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Autor Thema: Feldspat  (Gelesen 3645 mal)

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Offline Jörg

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Feldspat
« am: 19 Nov 12, 14:29 »
Hallo,

ich habe mal eine Frage zum Antiperthit.
In der Lit. wie auch im MA ist als Wirtskristall Andesin angegeben, die Entmischungslamellen im Antiperthit bestehen aus Kalifeldspat.
In der Zusammensetzung Ab >50%, K<50%.

Andesin besteht aus An30-50 und Ab 70-50.
Da demnach auch ein nicht geringer Ca-Anteil im Antiperthit vorliegt, müsste er nach meinem Verständnis auch gleichzeitig ein tenärer Feldspat sein (da im Andesin der An 30-50% beträgt).

Gibt es da eine Antwort drauf?

Glück Auf! und besten Dank im Voraus.
Jörg


Offline openpit

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Re: Feldspat
« Antwort #1 am: 19 Nov 12, 21:15 »
Hallo,

ich kenne nur die Beschreibung, dass Antiperthite eine Entmischung von Kalifeldspat (Orthoklas) in einer Plagioklaskomponente darstellen. Diese wird meist als Albit angegeben.
Für mein Verständniss würde Andesin auch nur wenig Sinn ergeben, da die ursprünglichen Feldspäte eine Zusammensetzung besäßen hätten, die weit in der Mischungslücke gewesen wäre.

Natürlich handelt es sich bei diesen um ternäre Feldspäte, es sind schließlich nur K, Na, und Ca als Kationen beteiligt.

Glück Auf!
openpit

Offline smoeller

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Re: Feldspat
« Antwort #2 am: 20 Nov 12, 09:23 »
Hallo,

Richtig: Antiperthit iist Entmischung von Kalifeldspat aus Plagioklas.

Nur: Das mit der Mischungslücke ist viel komplizierter. Diese ist ja abhängig von Druck und Temperatur. Bei steigender Temperatur wird sie kleiner, so dass da auch Mischkristalle möglich sind, die bei Raumtemperatur nicht möglich wären. Wie sich ein solcher Mischkristall weiter entwickelt hängt auch von der Kinetik ab (Stichpunkte Diffusion(-srate), Keimbildungsarbeit, Wachstumsraten, Gitterverschiebungen etc.). Das Problem: Bei hoher Temperatur haben wir einen ungeordneten Kristall, in dem Ca, Na, Al, Si, K auf beliebigen, aber zur jeweiligen Ionenart passenden Gitterplätzen zu liegen kommen und auch der Austausch relativ frei ist (hohe Diffusionsrate). Bei der Abkühlung wird zunächst das Kalium für das Gitter inkompatibel. Wie sehr sich das Kalium nun in bestimmten Bereichen anreichert (Kalifeldspat-Entmischungen) hängt entscheidend von der Diffusionsrate im Vergleich zur Abkühlung ab. Wenn der Kristall rascher abkühlt als die Diffusion Kalium herbeiführen kann, bleiben die Entmischungen klein, wenn hingegen die Diffusion schneller ist als die Abkühlung entstehen u.U. sogar makroskopisch sichtbare Entmischungen (z.B. in manchen Pegmatiten und Graniten). 

Auch bei der Ordnung von Ca und Na (oder auch K) auf der einen und Al und Si auf der anderen Seite ist die Temperatur entscheidend. Bei tieferer Temperatur ist die Besetzung geordnet, bei höherer statistisch. Das unterscheidet z.B. Sanidin, Orthoklas und Mikroklin voneinander.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Jörg

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Re: Feldspat
« Antwort #3 am: 20 Nov 12, 19:09 »
Hallo,

ich danke Euch für die Antworten.
Mir ging es in erster Linie nur um den Terminus "Tenärer Feldspat".
Diesen kenne ich nur im Bezug auf die Beschreibung des Anortoklas in Rhombenporphyren.
Von der Logik her meinte ich, dass auch Mesoperthit und Antiperthit mit hinzu gezählt werden müssten, da bei denen der Anteil an Kalkfeldspat (Ca)  wie im Anorthoklas einen deutlichen Anteil ausmacht.

Natürlich handelt es sich bei diesen um ternäre Feldspäte, es sind schließlich nur K, Na, und Ca als Kationen beteiligt.
Spricht man jetzt von tenärem Feldspat, nur weil An+Ab+Or vorhanden ist, oder muss für die Bezeichnung auch gleichzeitig ein besonderes, bzw. ausgewogenes Mischungsverhältnis vorliegen?

Glück Auf!
Jörg

Offline openpit

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Re: Feldspat
« Antwort #4 am: 21 Nov 12, 21:18 »
Hallo,

Zitat
Nur: Das mit der Mischungslücke ist viel komplizierter. Diese ist ja abhängig von Druck und Temperatur. Bei steigender Temperatur wird sie kleiner, so dass da auch Mischkristalle möglich sind, die bei Raumtemperatur nicht möglich wären.
Dem stimme ich soweit zu, nur dass vor allem die Mischungslücke der Alkalifeldspäte sehr p-T-abhängig ist. Von einen "Anorthoklas" mit soviel Ca, dass sich Andesin entmischt, habe ich noch nicht gehört.

Ternäre (nicht tenäre) Feldspäte sind die der Alkalifeldspat und Plagioklasfeldspatreihe. Die Exoten mit Ba2+, Rb+, NH4+ zählen nicht dazu.

Glück Auf!
openpit

Offline Jörg

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Re: Feldspat
« Antwort #5 am: 22 Nov 12, 13:41 »
Alles klar - Danke!

Glück Auf!
Jörg