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Autor Thema: Unbekanntes Geschiebe  (Gelesen 3450 mal)

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Offline Sprotte

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Unbekanntes Geschiebe
« am: 07 Jan 13, 21:19 »
Guten Abend,

bei diesem Geschiebe (Abmessungen: 6 cm x 6 cm x 2,5 cm, Fundort: Nordwestmecklenburg) handelt es sich nicht um einen Amphibol-porphyroblastischem Gneis ("Hornblende-Fels") (siehe http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,29328.0.html), wohl eher um ein magmatisches Gestein (das Gestein ähnelt etwas dem Canadit aus dem Alkalimassiv von Almunge (siehe http://www.skan-kristallin.de/schweden/gesteine/gesteinsdarstellung/almunge/canadit_text.html).

Beschreibung: Das Gefüge wird dominiert von bis 10 mm langen, meist jedoch kürzeren, säulig bis nadelig ausgebildeten, dunklen Amphibol-Kristallen, die teils subparallel angeordnet sind. Zwischen diesen befinden sind u.a. bis 1 mm große, nichtverzwillingte Feldspat-Kristalle und sehr geringe Anteile eines hellgelbgrünen Minerals (Epidot?). Kein Quarz. Ob Feldspatvertreter vorhanden sind, kann auflichtmikroskopisch nicht eindeutig entschieden werden. Frische Bruchflächen sind hellgrau; auf den angewitterten Oberflächen erscheint das Gestein beige.

Viele Grüße
Sprotte
« Letzte Änderung: 08 Jan 13, 09:21 von Sprotte »

Offline Sprotte

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Re: Unbekanntes Geschiebe
« Antwort #1 am: 08 Jan 13, 15:48 »
Hallo,

das Geschiebe ähnelt - oberflächlich betrachtet - einigen Typen von Särnait (siehe http://www.skan-kristallin.de/schweden/gesteine/gesteinsdarstellung/ganggesteine/saernait/saernaittext.html) aus dem bekannten Alkalimassiv in Mittelschweden (Dalarna). Allerdings enthält Särnait als dominierendes mafisches Mineral Alkalipyroxen (Ägirin) und nicht Amphibol.

Viele Grüße
Sprotte

Offline Jörg

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Re: Unbekanntes Geschiebe
« Antwort #2 am: 08 Jan 13, 20:58 »
Hallo Sprotte,

im Särnait folgen die Mafite i.d.R. einer ausgeprägteren fluidalen Einregelung.
Das ist bei Deinem Fund, soweit ich es auf den Bildern erkennen kann, nicht der Fall.
Auf den ersten Blick, ohne dass ich Deinen Text dazu gelesen hatte, ging mir das Karbonatgestein"Søvit" durch den Kopf.
Das scheidet aufgrund der Fundlokalität wohl eher aus.
Könnte aber etwas ähnliches sein.

Die Ähnlichkeit zum hellen Canadit lässt sich jedenfalls nicht leugnen.
Evtl. könnte ein Säuretest etwas bringen. Bei einem echten Karbonatgestein sollte 30%ige Salzsäure wegen des sehr hohen Kalkgehalts deutlich gelb aufschäumen.
Doch wenn Du die Zwischenmasse mit Feldspäten beschreibst, scheidet ein Karbonat wohl auch aus.

Könnte am ehesten in Richtung Syenit gehen.  Würden auch die Amphibole gut hinein passen.

Glück Auf!
Jörg

Offline Sprotte

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Re: Unbekanntes Geschiebe
« Antwort #3 am: 10 Jan 13, 18:20 »
Hallo Jörg,

ja, Syenit könnte passen (der Säuretest verlief negativ). Bei nochmaliger genauer Betrachtung glaube ich in den Zwickeln zwischen den Feldspatkristallen ein leicht verwitterndes Mineral zu erkennen (Foide?). Der wäre mit dem völligen Fehlen von Quarz und der langgestreckten Morphologie der Amphibole konform. Unter Vorbehalt würde ich das Geschiebe daher vorläufig als foidhaltiger Syenit einstufen.

Viele Grüße
Sprotte

Offline Jörg

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Re: Unbekanntes Geschiebe
« Antwort #4 am: 10 Jan 13, 20:23 »
Hallo Sprotte,

habe heute mal den Schuppen durchforstet und ein vergleichbares Gestein gefunden.
Ist ein Syenit aus dem Dunstkreis der Larvikite (NW Larvik).
Beinhaltet ebenfalls wenige Foide (Nephelin).
In der Nähe von Larvik gibt es eine Menge foidhaltiger Syenite mit z.T. fließenden Übergängen, bis hin zum Foyaid.
Habe von meiner Anstehendprobe mal ein Foto angehängt.
Sorry, aber zur Oslo-Region fällt mir mehr ein als zu Schweden  8)

Glück Auf!
Jörg

Offline smoeller

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Re: Unbekanntes Geschiebe
« Antwort #5 am: 11 Jan 13, 11:15 »
Hallo,

Könnte hinkommen mit dem Syenit.

Leider ist die Unterscheidung von xenomorphen Foiden und Quarz ja selbst im Dünnschliff nicht immer ganz einfach (wenn man nur kleine Körner und Mengen hat). Gerade Nephelin und Quarz, da brauchts dann schon ein gutes konoskopisches Bild, ob es positiv oder negativ ist). Dazu noch die Verwitterung. Da hat man gerade beim Leucit immer mit zu kämpfen, aber auch beim Nephelin und Hauyn gern mal. Das sind dann so Zeolithe, Tonminerale etc., da kann man bei der Bestimmung der Foidmenge gern mal falsch liegen. Aber werm sage ich das, oder?

Glück Auf!
Smoeller

Offline Sprotte

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Re: Unbekanntes Geschiebe
« Antwort #6 am: 18 Mar 13, 16:02 »
Hallo,

obwohl das oben gezeigte Geschiebe mit einer hohen Wahrscheinlichkeit nicht aus Norwegen stammt, ist doch die +/- mineralogische und texturelle Übereinstimmung mit einem Hornblendeessexit aus dem Oslo-Graben interessant (siehe Nr. 4 unter http://www.skan-kristallin.de/norwegen/gesteine/Magmatite/essexit/essexit_b.html#3).

Viele Grüße
Sprotte

 

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