich schon so beschrieben, in erster Linie die Qualität des Bildes zu sehen; die persönliche Meinung zu dem gezeigten Objekt spielt natürlich da immer mit hinein. Im Falle von Thomas' Bild von dem Beryll war für mich der Fall klar: Bild genial, Kristall genial, einfach eine tolle Kombination. Wäre, wie Uwe als Beispiel anführt, die Ausleuchtung nicht so toll, dann wäre ich sicher nicht ganz so begeistert, dann gäbe es eben "nur" eine 8 oder 9 statt eine 10.

Fazit: Hier mischen sich Subjektives und Objektives zu einem Gesamteindruck, der für die Fotografen nur eine Konsequenz aufzeigt: Möglichst gute Mineralien möglichst gut fotografieren, damit bleibt die Qualität unseres Lexikons hoch :)

Offline Walpurgin

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Re: Könne wir als Sammler objektiv sein?
« Antwort #6 am: 12 Nov 12, 14:06 »
Eigentlich hat es Frank sehr schön kurz und bündig ausgedrückt.
Zitat
Das ist das was Stefan sagt: Es gibt die Kalenderblatt-Fotos und die Doku-Fotos. Die zweiten müssen auch alles erkennbar zeigen mit guter Qualität, aber es wird nie den Weg in den Kalender finden, die graue Maus, wohl aber wichtig für die Dokumentation sein.

Für mich persönlich sind die Fotos aus dem Fotothread bzw.Kalenderblatt-Fotos zwar hübsch anzuschaun aber ansonst völlig unbrauchbar. Die Dargestellten Stücke geben im wenigsten Falle die Lagerstätte bzw. Geologie wieder und sind für den "wissenschaftlichen" interessierten Sammler nur eingeschränkt bzw. gar nicht zu gebrauchen.
Deswegen bin ich der Meinung wer keine Ahnung von ästhetischen Mineralien hat, ich schliesse mich da mit ein, sollte den Bewertungsknopf erst gar nicht betätigen.

Offline dorypterus

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Re: Könne wir als Sammler objektiv sein?
« Antwort #7 am: 12 Nov 12, 14:33 »
hallo an alle,
bei mir persönlich ist es so.ich habe mich auf verkieselte hölzer aus dem kyffhäuser und auf fische der mansfelder kupferschieferschichten spezialisiert und da gefällt mir eigentlich alles, egal welche qualität die stücke haben.wiederum ist es mir bei allen anderen tollen mineralien und fossilien eigentlich egal.ich finde sicher auch mal einzelne stücke schön anzusehen, würde sie aber jederzeit für ein gutes holz aus dem kyffhäuser liegen lassen.
objetivität ist halt immer so ne sache, denn es kommt halt immer auf den betrachter an.

grüsse
matze

Offline Goldi85

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Re: Könne wir als Sammler objektiv sein?
« Antwort #8 am: 12 Nov 12, 20:36 »
Für mich persönlich sind die Fotos aus dem Fotothread bzw.Kalenderblatt-Fotos zwar hübsch anzuschaun aber ansonst völlig unbrauchbar. Die Dargestellten Stücke geben im wenigsten Falle die Lagerstätte bzw. Geologie wieder und sind für den "wissenschaftlichen" interessierten Sammler nur eingeschränkt bzw. gar nicht zu gebrauchen.
Deswegen bin ich der Meinung wer keine Ahnung von ästhetischen Mineralien hat, ich schliesse mich da mit ein, sollte den Bewertungsknopf erst gar nicht betätigen.

Hallo Michael,

das verstehe ich nun noch nicht ganz. Meinst du damit im Allgemeinen die Stufen oder die Bilder? Wie wären Stufen zu dokumentieren, um sie für wissenschaftlich Interessierte brauchbar zu machen?

Gruß  Daniel

Offline Jochen1Knochen

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Re: Könne wir als Sammler objektiv sein?
« Antwort #9 am: 12 Nov 12, 21:05 »
Für mich persönlich sind die Fotos aus dem Fotothread bzw.Kalenderblatt-Fotos zwar hübsch anzuschaun aber ansonst völlig unbrauchbar. Die Dargestellten Stücke geben im wenigsten Falle die Lagerstätte bzw. Geologie wieder und sind für den "wissenschaftlichen" interessierten Sammler nur eingeschränkt bzw. gar nicht zu gebrauchen.
Deswegen bin ich der Meinung wer keine Ahnung von ästhetischen Mineralien hat, ich schliesse mich da mit ein, sollte den Bewertungsknopf erst gar nicht betätigen.

Hallo Michael,

das verstehe ich nun noch nicht ganz. Meinst du damit im Allgemeinen die Stufen oder die Bilder? Wie wären Stufen zu dokumentieren, um sie für wissenschaftlich Interessierte brauchbar zu machen?

Gruß  Daniel

Hallo!
Er meinte die Fotos der ganzen Paragenese einer Lagerstätte,da er sich auf das Zitat bezog.Und leider sind in einer Lagerstätte nicht alle Mineralien das,was man fotogen nennt,welche aber dennoch interessant sind!
Gruß Jens

Offline Walpurgin

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Re: Könne wir als Sammler objektiv sein?
« Antwort #10 am: 13 Nov 12, 08:45 »
Hallo Daniel,
Mir geht es eher darum das die Stufen die oftmals gezeigt werden, wissenschaftlich bzw. Lagerstättentypisch meist unwichtig sind.
Sie sind zwar schön anzuschaun spiegeln doch aber im seltesten Falle die Geologie bzw. Mineralogie der Fundstelle wieder.
Gruß

Offline raritätenjäger

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Re: Könne wir als Sammler objektiv sein?
« Antwort #11 am: 13 Nov 12, 14:38 »
Hallo,

dem ist zuzustimmen. In vielen Fällen, gerade bei den neuen Funden "von weiter weg" bezweifle ich teilweise, dass jemals etwas zu den Lagerstättenverhältnissen bekannt wird. Auch diese ganzen kleinen, namenlosen Löcher, aus denen eine Handvoll schöne Stufen gezogen wird und die dann wieder zugebuddelt werden. Keine saubere Dokumentation, nix. Man hat dann eine tolle Stufe ohne Herkunft, wenn man so will. Von den falschen Angaben mal ganz abgesehen, das Fass will ich in dem Zusammenhang gar nicht erst aufmachen ;). Nicht jeder Sammler aber will das alles wissen, das stimmt schon.

Gruß
Andreas

Offline Goldi85

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Re: Könne wir als Sammler objektiv sein?
« Antwort #12 am: 13 Nov 12, 14:47 »
Hallo Michael,

ja das ist wirklich etwas, was bei vielen Funden fehlt  :P
Nämlich die Dokumentation vor Ort. Ich habe auch das Gefühl, dass sich der Mineralienhandel an manchen Fundstellen nur auf die "Hauptmineralien" beschränkt.

Gruß  Daniel

Offline Stänlsucher

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Re: Könne wir als Sammler objektiv sein?
« Antwort #13 am: 13 Nov 12, 20:06 »
Glück Auf,
Um zu der frage zurück zu kommen "Könne wir als Sammler objektiv sein?",stellt sich für mich gleich eine neue Frage!!!
Was ist objektiv!? Ich denke,das lässt sich genau so wenig beantworten,wie,sehen wir alle alles gleich schön!? (NEIN meine Meinung)
Wobei die Antwort genau so vielgestaltig ist,sein wird,wie unser Hobby vielgestaltig ist!
Jedem das seine und das ist gut so!

Glück Auf
Lutz