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Autor Thema: Pyritzerfall?  (Gelesen 2515 mal)

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Offline Hugo

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Pyritzerfall?
« am: 16 Jan 13, 23:04 »
Moin!
Heute hat mir ein Nachbar diverse Stufen geschenkt, die er vor 30-40 Jahren auf Elba gesammelt hat. Darunter befinden sich einige Pyritstufen, von denen mir eine aber Sorgen macht. Die Bildqualität ist nicht überragend, aber vielleicht kann sich trotzdem jemand dazu äußern. Mir sieht es nach (schwefelhaltigen?) Ausblühungen aus. Vorsichtshalber habe ich die Stufe schonmal separiert. Was sagt ihr dazu, kann ich die beherzt in die Tonne kloppen?
Gruß,
Hugo

Offline uwe

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Re: Pyritzerfall?
« Antwort #1 am: 17 Jan 13, 10:43 »
Also auf Dauer kannst Du die Stufe nicht halten, aber interessant ist der Verfall schon. Ich hatte vor vielen Jahren mal eine Pyritstufe aus Ronneburg, im Keller gelagert. Da war vielleicht was los. Es bildeten sich in kurzer Zeit jede Menge Sekundärminerale, welche aber auch nicht stabil waren. Es war aber (mit Mikro) sehr interessant den Zerfall zu beoabchten. Falls Du es ebenso machen willst, lege die Stufe aber auf eine Glasplatte. Es bildet sich oft Schwefelsäure. 

Gruß
Uwe

Offline Alcest

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Re: Pyritzerfall?
« Antwort #2 am: 17 Jan 13, 11:16 »
Hallo,

manchmal ist Pyrit begleitet vom isochemischen (gleiche Formel andere Struktur) Markasit, der unter Atmosphärenbedingungen (Luftfeuchtigkeit!) recht instabil ist.
Lagert er in der Nähe von Halogeniden (v.A. in der Nähe von Steinsalz), die stark hygroskopisch sind, kann diese Zersetzung noch schneller erfolgen.

Es bildet sich bei der Reaktion von der Luftfeuchte und dem Markasit (oft in Matrix) Eisensulfat (?), welches diese mikrokristallinen Ausblühungen verursacht.

Das äußert sich dann in abbröckelnden Kristallgruppen oder eben diesen Ausblühungen.

Offline smoeller

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Re: Pyritzerfall?
« Antwort #3 am: 17 Jan 13, 17:07 »
Hallo,

Diese Ausblühungen sind oft Melanterit (Eisenvitriol) bzw. dessen Entwässerungsprodukte (Siderotil, Rozenit, Szomolnokit) neben Römerit (rosabraun) und Copiapit (gelb) und bei Anwesenheit von Al auch Halotrichit.

Es muss nicht immer Markasit sein. Gerade feinkörniger, ehemals gelförmig abgeschiedener Pyrit, sog. Melnikovit, ist in der Regel viel instabiler als Markasit. Der Zerfall geht oft einher mit der Tätigkeit bestimmter Bakterien bzw. Archaea, deren Stoffwechsel auf der Oxidation von Sulfid zu Sulfit bzw. Sulfit zu Sulfat beruht. Gerade Pyrit ist für diese Wesen ein Leckerbissen wie Zucker für uns. Angesichts der Tatsache, dass die Bedeutung dieser biologischen Komponente bei der Pyritzersetzung in den letzten Jahren immer deutlicher erkannt wurde, kann man von einer bedeutenden Komponente sprechen.

Also müsste man den Pyrit im Prinzip trocken und keimfrei halten. Einfaches Vakuum reicht nicht, Schwefelbakterien sind zumindest teilweise anaerob, d.h. sie brauchen keinen Sauerstoff. Sie kommen sogar in der Tiefsee und unter der Erdoberfläche vor.

Glück Auf!
Smoeller